US-Glacégeschäft veräussert - Plant Nestlé-Chef Schneider noch weitere Verkäufe?

Mit dem Verkauf des US-Glacégeschäfts verbessert sich das Wachstumsprofil von Nestlé nur geringfügig. Allerdings geht mit der Transaktion die Hoffnung einher, dass schon bald weitere Bereichsverkäufe folgen könnten.
12.12.2019 09:40
Von Lorenz Burkhalter
Mark Schneider, CEO Nestlé.
Mark Schneider, CEO Nestlé.
Bild: ZVG

Nach einer mehrwöchigen Nachrichtenflaute kann Nestlé-Chef Mark Schneider mit einer weiteren Erfolgsmeldung aufwarten: Obwohl Glacé auf den ersten Blick so gar nicht zur kalten Jahreszeit passt, gibt er den Verkauf der US-Speiseeisaktivitäten für 4 Milliarden Dollar ans Joint-Venture Froneri bekannt.

Dadurch verbessern sich die Wachstumsaussichten seines Westschweizer Arbeitgebers zwar nur marginal. Allerdings gewinnt Froneri bedeutend an Grösse, was es dem Joint-Venture zukünftig einfacher macht, sich im hart umkämpften Markt für Speiseeis gegen mächtige Rivalen wie etwa Unilever durchzusetzen.

Die Anleger reagieren überraschend zögerlich auf diesen jüngsten Coup Schneiders. Nach einem frühen Rücksetzer gewinnt die Nestlé-Aktie zur Stunde magere 0,2 Prozent auf 103,26 Franken.

Überblickbare finanzielle Auswirkungen

Auch in Analystenkreisen stösst der Verkauf des US-Speiseeises auf positive Resonanz. Die Neuigkeiten kämen zu einem Zeitpunkt, als der Konzernumbau bereits weit fortgeschritten schien, schreibt etwa Jefferies und gibt sich überrascht. Berechnungen der US-Investmentbank zufolge führt der Verkauf bei Nestlé zwar zu einer leichten Verwässerung der zukünftigen Gewinne. Im Gegenzug verspricht sie sich jedoch eine Verbesserung des organischen Umsatzwachstums um 5 bis 10 Basispunkte. Jefferies empfiehlt die Nestlé-Aktie wie bis anhin mit einem Kursziel von 118 Franken zum Kauf.

Die britische Barclays hält die finanziellen Auswirkungen aus Sicht von Nestlé hingegen für vernachlässigbar. Dennoch begrüsst die Grossbank die Neuigkeiten, glaubt sie doch, dass Froneri als Käuferin in den Genuss umfangreicher Skalen- und Synergieeffekte kommt. Davon würde auch Nestlé profitieren, sind die Westschweizer mit 44,5 Prozent doch Junior-Partner des Joint-Ventures. Barclays stuft die Aktie mit "Overweight" und einem Kursziel von 115 Franken ein.

Wie die US-Investmentbank J.P. Morgan ergänzt, unterzog Nestlé das US-Speiseeisgeschäft in den letzten zwei Jahren erfolgreich einem Turnaround. Umso mehr erachten die Amerikaner den Zeitpunkt für den Verkauf dieser Geschäftsaktivitäten als günstig. J.P. Morgan empfiehlt die Nestlé-Aktie mit "Overweight" und gar einem Kursziel von 120 Franken zum Kauf.

Wertvolle Impulse für die Aktie?

Noch bis Ende August galt die Nestlé-Aktie als der diesjährige Überflieger unter den Titeln aus dem Swiss Market Index (SMI). Allerdings ist sie seither deutlich vom damaligen Rekordhoch bei 113,20 Franken zurückgefallen. Zuletzt drohten gar wieder Kurse unter 100 Franken.

Beobachter begrüssen deshalb den 4 Milliarden Dollar schweren Verkauf des Speiseeisgeschäfts ans Joint-Venture an Froneri, in der Hoffnung, dass Nestlé-Chef Mark Schneider den Umbau seines Arbeitgebers im kommenden Frühjahr fortsetzen wird. Wie die US-Investmentbank Jefferies in diesem Zusammenhang zu bedenken gibt, steht auch die auf Tiefkühlkost spezialisierte Tochter Herta zum Verkauf. Ausserdem könnte sich der Nahrungsmittelkonzern in China von Geschäftsaktivitäten trennen. Die Bank Vontobel geht sogar noch einen Schritt weiter und erwartet noch vor Jahresende einen Verkauf von Herta.

Mit einem Kursplus von fast 30 Prozent steht die Nestlé-Aktie bei den Blue Chips im oberen Drittel der diesjährigen Gewinnerliste. Den Dividendenabgang von Mitte April aufgerechnet, notiert erstere sogar um 32 Prozent über dem Stand von Anfang Januar.

 

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