Der geldpolitische Schlüsselsatz wurde am Mittwoch um einen Viertelpunkt angehoben - auf die neue Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. An den Finanzmärkten war damit gerechnet worden. Denn die vom Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges befeuerte Inflation zeigte sich zuletzt äusserst hartnäckig. In ihrem Zinsausblick signalisierten die Währungshüter, dass sie die Zügel weiter anzuziehen gedenken:
Bis Ende 2026 könnte demnach noch ein Erhöhungsschritt hinzukommen, bevor die Fed im kommenden Jahr in den Wartemodus schaltet. Eine Zinssenkung, wie sie US-Präsident Donald Trump fordert, ist damit wohl vorerst vom Tisch.
Die einstimmig beschlossene Zinserhöhung dürfte aus Sicht der Notenbank dazu beitragen, «eine rechtzeitigere Rückkehr» zum Zwei-Prozent-Ziel der Fed mit Blick auf die Inflation zu unterstützen. Der seit Mai amtierende Notenbankchef Kevin Warsh hatte Handlungsbereitschaft der Notenbank signalisiert, falls die Inflation nicht nachlassen sollte. Die Teuerung hält sich bereits seit Jahren über dem Zielwert der Federal Reserve von 2,0 Prozent.
Die Fed achtet besonders auf ein Inflationsmass, das auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher zugeschnitten ist - im Fachjargon PCE-Index genannt. Die daraus berechnete Teuerungsrate lag im Juli wie bereits im Juni bei 3,7 Prozent. Und jüngst setzte der Ölpreis zu einem neuen Höhenflug an, was weitere Inflationsgefahr heraufbeschwören dürfte.
In der Erklärung zum Zinsentscheid strich die Notenbank die Erläuterung, mit der die aktuell erhöhte Inflation auf «Angebotsschocks» – insbesondere im Energiesektor – zurückgeführt wird. Dies trug offenbar den Bedenken von Warsh und anderen Währungshütern Rechnung, wonach der Preisdruck ein besorgniserregend breites Ausmass angenommen habe.
«Bei der Fed ist der Geduldsfaden gerissen. Ihre Zuversicht ist geschwunden, dass die Inflation auf absehbare Zeit zum Zielwert zurückkehrt», so die Einschätzung von Bastian Hepperle, Ökonom bei Bethmann HAL. Jetzt mache die Fed auch unter der Leitung von Kevin Warsh das Gegenteil dessen, was sich US-Präsident Trump wünsche, meint LBBW-Experte Elmar Völker: «Die erneute Konfrontation zwischen Fed und Weissem Haus war indes absehbar, da die vom Nahost-Konflikt herkommenden Inflationsrisiken in den vergangenen Wochen gewachsen sind.»
Die Zinswende löste am Markt keine spürbare Reaktion aus. Die technologielastigen US-Börsenindizes notierten weiterhin jeweils rund ein halbes Prozent im Plus, während der Dow-Jones-Index der Standardwerte weitgehend stabil blieb. Der Dollar-Index lag unverändert leicht höher bei 99,72 Punkten. Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verharrte mit 4,947 Prozent in etwa auf dem Niveau vor dem Fed-Entscheid.
Lange hatten sich an den Finanzmärkten Zweifel gehalten, ob die Notenbank den Schritt nach oben wirklich wagen würde. Dies auch, weil die Fed den Finanzmärkten unter Warsh keine Orientierungshilfe mehr zum weiteren Kurs geben will. Ausserdem hat Trump die unabhängigen Währungshüter immer wieder unter Druck gesetzt, die Zinsen entgegen der gängigen Lehrmeinung in Zeiten hoher Inflation zu senken. Trump hat Warsh im Mai ins Amt gebracht. Dabei machte er klar, dass er von dem neuen Fed-Chef eine lockerere Linie erwartete, als sie Warshs Vorgänger Jerome Powell verfolgt hatte.
Jüngsten Reuters/Ipsos-Umfragen zufolge könnten sich die Sorgen der Bürger hinsichtlich der Lebenshaltungskosten mit höheren Zinsen verschärfen. Dies bedeutet Unbill für Trumps Republikaner, die im November bei den Zwischenwahlen um ihre Mehrheit im Kongress bangen müssen. Denn Trumps Popularität hat gelitten - auch wegen des sich hinziehenden Iran-Krieges. Trump hatte erst kürzlich mit weitreichenden Handelsbeschränkungen gedroht, sollte die Fed die Zinsen nicht senken. Kein Land sollte seiner Ansicht nach niedrigere Zinsen haben als die USA.
(Reuters)

