Veraison und Cobas - Aryzta-Aktionärsgruppe fordert Umbau des Verwaltungsrats

Beim angeschlagenen Backwarenhersteller Aryzta fordern die als aktivistische Aktionärin bekannte Beteiligungsgesellschaft Veraison und die spanische Cobas Management einen totalen Umbau im Verwaltungsrat.
21.05.2020 09:31
Logo auf der Rückseite eines Lieferlastwagens von Aryzta in Luzern.
Logo auf der Rückseite eines Lieferlastwagens von Aryzta in Luzern.
Bild: cash

Einige langjährige Verwaltungsräte sollen gehen und dafür neue Mitglieder dazu gewählt werden.

Dazu hat die Aktionärsgruppe um Veraison und Cobas, die mit einem Stimmenanteil von 17,8 Prozent die grösste Aktionärin von Aryzta ist, am Donnerstag die Durchführung einer ausserordentlichen Generalversammlung beantragt. Der Verwaltungsrat müsse umgehend gestärkt werden, damit er das Vertrauen aller Aktionäre wieder aufbauen könne, schreibt Veraison in einer Mitteilung.

Die Aktionäre von Aryzta hätten in den letzten Jahren eine erhebliche Wertvernichtung hinnehmen müssen, heisst es weiter. Vier der elf heutigen VR-Mitglieder seien bereits seit Ende 2016 oder länger im Amt und für die ungelösten Probleme mitverantwortlich.

Verwaltungsräte mit Branchenerfahrung

Um Vertrauen zurückzugewinnen, braucht es aus Sicht der Aktionärsgruppe den totalen Umbau des Gremiums. Die vier Verwaltungsräte Gary McGann (aktuell Präsident), Dan Flinter, Annette Flynn und Rolf Watter, die mindestens seit Ende 2016 im Amt sind, sollen durch Industrieexperten ersetzt werden. Und auch Kevin Toland soll den Verwaltungsrat verlassen, um sich auf seine CEO-Funktion fokussieren zu können.

Es brauche nun Vertreter im Verwaltungsrat mit ausgewiesener Erfahrung in der Bäckereibranche, fordert Veraison. Die Aktionärsgruppe schlägt daher die Zuwahl von Urs Jordi, Armin Bieri und Heiner Kamps vor. Urs Jordi soll nach seiner allfälligen Wahl das Präsidium übernehmen.

Jordi ist ehemaliger Chef von Aryzta Europe und war vor der Fusion mit Aryzta im Jahr 2008 CEO der ehemals börsenkotierten Hiestand Holding. Armin Bieri war derweil den Angaben zufolge unter anderem als CEO von Hiestand/Aryzta Schweiz und CEO von Aryzta Food Solutions Asia Pacific tätig.

Auch Heiner Kamps ist in der Nahrungsmittelindustrie eine bekannte Figur. Er baute die deutsche Bäckereikette Kamps auf und war unter anderem Gesellschafter der Schnellrestaurantkette Nordsee sowie CEO und Vorstandsvorsitzender des Müller Milch Konzerns.

Wann die ausserordentliche Generalversammlung über die Bühne gehen wird, das ist noch nicht klar. Aryzta selber meldete am Donnerstag in einem kurz gefassten Communiqué, dass man den Antrag der Aktionärsgruppe sorgfältig überprüfen werde.

Druck aufgebaut

In den vergangenen Wochen haben Veraison und Cobas den Druck auf Aryzta erhöht und angekündigt, dass man sich "aktiv für Verbesserungen in der Gesellschaft" einbringen will. Aus ihrer Sicht werden die Aryzta-Aktien derzeit zu einem deutlichen Abschlag zum Unternehmenswert gehandelt und das verloren gegangene Vertrauen müsse wiederhergestellt werden.

Seit Jahresbeginn haben die Aryzta-Titel an der Börse beinahe zwei Drittel ihres Werts eingebüsst. Am gestrigen Mittwoch rutschten sie um 5,8 Prozent auf 0,38 Franken ab. Vor einem Jahr kosteten die Titel 1,40 Franken.

Aryzta soll sich nun "stärker fokussieren", die Komplexität der Gruppe müsse deutlich reduziert werden, forderte die Aktionärsgruppe vergangene Woche. Die Lebensmittelindustrie biete auch im aktuell von Covid-19 geprägten Umfeld ein nachhaltiges Wertschaffungspotenzial.

Kampf ums Überleben

Aryzta war bereits vor der Coronakrise finanziell angeschlagen, wird aber durch die Pandemie noch heftiger gebeutelt. Bereits 2018 musste eine Kapitalerhöhung durchgeführt werden. Mit seinen Kreditgebern will der Konzern nun eine formelle Vereinbarung zur Lockerung der Kreditbedingungen unterzeichnen. Dadurch erhofft sich die Gruppe grösseren finanziellen Spielraum.

Die Gruppe kündigte zudem an, die Kosten senken zu wollen und Massnahmen zur Sicherung des Barmittelbestands zu ergreifen. Acht Werke sollen vorübergehend geschlossen werden. Davon stehen drei in Europa und fünf in Nordamerika. Etwa 30 Prozent des Personals wurde beurlaubt.

Es sollen sämtliche strategischen und finanziellen Optionen, hiess es letzte Woche. Als Berater sei bereits im April Rothschild & Co engagiert worden. Es werde erwartet, die Überprüfung bis Ende Juli 2020 abzuschliessen. Nun könnte mit dem Druck der Aktionäre alles etwas schneller gehen.

(AWP)