Die Aktie von Lindt&Sprüngli notiert am Freitag 0,4 Prozent tiefer bei 79’800 Franken. Mit einem Minus von rund 12 Prozent weist Lindt&Sprüngli in dieser Woche die drittschlechteste Performance aller im Swiss Performance Index enthaltenen Aktien aus.

Grund dafür ist eine Umsatzwarnung, welche der Schokoladenhersteller aus Kilchberg ZH am Dienstag veröffentlicht hatte. Es war bereits die zweite Meldung dieser Art im 2026. Lindt&Sprüngli erwartet gemäss Mitteilung vom Dienstag nun noch ein Wachstum von 0 bis 2 Prozent, nachdem bisher 4 bis 6 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Als Gründe nannte die Firma «eine hohe Preissensibilität der Konsumenten» sowie die «extreme Hitze im Sommer», die den Umsatz in Europa belastet habe.

Nach der Umsatzwarnung folgte eine Reihe von Kurszielsenkungen durch Analysten. Auch der Experte von JPMorgan wird bei den Börsen-Aussichten von Lindt jetzt (noch) pessimistischer. Er senkte am Freitag das Kursziel für die Lindt-Namenaktien von 87'000 Franken neu auf 73'000 Franken. Das wäre der tiefste Stand seit Januar 2019, und es ist das zweittiefste Kursziel für die Namenaktie von Lindt, das von einem Analysten zuletzt vergeben wurde.

Für die Partizipationsscheine wird neu ein Ziel von 7300 Franken von zuvor 8700 Franken ausgerufen. Die Einstufung lautet für beide Titel weiterhin «Underweight», was einer Verkaufsempfehlung gleichkommt.

Die Verkaufsdaten von Lindt&Sprüngli in Europa blieben schwach, begründet der Analyst von JPMorgan seine Kurszielsenkungen. Dies sei im Vergleich zur Konkurrenz auf deutlich höhere Preise zurückzuführen. Im Klartext heisst das: Die Konsumenten schlucken die kontinuierlichen Preiserhöhungen von Lindt nicht mehr.

Umsatzwarnung untergräbt das Vertrauen in die Prognosefähigkeit

Zwar habe Lindt&Sprüngli Preissenkungen für 2027 angekündigt, doch sei unklar, ob diese breit angelegt oder nur selektiv erfolgen würden, schreibt der JPMorgan-Analyst weiter. Er reduziert deshalb seine Schätzungen für das organische Wachstum 2026 und 2027 sowie die Gewinnprognosen. Auch mittelfristig erscheine das Ziel eines organischen Wachstums von 6 bis 8 Prozent zunehmend ambitioniert, schreibt er weiter.

Deutliche Worte fand am Dienstag bereits die Bank Vontobel. Die erneute Umsatzwarnung untergrabe das Vertrauen in die Prognosefähigkeit von Lindt&Sprüngli. Diese sei bislang ein wesentlicher Faktor für die hohe Bewertung der Wertpapiere gewesen.

Die Preissetzungsmacht, die lange Zeit Lindts wichtigstes Argument gewesen sei, würde nun auf die Probe gestellt - und es stelle sich die Frage, ob die «Preiselastizität» ein strukturelles Problem oder ein einmaliges Ereignis sei. Im Gegensatz zu JPMorgan empfiehlt Vontobel die Lindt-Aktie immer noch zum Kauf. Insgesamt gibt es für die Lindt-Aktie 6 «Kaufen»-Empfehlungen und je sieben «Halten»- und «Verkaufen»-Ratings. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 97’250 Franken, was einem Aufwärtspotenzial von rund 22 Prozent entspricht.

Lindt gelinge es derzeit nicht, die übliche Wachstumsdynamik zu entwickeln, schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Die Generierung von substanziellem Volumenwachstum ist unserer Ansicht nach der Schlüsselfaktor für die Lindt-Aktie». Die Aktien seien im historischen Kontext derzeit tief bewertet mit einem 12-Monats-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23,3. Der zehn-Jahres-Durchschnitt liege bei 34,9. Dennoch hat die ZKB bloss eine «Marhtgewichten»-Empfehlung auf der Aktie.

Daniel Hügli
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