Die US-Notenbank Fed darf sich nach den Worten von Alberto Musalem, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank of St. Louis, bei ihren geldpolitischen Entscheidungen nicht ‌von ⁠den Finanzmärkten leiten lassen. «Manchmal ist es vertretbar, die Märkte zu überraschen», sagte er ⁠am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Veranstaltung in Brasilien. Die Zentralbank müsse sich ein eigenes Urteil bilden. «Wenn man der ‌Meinung ist, dass es Zeit für eine geldpolitische Kursänderung ‌ist, sollte man diesen Schritt vollziehen - unabhängig davon, ​was an den Märkten eingepreist ist», erklärte Musalem weiter.

Damit grenzte er sich von Fed-Chef Kevin Warsh ab. Dieser hatte bislang kaum Hinweise auf das weitere Vorgehen gegeben und erklärt, die Finanzmärkte müssten die geldpolitischen Aussichten selbst einschätzen. Musalem sprach sich zudem nach ‌eigenen Angaben bei der Sitzung in der vergangenen Woche für eine Zinserhöhung der US-Notenbank aus. «Der Leitzins ist unser wichtigstes geldpolitisches Instrument, und ich habe mich bei der Sitzung für eine ​Anhebung um 25 Basispunkte ausgesprochen», sagte er. Frühzeitige, schrittweise Zinserhöhungen seien vorzuziehen ​und weniger einschneidend als spätere, abruptere Schritte. Wenn ​die Geldpolitik auf dem aktuellen Niveau bleibe, bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation im kommenden Jahr deutlich über ‌dem Zielwert von zwei Prozent verharre.

Musalem warnte davor, eine höhere Inflation in der Hoffnung auf künftige Produktivitätssteigerungen zu tolerieren. Dies könne die Glaubwürdigkeit der Fed gefährden. Entscheidend sei, dass ​die ​Geldpolitik die zugrunde liegende Inflation spürbar dämpfe. ⁠Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Inflationserwartungen der Öffentlichkeit ​nicht mehr fest verankert blieben. ⁠Die Finanzierungsbedingungen stützten die Wirtschaft derzeit stark, und viele Vermögenswerte seien hoch bewertet. Die US-Wirtschaft ‌habe sich in den vergangenen Monaten widerstandsfähig gezeigt, und der Arbeitsmarkt habe sich stabilisiert.

Die Fed hatte ihren Leitzins am 29. Juli in einer ‌Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen, obwohl die Teuerungsrate deutlich über ​der Zielmarke lag. Drei Notenbanker hatten bei der Sitzung für eine Zinserhöhung gestimmt, um den Preisdruck zu mindern.

(Reuters)