«Unbeliebte Aktien sind spannend»

Unbeliebte Aktien sind oft erfolgreicher als beliebte. Was hinter dem Konzept der Unpopularität steckt, erklärt Yale-Professor Roger Ibbotson im Video-Interview mit cash.
24.03.2015 01:05
Von Ivo Ruch
Roger Ibbotson: "Wenig aufregende Unternehmen haben oft erfolgreiche Aktien."
Bild: cash

Wie kann man die Performance von Aktien vorhersagen? Auf die Mutter aller Börsenfragen gibt es viele Antworten. Oft ist dabei von Risiken die Rede: je grösser das Risiko desto grösser ein möglicher Gewinn. Eine besondere Antwort hat Roger Ibbotson auf Lager. Der Finanzprofessor der Yale School of Management hat über mehrere Jahre die Aktienmärkte erforscht und nach Performance-Modellen untersucht.

Seine Erkenntnis: Anleger orientieren sich nicht nur an Risiko und Rendite. "Aktien mit weniger Risiko werfen sogar mehr Rendite ab", sagt Roger Ibbotson im Gespräch mit cash. Das Konzept der Popularität erscheint ihm hingegen geeigneter, um Erfolg und Misserfolg von Einzeltitel zu erklären. "Unpopuläre Aktien sind günstiger und man bekommt eine höhere Rendite. Alles Populäre ist teurer und dementsprechend kleiner ist der Gewinn", so der Börsenforscher weiter.

Unbekanntes ausgraben

Mit anderen Worten: Eine Aktie, die in aller Munde ist, über die ständig gesprochen und geschrieben wird, bietet keine spannenden Perspektiven mehr. Vielmehr gilt es, Titel auszugraben, die wenig bekannt sind. Doch das braucht Geduld und Energie. Etwas, das viele Anleger nicht mitbringen.

Apple ist beispielsweise ein Titel, auf den Ibbotson nicht mehr setzen würde – obwohl er im laufenden Jahr bereits wieder 15 Prozent dazugewonnen hat. "Für ein Unternehmen, das so gut läuft und so innovativ ist, wird es zusehends schwierig, das immer wieder zu bestätigen." Viel einfacher sei es, sich auf tiefem Niveau zu verbessern.

«Nicht unbedingt gute Stories»

Cracker Barrel nennt Ibbotson als Beispiel einer unpopulären Aktie mit Gewinnpotenzial. Die amerikanische Kette vereint Restaurants und Geschenkläden und wird vor allem von Lastwagenfahrern besucht. Gerade im eher unscheinbaren Erfolg liegt die Chance der Cracker-Barrel-Aktie. Seit Jahresbeginn hat sie 10 Prozent an Wert dazugewonnen.

Anders schätzt Ibbotson die Konkurrenz von Buffalo Wild Wings ein, eine beliebte Sportbar. "Sie ist viel zu hoch bewertet, wirft aber denselben Gewinn ab. Es geht darum, die Firmen zu finden, die nicht unbedingt gute Stories liefern", sagt Ibbotson. In vielfacher Hinsicht ähneln unpopuläre Aktien sogenannten Value-Titeln: Es sind oft keine aufregenden Unternehmen, aber sehr erfolgreiche Aktien.

Gegen den Strom schwimmen

Es geht bei Ibbotsons Konzept also auch darum, sich dem Herdentrieb zu widersetzen – eine der häufig erwähnten Todsünden beim Investieren. Andere sind Ungeduld, Emotionalität, Faulheit oder Hochmut. Diese Strategie wird auch Contrarian-Ansatz genannt. Denn wie geht doch ein anderes Bonmot: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

Was aber, wenn man in eine Mauerblümchen-Aktie investiert und diese mit der Zeit zum Liebling der Massen wird? "Der ideale Moment, um auszusteigen, ist, wenn eine Aktie ihre Popularität wieder zu verlieren beginnt", sagt Ibbotson.

Im Video-Interview mit cash sagt Roger Ibbotson zudem, welche lebenslang gültigen Finanz-Ratschläge er Anlegern gibt.

Das Gespräch mit Roger Ibbotson fand an der Morningstar Institutional Conference in Amsterdam statt. cash war an diesem Anlass Medienpartner.