Umfrage zur SNB-PolitikSchweiz hält an Negativzinsen fest - Wortwahl auf Goldwaage

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte trotz der jüngsten Abwertung des Frankens zum Euro an ihrem geldpolitischen Kurs mit ultratiefen Zinsen festhalten.
12.09.2017 15:32
Die 1000er-Note der Schweiz. Der Negativzins bleibt in der Schweiz wohl noch länger bestehen.
Die 1000er-Note der Schweiz. Der Negativzins bleibt in der Schweiz wohl noch länger bestehen.
Bild: iNg

In einer am Dienstag veröffentlichten Reuters-Umfrage prognostizieren alle 35 Experten, dass die Schweizer Währungshüter ihren Leitzins unverändert in der Spanne minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent belassen. Der Strafzins, den Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank bezahlen müssen, dürfte unverändert in der Mitte dieser Spanne bei minus 0,75 Prozent bleiben. Das Gros der Experten erwartet, dass die SNB erst dann ihre Zinsen erhöht, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) vorlegt. Aber die spielt auf Zeit.

Trotz der geringen Aussichten auf eine Zinsänderung dürfte die vierteljährliche geldpolitische Lagebeurteilung der SNB am Donnerstag auf grosses Interesse stossen: Den Grund dafür sehen Ökonomen im jüngsten Wertverlust des Frankens zur wichtigsten Exportwährung Euro. Die SNB ist an einem möglichst schwachen Franken interessiert, denn das macht die Waren der exportorientierten Schweizer Wirtschaft im Ausland günstiger.

Eurokrise ebbt langsam ab

Doch die Eurokrise, in deren Sog der Franken sprunghaft aufgewertet hatte, ebbt langsam ab. Und der Anstieg der Gemeinschaftswährung könnte der Notenbankspitze um Präsident Thomas Jordan mehr Spielraum geben. Seit der letzten SNB-Zinsentscheidung im Juni hat der Euro zum Franken rund fünf Prozent zugelegt. Denkbar wäre etwa, dass das SNB-Direktorium seine Sprachregelung ändert und von einem "überbewerteten Franken" statt wie bislang von einem "deutlich überbewerteten Franken" spricht.

Letztere Formulierung gilt am Markt als Zeichen dafür, dass die SNB weiterhin in Alarmbereitschaft ist und bei Bedarf am Devisenmarkt eingreift, um den Franken zu schwächen. Solche Interventionen sind neben den Negativzinsen das zweite Standbein der Währungshüter: Dabei kaufen sie mit selbst gedruckten Franken Euro oder Dollar. Zuletzt mussten sie jedoch nicht mehr so häufig darauf zurückgreifen, wie noch zu Jahresbeginn als die Unsicherheit über den Ausgang der französischen Wahlen und ein möglicher Euro-Austritt des Landes Anleger verunsicherten und den Euro gedrückt hatten.

"Die SNB ist entspannt, so wie sich der Franken entwickelt, aber noch nicht entspannt genug", sagte Analystin Cornelia Luchsinger von der Zürcher Kantonalbank. Auch sie erwartet keine Änderung der Geldpolitik. Die Notenbank selbst wollte sich zuletzt nicht auf eine Wortwahl festlegen. "Die Situation ist fragil", hatte SNB-Präsident Thomas Jordan in einem Interview mit der Zeitung "Finanz und Wirtschaft" gesagt. Denn zum Dollar habe der Franken an Wert gewonnen.

(Reuters)