Üppiger Aktienrückkauf - Oerlikon: Das eine tun, das andere nicht sein lassen

Nach einer Sonderdividende legt Oerlikon mit einem umfassenden Aktienrückkaufprogramm nach. Wer nun denkt, dass eine milliardenschwere Verstärkung des Oberflächentechnologiegeschäfts damit vom Tisch ist, der irrt.
05.11.2019 13:12
Von Lorenz Burkhalter
Oerlikon-Hauptsitz in Pfäffikon.
Oerlikon-Hauptsitz in Pfäffikon.
Bild: ZVG

Der Technologiekonzern Oerlikon will bis zu 10 Prozent der ausstehenden Aktien zurückkaufen. Das entspricht einem Volumen in Höhe von 350 Millionen Franken, wie das Unternehmen am frühen Dienstagmorgen anlässlich der Ergebnisveröffentlichung für das dritte Quartal bekanntgibt.

Diese Neuigkeit tröstet die Anleger über die ansonsten eher enttäuschende Geschäftsentwicklung hinweg. Die Oerlikon-Aktie stösst auf reges Kaufinteresse. Nach einem frühen Vorstoss auf 11,16 Franken gewinnt sie zur Stunde noch 5,1 Prozent auf 10,92 Franken.

Ein Quantensprung noch immer möglich

Wer nun denkt, dass das Aktienrückkaufprogramm gegen eine Grossübernahme im Oberflächentechnologiegeschäft spricht, der irrt. Denn Oerlikon will die im Rahmen des Programms erworbenen Aktien nicht vernichten. Vielmehr sollen diese zur "Finanzierung nicht-organischer Wachstumsmöglichkeiten" verwendet werden. Mit anderen Worten: Das Unternehmen will die Aktien als Übernahmewährung nutzen.

Oerlikon wird seit Jahren ein Interesse an den ähnlich gelagerten Geschäftsaktivitäten des Gaskonzerns Linde nachgesagt (cash berichtete). Für die Schweizer käme der Kauf des mit umgerechnet gut 2 Milliarden Franken dotierten Oberflächentechnologiegeschäfts einem Quantensprung gleich.

Als Oerlikon im Juli 2017 den Verkauf von Drive Systems für 600 Millionen Dollar an den US-Automobilzulieferer Dana bekanntgab, sahen Beobachter darin einen vorbereitenden Schritt in Richtung einer Verstärkung des Oberflächentechnologiegeschäfts.

Selbst als Oerlikon den Aktionären im Frühling dieses Jahres überraschend über die reguläre Jahresdividende hinaus eine Sonderdividende entrichtete, schien das Thema Grossübernahme noch nicht vom Tisch. Ein Unternehmenssprecher liess damals gegenüber cash durchblicken, dass eine milliardenschwere Transaktion finanziell noch immer zu stemmen sei. Ende 2018 hatte Oerlikon, den Erlös aus dem Verkauf von Drive Systems noch nicht aufgerechnet, Nettobarmittel in Höhe von fast 400 Millionen Franken in den Büchern.

Gedrücktes Kursniveau bietet sich für Rückkäufe an

Der Zeitpunkt für die Bekanntgabe eines Aktienrückkaufprogramms ist nicht ungünstig, errechnet sich für die Oerlikon-Aktie im bisherigen Jahresverlauf doch ein Minus von 6 Prozent. Von den Jahreshöchstkursen von Anfang März aus betrachtet beträgt letzteres gar 25 Prozent. Mit dem Aktienrückkauf tue der Technologiekonzern das eine, ohne das andere zu lassen, so verlautet deshalb aus dem hiesigen Berufshandel.

Die Société Générale begrüsst die Rückkaufpläne, räumt allerdings ein, dass die zurückgekauften Aktien nicht vernichtet werden. Deshalb resultieren die Pläne nicht automatisch in einer Gewinnverdichtung für die Aktionäre. Dennoch empfiehlt die französische Grossbank die Oerlikon-Aktie mit einem 13 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Kauf.

Die UBS sieht im Aktienrückkaufprogramm zumindest eine Stütze für die Kursentwicklung der Oerlikon-Aktie. Am Margenrückgang im Oberflächentechnologiegeschäft zwischen Juli und September stösst sich die grösste Schweizer Bank hingegen. Doch auch sie preist die Aktie mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 12,50 Franken zum Kauf an.

Die Bank Vontobel bekräftigt zwar ihre Kaufempfehlung, reduziert das Kursziel auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes jedoch auf 13,80 (zuvor 14,10) Franken. Die Zürcher Bank kommentiert das Aktienrückkaufprogramm nicht weiter.

 

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