Vernachlässigter Uhrenhersteller - Setzt die Swatch-Aktie zur Aufholjagd an?

Über 16 Monate hinweg liess die Credit Suisse kein gutes Haar an der Swatch Group. Jetzt spricht sie überraschend eine Kaufempfehlung aus und sieht die Inhaberaktie zum europäischen Luxusgütersektor aufschliessen.
11.12.2017 08:16
Von Lorenz Burkhalter
Swatch-Laden an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Swatch-Laden an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bild: cash

Im August letzten Jahres ging ein Raunen durch die Westschweiz, als die Credit Suisse die Inhaberaktie der Swatch Group von "Outperform" auf "Underperform" herunterstufte und gleichzeitig das Kursziel auf 230 (340) Franken zusammenstrich. Die Aktie kostete damals 248 Franken.

16 lange Monate später und mehr als 120 Kursfranken höher macht der für die Schweizer Grossbank tätige Analyst diesen Schritt rückgängig. Nachdem die Aktie in den vergangenen vier Jahren um nicht weniger als 60 Prozent hinter jenen anderer Luxusgüterhersteller zurückgeblieben ist, empfiehlt er sie neuerdings wieder mit "Outperform" zu Kauf.

Als spätzyklische Aktie wieder in Mode

Nach einer Erhöhung der Gewinnschätzungen um bis zu 21 Prozent lautet das Kursziel neu 460 (zuvor 280) Franken. Mit anderen Worten: Nachdem die Swatch-Aktie seit Jahresbeginn um 18 Prozent auf 373 Franken zulegen konnte, traut ihr der Analyst nicht mehr länger einen Rückschlag, sondern einen weiteren Anstieg um fast 25 Prozent zu.

Die Swatch-Inhaberaktie (rot) schneidet im Einjahresvergleich deutlich schlechter als die Aktie des Rivalen Richemont ab (Quelle: www.cash.ch)

Er argumentiert dabei mit dem spätzyklischen Charakter des in Biel beheimateten Uhren- und Schmuckherstellers. Denn während die Aktie auf Basis der bankeigenen Schätzungen für 2018 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20 aufweist - was unter dem Branchendurchschnitt von 22 liegt - sollte das Gewinnwachstum dasjenige anderer Rivalen übertreffen. Im besten Fall sieht der Credit-Suisse-Analyst den Aktienkurs sogar auf 530 Franken klettern. Das entspräche aus heutiger Sicht einem Anstieg um mehr als 40 Prozent.

Gespaltenes Analystenlager

Über den Haufen geworfen sind die Bedenken im Zusammenhang mit den hohen Lagerbeständen bei der Swatch Group selber und in den Vertriebskanälen. Noch vor gut einem Jahr entsprachen die Lagerbestände fast dem Umsatz eines ganzen Jahres.

Kaum eine andere Aktie aus dem Swiss Market Index spaltet das Analystenlager so sehr wie jene des Uhrenherstellers. Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP raten fünf Banken zum Kauf der Aktie, die Credit Suisse miteinberechnet. Mit sechs Banken empfehlen etwa  genauso viele die Aktie zum Verkauf. Neun weitere Banken schätzen sie hingegen neutral ein. Die Kursziele reichen dabei von 267 Franken (Natixis) bis 460 Franken (Credit Suisse).

Nach acht Jahren mit steigenden Aktienmärkten sind vermehrt Aktien mit spätzyklischem Charakter gefragt. Erst vor gut einer Woche stufte die Deutsche Bank die Aktie des Industriekonzerns ABB mit genau diesem Argument von "Hold" auf "Buy" herauf. Als spätzyklisch gelten Unternehmen, welche erst gegen Ende eines wirtschaftlichen Aufschwungs von diesem profitieren.