UV-Technologie - Ein deutsches Small Cap plant Wachstum mit Coronakiller-Lampen

Weltweit werden die Corona-Beschränkungen gelockert. Einzelhändler, Hotels, Busbetreiber und andere Unternehmen fragen sich, wie sie ihre Kunden vor dem Erreger schützen können. 
27.05.2020 17:54
Mundschutz und Handdesinfektion in einem Supermarkt in Lausanne.
Mundschutz und Handdesinfektion in einem Supermarkt in Lausanne.
Bild: imago images / Hans Lucas

Eine Möglichkeit: unsichtbares ultraviolettes Licht. Firmen aus ganz neuen Bereichen haben in letzter Zeit Interesse an der Technologie gezeigt, sagt Norbert Haimerl, Finanzvorstand der Dr. Hönle aus Gräfelfing bei München, in einem Interview. Das Unternehmen, das vergangenes Jahr gerade einmal 108 Millionen Euro Umsatz gemacht hat, erlebte diesen Montag einen nie dagewesenen Kursanstieg von 30 Prozent. Grund war ein Bericht des Münchner Merkurs. Der Artikel griff eine Mitteilung des Unternehmens von letzter Woche auf, wonach Studien belegen, dass seine UV-Geräte zum Abtöten von Coronaviren geeignet sind.

Mit Desinfektionsgeräten für Unternehmen aus der Lebensmittelverpackung und -verarbeitung wie Tetra Pak und Krones machte Dr. Hönle 2019 rund 5 Millionen Euro, oder etwa fünf Prozent vom Umsatz. Zukünftig dürfte es mehr werden. Seit Beginn der Pandemie - und noch mehr seit Veröffentlichung der Studienergebnisse - fragen Kunden aus den verschiedensten Bereichen bei Dr. Hönle wegen der Desinfektionslösungen an, so Haimerl. Die Bandbreite reicht von Hotelbetreibern, die mit den Geräten Schlüssel oder ganze Zimmer desinfizieren wollen, über Optiker auf der Suche nach Möglichkeiten, Brillen zu entkeimen, und Verkehrsunternehmen, die Busse und Züge sterilisieren wollen, bis hin zu Einzelhandelsketten und Krankenhäusern, berichtet der Manager.

"Wenn die positive Stimmung anhält, sehe ich sehr grosses Potenzial für unsere Lösungen. Mit einigen Unternehmen sind wir im Gespräch über Aufträge, die mehrere hundert oder sogar bis zu tausend Geräte umfassen, und Umsatzvolumina von über einer Million Euro haben können. Ich erwarte, dass wir ab nächstem Monat Abschlüsse sehen werden", so Haimerl. Wegen der Unsicherheiten aufgrund der Coronavirus-Krise hatte Dr. Hönle am 27. April seinen Ausblick für das Geschäftsjahr zurückgezogen, und zwei Wochen später führte das Unternehmen für viele seiner Mitarbeiter Kurzarbeit ein. Wegen der neuen Dynamik will Haimerl Anfang Juni den gesamten Vertrieb wieder aus der Kurzarbeit nehmen, und dasselbe könnte bald mit den Mitarbeitern aus der Produktion geschehen.

Umsatzschub absehbar

Die Produkte von Dr. Hönle zur UV-Desinfektion umfassen Umluftgeräte, die die Raumluft desinfizieren, ohne Menschen im Zimmer der gefährlichen UV-Strahlung auszusetzen. Andere Geräte wie UV-Säulen können nur eingesetzt werden, wenn sich keine Personen im Raum aufhalten, weil die Strahlung Haut und Augen schädigen kann. Anwender von Handstrahlern zur UV-Desinfektion müssen Schutzausrüstung tragen. In Desinfektionskammern, die Tresoren ähneln, können Hotelschlüssel, Karten oder Geld entkeimt werden.

Desinfektionslösungen dürften sich zu einem langfristigen strukturellen Treiber für Dr. Hönles Geschäft entwickeln, und ein nachhaltiges Nachfragewachstum sei zu erwarten, schrieb Warburg-Analyst Malte Schaumann in einer Note. Über die nächsten zwei bis drei Jahre sieht er das Potenzial für eine Umsatzverdopplung oder -verdreifachung auf 10 Millionen Euro bis 15 Millionen Euro.

Den weltweiten Markt für UV-Desinfektionslösungen schätzt Schaumann auf rund zwei Milliarden US-Dollar, und Dr. Hönles Anteil von einem bis fünf Prozent zeige, wie fragmentiert der Markt sei, so Schaumann.

Desinfektions-Roboter werden stark nachgefragt

Ein Wettbewerber ist die UVD Robots, eine Tochter der nicht-börsennotierten Blue Ocean Robotics aus Dänemark. Deren Roboter desinfizieren automatisch Räume in Krankenhäusern, bevor Reinigungspersonal, Patienten, Krankenschwestern oder Ärzte sie betreten. Die Nachfrage nach den Robotern habe im ersten Quartal "dramatisch" zugenommen, berichtete das Unternehmen, und chinesische Kliniken hätten seit Beginn der Pandemie mehr als 2000 Stück bestellt. Auch der Hanauer Technologiekonzern Heraeus, der in der Entkeimung von Lebensmittelverpackungen tätig ist, berichtet über vermehrte Anfragen von Behörden, Ärzten und Maschinenbauern nach seinen UV-Lösungen für die Desinfizierung von Räumen.

Haimerl ist optimistisch, von dem entstehenden Markt einen ordentlichen Anteil zu gewinnen. "Die Pandemie hat die Menschen für Desinfektion sensibilisiert, und ich glaube, dass das Thema auf Dauer in den Köpfen bleiben wird", sagte er. "UV-Entkeimung ist ein Riesenmarkt, und ich erwarte, dass wir darin gut Fuss fassen können."

(Bloomberg)