Die verstärkten russischen Luftangriffe auf die Ukraine treiben die Inflation in dem Land nach Prognose der Zentralbank hoch. Allein die gestiegenen Kosten für Unternehmen und die Störungen der Logistik werden die Inflationsrate in diesem Jahr um 0,4 bis 0,6 Prozentpunkte erhöhen, wie der stellvertretende Notenbakchef Wolodymyr Lepuschynskyj am Dienstag in einem Beitrag für die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine schrieb. Die Notenbank rechnet für Ende 2026 ohnehin mit einer Teuerungsrate von rund zehn Prozent.
Die Eskalation zeige makroökonomische Folgen, erklärte Lepuschynskyj. Die Angriffe auf Unternehmen, Lagerhäuser, Logistikzentren und die Energie-Infrastruktur hätten zusammen mit der faktischen Blockade der Schwarzmeerhäfen einen spürbaren wirtschaftlichen Preis. Die Inflation hatte sich bereits im Juli auf 7,7 Prozent beschleunigt, von 7,2 Prozent im Juni. Vorläufigen Schätzungen zufolge setzte sich dieser Trend im August fort. «Und wenn die Angriffe andauern oder sich verstärken, werden auch die ökonomischen Kosten steigen», warnte der Notenbanker.
Die ukrainische Wirtschaft befindet sich im fünften Kriegsjahr in einem sehr fragilen Zustand. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2026 nur ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 bis 1,6 Prozent. Zugleich wächst der Druck auf den Staatshaushalt. Das Handelsdefizit weitet sich aus, da die Exporte wegen der Logistikprobleme und der Schwarzmeer-Blockade sinken. Im Juli standen Ausfuhren von rund 2,9 Milliarden Dollar Einfuhren im Wert von 8,8 Milliarden Dollar gegenüber.
(Reuters)

