Die US-Notenbank Fed muss nach Einschätzung des regionalen Notenbankchefs von St. Louis, Alberto Musalem, die Zinsen weiter anheben, um die ‌Inflation ⁠auf das Ziel von zwei Prozent zu drücken. «Um die Inflation zeitnah wieder auf den ⁠Zielwert zu bringen, ist eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich», sagte Musalem am Donnerstag auf einer ‌Veranstaltung in New York. Wenn man von einem ‌Zeitraum von etwa 18 Monaten ausgehe, deute ​dies auf Zinserhöhungen in den kommenden sechs bis neun Monaten hin. Mit Blick auf die nächste Zinssitzung der Fed Ende Oktober wollte sich Musalem, der in diesem Jahr nicht im Offenmarktausschuss (FOMC) stimmberechtigt ist, nicht festlegen. Er gehe unvoreingenommen in jede ‌Sitzung und habe das Ergebnis nicht vorweggenommen, erklärte er.

An den Finanzmärkten wird weithin erwartet, dass die Notenbank den Leitzins im Oktober in der Spanne von 3,75 bis 4,00 ​Prozent belassen wird. Die Fed hatte die Zinsen zuletzt Mitte ​September angehoben. Für das Jahresende hatte sie ​dabei einen weiteren Zinsschritt nach oben signalisiert. Zuletzt hatten jedoch der New Yorker Fed-Chef John Williams ‌und Fed-Vizechef Philip Jefferson erklärt, es gebe keine Eile, während die Notenbank neue Wirtschaftsdaten auswerte. Investoren rechnen nunmehr mit einer Zinserhöhung im Dezember.

Musalem betonte zudem, dass die Finanzierungsbedingungen trotz ​des ​jüngsten Anstiegs der Anleiherenditen weiterhin das Wirtschaftswachstum ⁠stützten. Der Renditeanstieg sei kein Zeichen für einen ​Vertrauensverlust der Investoren in ⁠die Fed, sondern spiegele die Erwartung höherer Realzinsen in einer starken Wirtschaft wider. ‌Getrieben werde dies zudem durch hohe Investitionen im Technologiesektor und den grossen Finanzierungsbedarf des Staates. In diesem Zusammenhang warnte Musalem vor den hohen Schulden ‌der US-Regierung. Diese befinde sich seit fast zwei Jahrzehnten auf ​einem nicht nachhaltigen finanzpolitischen Kurs. Es bestehe das Risiko, dass die hohe staatliche Kreditaufnahme der Wirtschaft schaden könnte.

(Reuters)