Umwelt - Wetterkapriolen könnten Reis-Preise in die Höhe treiben

Hitze, Trockenheit und Überschwemmungen in einigen Ländern Asiens könnten den Preis für Reis in die Höhe treiben. Dies würde ein weiteres wichtiges Grundnahrungsmittel in Entwicklungsländern unerschwinglich machen.
06.08.2022 11:55
Reissäcke in einem Supermarkt in Thailand.
Reissäcke in einem Supermarkt in Thailand.
Bild: cash

 "Es gibt ein Aufwärtspotenzial für die Reispreise mit der Möglichkeit des Produktionsrückgangs in wichtigen Exportländern", sagte Phin Ziebell, Agrarökonom bei der National Australia Bank. "Eine Erhöhung der Reispreise würde die ohnehin schon grossen Herausforderungen für die Erschwinglichkeit von Nahrungsmitteln in Teilen der Entwicklungsländer noch verstärken."

Der Exportstopp in der Ukraine infolge der Invasion Russlands hatte in den vergangenen Monaten die Preise für Getreide nach oben getrieben. Nach der Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte bröckeln die Preise von den Höchstständen ab. Auch Reis dürfte sich nach Einschätzung von Landwirten, Händlern und Analysten wohl verteuern. Unregelmässige Regenfälle im indischen "Getreidegürtel", eine Hitzewelle in China, Überschwemmungen in Bangladesch und Qualitätseinbussen in Vietnam könnten die Erträge von vier der fünf weltweit führenden Reisproduzenten schmälern, sagten sie der Nachrichtenagentur Reuters.

Reis sei bislang erschwinglich geblieben, obwohl die Lebensmittelpreise Anfang dieses Jahres insgesamt Rekordhöhen erreichten, merkte die Ökonomin der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Shirley Mustafa, an. "Wir erleben jetzt wetterbedingte Rückschläge in einigen wichtigen Reis produzierenden Ländern, darunter Indien, China und Bangladesch, was zu einer geringeren Produktion führen könnte, wenn sich die Bedingungen in den nächsten Wochen nicht verbessern", fügte sie hinzu.

Weniger Niederschlag in Indien - Überschwemmungen in Vietman

Staatlichen Wetterbehörden zufolge hat es in der Monsun-Saison in Indiens wichtigsten Reis produzierenden Bundesstaaten bis zu 45 Prozent weniger Niederschlag gegeben. Das habe teilweise zu einem Rückgang der Reisanpflanzungen um 13 Prozent geführt. Das wiederum könnte zu einem Rückgang der Produktion um zehn Millionen Tonnen oder rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr führen, sagte B.V. Krishna Rao, Präsident der All India Rice Exporters Association. Allerdings sei die Reisanbaufläche auch deshalb zurückgegangen, weil einige Bauern auf Hülsenfrüchte und Ölsaaten umgestiegen seien, fügte er hinzu.

In Vietnam haben Regenfälle während der Ernte die Getreidequalität beeinträchtigt. "Noch nie zuvor habe ich es während der Ernte so stark regnen sehen. Es ist einfach unnormal", sagte Tran Cong Dang, ein 50-jähriger Bauer aus der Mekong-Delta-Provinz Bac Lieu. "In nur zehn Tagen entspricht der gemessene Gesamtregen in etwa dem gesamten Vormonat", sagte Dang, der einen Ertragsverlust von 70 Prozent auf seinem zwei Hektar grossen Reisfeld aufgrund von Überschwemmungen schätzte.

Nach Hitze in China Rekordimporte zu erwarten

China, der weltweit grösste Reiskonsument und -importeur, hat Ertragseinbussen durch extreme Hitze in seinen Anbaugebieten erlitten und dürfte sich daher am Weltmarkt bedienen. Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums dürften die Importe Chinas 2022/23 voraussichtlich auf einen Rekordwert von sechs Millionen Tonnen steigen nach 5,9 Millionen im Vorjahr.

Auch der drittgrösste Verbraucher der Welt, Bangladesch, wird wohl nach Überschwemmungsschäden in seinen Hauptanbaugebieten mehr Reis importieren, sagten Händler.

Das volle Ausmass der Defizite in anderen Ländern als Indien muss noch von Analysten oder Regierungsbehörden geschätzt werden. Aber die Auswirkungen des extremen Erntewetters sind in dieser Woche bereits am leichten Anstieg der Exportpreise aus Indien und Thailand zu erkennen.

"Die Reispreise sind nahe am Tiefpunkt und wir sehen, dass der Markt vom derzeitigen Niveau aus ansteigt", sagte ein in Singapur ansässiger Händler bei einem der grössten Reishändler der Welt. "Die Nachfrage zieht mit Käufern wie den Philippinen und anderen in Afrika an, die Fracht buchen möchten."

(Reuters)

 
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