Peters sieht zwar weiteres Aufwärtspotenzial für US-amerikanische und europäische Aktien in diesem Jahr, warnte jedoch davor, dass eine Korrektur von 5 bis 8 Prozent im Vorfeld von Risikoereignissen wie den US-Zwischenwahlen im November weiterhin möglich sei. Diese Korrektur wäre jedoch eher ein gesunder Kursrückgang als ein struktureller Einbruch.

Steigende Anleiherenditen bereiten Aktienanlegern zunehmend Sorgen. Die wachsende Befürchtung, dass steigende Ölpreise die Inflation anheizen werden, hat die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,8 Prozent getrieben und damit die für Aktien oft als negativ angesehene 5-Prozent-Marke erreicht. Die Rendite dreissigjähriger Anleihen notiert auf einem 19-Jahres-Hoch. Es mehren sich die Spekulationen, dass die Zentralbanken gezwungen sein werden, die Zinsen anzuheben, wodurch die Renditen wieder auf das Niveau vor den Anleiherückkäufen von Finanzminister Scott Bessent zurückfallen würden. Diese Massnahmen dienten der Eindämmung der langfristigen Kreditkosten.

«Fünf Prozent haben psychologisch gesehen Auswirkungen, und ich denke, man könnte in dieser Hinsicht eine spontane Reaktion der Aktienmärkte beobachten. Insbesondere angesichts der Faktoren, die wir im Zusammenhang mit den Zwischenwahlen im September erwähnt haben, und der Tatsache, dass der entscheidende Faktor der Berichtssaison des zweiten Quartals vorbei ist», sagte Peters, globale Leiterin der Anlagestrategie bei JPMorgan, in einem Interview mit Bloomberg Television.

Peters erklärte zu den Gewinnen, dass das Gewinnwachstum von 30 Prozent im zweiten Quartal in den USA und der Anstieg in Europa um rund 15 Prozent nicht nachhaltig seien und sich voraussichtlich abschwächen würden. Dennoch argumentierte sie, dass die Breite des Wachstums – zu dem Finanz-, Industrie- und Versorgungsunternehmen gleichermassen beitragen – einen gesünderen Markt widerspiegele als einen, der ausschliesslich von Technologie getrieben werde.

Peters betonte, dass JPMorgan weiterhin von einem Investitionsboom und einem damit einhergehenden Gewinnboom überzeugt sei. Die USA blieben neben Schwellenländern die bevorzugte Anlageregion des Unternehmens, während Europa weder als Gewinner noch als Verlierer einzustufen sei. Die Strategin hob die Versorgungsbranche neben Finanz- und Technologieunternehmen als bevorzugten Sektor hervor und verwies nicht nur auf deren Rolle bei der Bereitstellung von KI-Infrastruktur, sondern auch auf das Risiko, dass Energieengpässe – neben Speicherchip-Mangel – die KI-Expansion stark einschränken könnten.

Die eigentliche mittelfristige Bewährungsprobe, so Peters, bestehe darin, nachzuweisen, dass massive KI-Investitionen eine Rendite auf das eingesetzte Kapital generieren – sowohl für die investierenden Unternehmen als auch für die Kunden der KI-Dienstleistungen in allen Wirtschaftssektoren.

(Bloomberg/cash)

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