Aus der Führungsebene der US-Notenbank kommen nach der jüngsten Zinserhöhung unterschiedliche Signale zum weiteren geldpolitischen Kurs. ‌Die Federal ⁠Reserve (Fed) habe vor der Entscheidung über weitere Schritte Zeit abzuwarten, ⁠wie sich die Finanzmärkte und die Wirtschaft entwickelten, erklärte Fed-Direktorin Michelle Bowman am ‌Mittwoch. Sie sieht zum jetzigen Zeitpunkt ‌keine Dringlichkeit für weitere Massnahmen: «Wir ​müssen uns wirklich die Zeit nehmen, um zu verstehen, wie sich die Lage entwickelt», sagte sie am Rande der Tagung von IWF und Weltbank in Bangkok. Die Chefin des Fed-Bezirks ‌Boston, Susan Collins, hatte zuvor erklärt, die US-Zentralbank müsse ihrer Ansicht nach die Zinsen noch vor dem Jahresende erneut anheben, um ​die hohe Inflation zu dämpfen.

Die Fed hatte ihren ​Leitzins im vergangenen Monat um ​einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent gehievt. Mehrere Währungshüter äusserten ‌laut den Protokollen der Sitzung die Ansicht, dass der aktuelle Leitzins nicht oder nur geringfügig restriktiv sei - also die Wirtschaft nicht ​oder ​kaum bremse. Die meisten Notenbanker ⁠schätzten es so ein, dass eine weitere ​Zinsanhebung bis Jahresende ⁠wahrscheinlich angemessen wäre. Dies entspricht auch dem von der Zentralbank veröffentlichten ‌Zinsausblick der Währungshüter. Fed-Chef Kevin Warsh hatte sich allerdings nicht daran beteiligt. Er will, dass sich die ‌Anleger an den Fundamentaldaten ausrichten und somit ein ​ungefiltertes Signal erhalten.

(Reuters)