Während Goldman Sachs und die Citigroup ihre Gewinne unerwartet deutlich ‌steigerten, verfehlte ⁠der Branchenprimus JPMorgan wegen eines schwächeren Investmentbankings die Erwartungen. Wells Fargo übertraf zwar die Gewinnziele, enttäuschte Anleger jedoch bei den Erträgen und dem Zinsüberschuss.

Die Banken profitierten teilweise ⁠im Handelsgeschäft von den volatilen Märkten infolge des Nahost-Konflikts und globaler Zinsentscheidungen. Zugleich spiegelte sich in den Zahlen eine nach wie vor robuste US-Wirtschaft wider. Der Markt für Fusionen, Übernahmen und Börsengänge hingegen kühlte sich ab.

GOLDMAN ‌SACHS MIT DEUTLICHEM GEWINNSPRUNG

Goldman Sachs steigerte den Gewinn im abgelaufenen Quartal um fast 30 Prozent auf 5,29 Milliarden ‌Dollar oder 17,01 Dollar je Aktie und übertraf damit die Analystenschätzungen deutlich. Angetrieben wurde ​das Ergebnis von einem Anstieg der Erträge im Aktienhandel um 72 Prozent auf 6,44 Milliarden Dollar. «Ungeachtet der aktuellen Komplexität und Unsicherheit in der Welt sind wir weiter sehr gut positioniert, um unsere Kunden zu bedienen», erklärte Bankchef David Solomon. Die Goldman-Sachs-Aktie stieg vorbörslich um 3,8 Prozent.

Das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC) der Bank gab um ein Prozent nach, nachdem es im Jahresverlauf wegen geopolitischer Spannungen teils stark geschwankt hatte. Die Gebühren im Investmentbanking legten gegen den Markttrend um 21 Prozent zu, was ‌auf eine rege Aktivität bei der Emission von Aktien und Anleihen zurückzuführen war. Auch das Geschäft mit ausserbörslichen Unternehmenskrediten (Private Credit) erwies sich als stabil. Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, wonach bei Goldman Sachs erwogen werde, dass Solomon schon im kommenden Jahr das Amt des CEO an den operativen Chef (COO) John Waldron abgeben könnte.

JPMORGAN ENTTÄUSCHT

JPMorgan Chase verdiente ​5,57 Dollar je Aktie, rund sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und verfehlte damit die Prognose von 5,85 Dollar. Es war ​das erste Mal seit dem vierten Quartal 2023, dass die Bank die Erwartungen der Finanzmärkte nicht erfüllen ​konnte. Die Gebühreneinnahmen im Investmentbanking fielen im Vergleich zum Vorquartal um acht Prozent, da der Markt für Börsengänge an Schwung verlor.

Dagegen stiegen die Erträge im Aktienhandel um 49 Prozent, weil Investoren angesichts unsicherer Zinsaussichten ‌und steigender Energiepreise ihre Portfolios umschichteten. Eine verlässliche Stütze blieb das klassische Kreditgeschäft, in dem der Zinsüberschuss ausserhalb des Handelsgeschäfts um sechs Prozent kletterte. Die JPMorgan-Aktien drehten nach anfänglichen Verlusten ins Plus und notierten 0,8 Prozent höher.

CITI ÜBERRASCHT POSITIV

Die Citigroup verbuchte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Gewinnsprung um 40 Prozent auf 5,25 Milliarden Dollar. Mit 2,85 Dollar je Aktie ​übertraf die ​Bank die Analystenschätzungen von 2,66 Dollar. Allerdings fiel der Überschuss damit um zehn Prozent niedriger ⁠aus als im zweiten Quartal. Die Erträge im Investmentbanking kletterten im Jahresvergleich um neun Prozent, schwächten sich ​aber zuletzt wegen weniger Emissionen ab. ⁠

Im Kreditkartengeschäft verzeichnete die Bank einen Gewinnrückgang von acht Prozent und musste 1,9 Milliarden Dollar für mögliche Ausfälle zurücklegen, da die Verbraucher mit Inflation und höheren Zinsen kämpfen. Die ‌Papiere der Citigroup gaben um 0,4 Prozent nach.

WELLS FARGO VERFEHLT ERWARTUNGEN

Wells Fargo übertraf mit einem Gewinn von 1,87 Dollar je Aktie zwar die Schätzungen, verfehlte aber die Erwartungen bei den Gesamterträgen und dem Zinsüberschuss, woraufhin die Aktien um knapp ein Prozent fielen. Der Zinsüberschuss stieg um fünf Prozent ‌auf 12,52 Milliarden Dollar, blieb damit jedoch hinter den erhofften 12,63 Milliarden Dollar zurück. Die Bank begründete dies mit höheren ​Kosten für Einlagen und niedrigeren Zinsen bei variabel verzinslichen Vermögenswerten.

Wie einige Konkurrenten musste auch Wells Fargo die Risikovorsorge für faule Kredite erhöhen: Die Rückstellungen stiegen von 681 Millionen Dollar im Vorjahr auf 1,03 Milliarden Dollar, auch wenn das Management betonte, dass das Konsumverhalten der Kunden weiterhin intakt sei.

(Reuters)