Vanguard und Blackrock - Ein Duopol mit Folgen für die Finanzwelt

Blackrock und Vanguard - die grössten Vermögensverwalter der Welt - dürften in wenigen Jahren insgesamt 20 Billionen Dollar verwalten. Eine solche Anhäufung wird die Asset-Management-Branche grundlegend verändern.
16.12.2017 15:45
Blackrock verwaltet derzeit rund 6 Billionen Dollar.
Blackrock verwaltet derzeit rund 6 Billionen Dollar.
Bild: cash

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der zwei Vermögensverwalter den Ton angeben, in der ihr Vermögen das aktuelle US-Bruttoinlandsprodukt übersteigt und wo fast jeder Hedgefonds, jede Regierung und jeder Rentner ein Kunde ist.

Dieses Szenario ist weniger weit weg, als viele vielleicht glauben. Blackrock und Vanguard - schon heute die grössten Vermögensverwalter der Welt - werden in weniger als einem Jahrzehnt insgesamt 20 Billionen Dollar verwalten, zeigen Berechnungen von Bloomberg. Die Anhäufung einer solchen Summe wird die Asset-Management-Branche wahrscheinlich grundlegend verändern, ihre Beteiligungen an den grössten US-Unternehmen verstärken und die zwei Säulen der Markteffizienz und Corporate-Governance auf den Prüfstand stellen.

Kein anderer als Vanguard-Gründer Jack Bogle, der allgemein als Vater der Indexfonds angesehen wird, wirft die Frage auf, ob zu viel Geld in zu wenige Hände geraten könnte - angesichts der Tatsache, dass Blackrock, Vanguard und State Street zusammen signifikante Anteile an den grössten US-Unternehmen besitzen - und nicht nur diesen.

"Da sind etwa 20 Prozent im Besitz dieses Dreier-Oligopols", sagte Bogle am 28. November bei einem Auftritt beim Council on Foreign Relations in New York. "Es ist schade, dass nicht mehr Leute im Indexfondsgeschäft tätig sind."

Hält der Boom weiter an?

Vanguard steht davor, das Anlagevolumen von derzeit 4,7 Billionen Dollar bis 2023 auf mehr als 10 Billionen Dollar auszubauen , während Blackrock diese Marke zwei Jahre später erreichen könnte, verglichen mit den 6 Billionen Dollar von heute. Das geht aus Prognosen von Bloomberg hervor. Sie basieren auf den jüngsten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten der Anlagegelders der Unternehmen für fünf Jahre. Dieser Anstieg spiegelt zum Teil einen Bullenmarkt für Aktien wider, der Anlagegelder in Investmentprodukte getrieben hat und möglicherweise nicht weiter anhält.

Anleger - von Privatpersonen bis hin zu grossen Institutionen wie Pensions- und Hedgefonds - sind in Scharen zu dem Duo gelaufen. Angelockt wurden sie zum Teil von den preisgünstigen Fonds bei breitem Angebot. Die zunehmende Verbreitung börsengehandelter Fonds (ETF) führt ebenfalls zu Wachstum bei diesen Anlagegesellschaften und wird dies wahrscheinlich auch weiterhin tun.

Das Volumen globaler ETF-Assets könnte bis 2025 auf 25 Billionen Dollar steigen, schätzt Jim Ross, Chairman des globalen ETF-Geschäftes von State Street. Allein diese Summe würde für Blackrock und Vanguard, basierend auf ihren derzeitigen Marktanteilen, Billionen Dollar mehr bedeuten.

Wachstum sei kein Ziel, und man gebe auch keine Prognosen über zukünftiges Wachstum ab, sagte Vanguard-Sprecher John Woerth zu den Bloomberg-Berechnungen.

Die Sorgen der kleinen Unternehmen

Aktien mit einer überdurchschnittlichen Berücksichtigung in indexierten Fonds könnten laut Goldman Sachs verstärkt auf Basis von Cross-Asset-Flows und makroökonomischen Einschätzungen gehandelt werden. Die Bank stellte fest, dass die durchschnittliche Aktie im S&P-500-Index nur zu 77 Prozent auf Grundlage von Fundamentaldaten gehandelt werden dürfte, verglichen mit über 90 Prozent vor einem Jahrzehnt.

Eine weitere Sorge besteht darin, dass ohne die Aussicht, Teil eines Index zu sein, weniger kleine und mittlere Unternehmen einen Anreiz haben, an die Börse zu gehen, meint Larry Tabb, Gründer der Tabb Group. Die in New York ansässige Firma hat die Struktur der Finanzmärkte analysiert. Grund dafür sei, dass ihre Aktien ohne die Aufnahme in einen Index oder einen ETF dem Risiko ausgesetzt seien, eine unterdurchschnittliche Entwicklung aufzuweisen.

Fest steht: Im Moment scheint der Vormarsch des Duos unaufhaltbar zu sein. Und die Vorteile, die ihre kostengünstigen Anlagemöglichkeiten gebracht haben, könnten einige der strukturellen Probleme aufwiegen.

"Angesichts der Tatsache, dass sie so gross geworden sind, weil ihre Gebühren so gering sind, handelt es sich um ein Art von Monopol, das mich nachts nicht um den Schlaf bringt", sagt Richard Thaler, Nobelpreisträger und Professor an der University of Chicago.

(Bloomberg)