Umsatzprognose verfehlt - Geberit-Aktionäre sind nun zum Warten verdammt

Geberit erleidet im Schlussquartal einen leichten Umsatzrückgang. Analysten hatten sich rückblickend mehr erhofft. Folglich gerät die Aktie des Sanitärtechnikspezialisten unter die Räder.
16.01.2020 11:36
Von Lorenz Burkhalter
Der Hauptsitz von Geberit.
Der Hauptsitz von Geberit.
Bild: zvg/Geberit

Was die Spatzen am Hauptsitz von Geberit in Rapperswil-Jona schon seit Wochen von den Dächern pfeifen (cash berichtete), ist seit dem frühen Donnerstagmorgen Gewissheit: Das Umsatzwachstum beim Sanitärtechnikkonzern hat sich im Schlussquartal 2019 weiter verlangsamt.

Gegenüber der Vorjahresperiode stieg der Umsatz zwischen Oktober und Dezember zu konstanten Wechselkursen um gerade einmal 1,9 Prozent. In Franken betrachtet war der Umsatz sogar um 1,1 Prozent rückläufig. Damit werden die jeweiligen Analystenerwartungen verfehlt.

Wenig überraschend hält das Unternehmen am letztjährigen Ziel einer operativen Gewinnmarge (EBITDA) von "rund" 29 Prozent fest. Folglich könnten sich auch die bei 29,3 Prozent liegenden Analystenerwartungen als zu optimistisch erweisen.

Verlangsamung im Kerngeschäft

Nach einem frühen Rückschlag auf 509,40 Franken wird die Geberit-Aktie zur Stunde noch immer mit einem satten Abschlag von 4,7 Prozent auf 515,80 Franken abgestraft.

Wie die UBS schreibt, erfuhr vor allem das Kerngeschäft zuletzt eine Wachstumsverlangsamung. Nur ein überraschend starkes Wachstum im Bereich Piping Systems habe ein noch schwächeres Abschneiden über alle Geschäftsbereiche hinweg zu verhindern gewusst, so die Grossbank weiter. Sorgen bereitet ihr auch die Stagnation im Schlüsselmarkt Deutschland. Das Anlageurteil lautet deshalb weiterhin "Sell" mit einem Kursziel von 385 Franken.

Auch bei der britischen Barclays erklärt man sich das verhaltene Abschneiden im Schlussquartal mit der Verlangsamung im Bereich Flushing Systems sowie der ausbleibenden Belebung im Bereich Bathroom Systems. Die Grossbank stuft die Aktie wie bis anhin mit "Underweight" und einem Kursziel von 420 Franken ein.

Versöhnlicher gibt sich die Zürcher Kantonalbank. Ihres Erachtens ist die langsamere Dynamik zwischen Oktober und Dezember auch auf einen fehlenden Arbeitstag gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen. Sie will ihre Gewinnschätzungen auf Basis des vorliegenden Jahresumsatzes und der beibehaltenen Margenvorgaben um höchstens ein Prozent nach unten revidieren. An der "Marktgewichten" lautenden Einschätzung der Aktie hält die Zürcher Kantonalbank hingegen fest.

Detailliertes Jahresergebnis erst im März

Wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zeigen, empfehlen nicht weniger als sieben von 16 Analysten zum Verkauf der Geberit-Aktie. Sie erachten die Unternehmensbewertung als zu hoch und rechnen aufgrund der verhaltenen Baukonjunktur in der Schlüsselregion Europa mit einer weiteren Wachstumsverlangsamung. Dem stehen bloss zwei Kaufempfehlungen gegenüber.

Das tiefste Kursziel hat mit 355 Franken die UBS ausstehend, gefolgt von Jefferies mit 360 Franken und Goldman Sachs mit 397 Franken. Mit 452 Franken liegt das durchschnittliche Kursziel über alle 16 Analysten hinweg mehr als 16 Prozent unter dem Schlussstand vom gestrigen Mittwoch.

Welches der beiden Analystenlager letztendlich richtig liegt, entscheidet sich am 10. März. Erst dann legt Geberit das auch die Gewinnentwicklung umfassende Jahresergebnis vor.

 

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