Verpackungsmaschinen-Hersteller - Bobst schreibt wegen Coronakrise rote Zahlen im ersten Halbjahr

Die Ausbreitung des Coronavirus und die Lockdown-Massnahmen in vielen Ländern haben in der Bilanz der Bobst Gruppe tiefe Spuren hinterlassen.
27.07.2020 07:00
Die Bobst Group ist ein Schweizer Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Verpackungsindustrie (im Bild Fabrikgebäude in Grenchen).
Die Bobst Group ist ein Schweizer Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Verpackungsindustrie (im Bild Fabrikgebäude in Grenchen).
Bild: ZVG

Der Hersteller von Kartonverpackungsmaschinen weist für das erste Halbjahr einen Verlust aus. Das Minus beim Nettoergebnis belief sich im Semester auf 30,0 Millionen Franken, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 7,4 Millionen erzielt wurde. Der Verlust ist damit kleiner als von den Analysten erwartet. Die befragten Experten hatten im Schnitt (AWP-Konsens) mit einem Verlust von 41,3 Millionen Franken gerechnet.

Für Umsatz und EBIT hatte Bobst bereits Ende Juni in einer Gewinnwarnung erste Indikationen veröffentlicht. Nach den definitiven Zahlen ging der Umsatz um 29 Prozent auf 523,8 Millionen Franken zurück, und beim Betriebsgewinn (EBIT) resultierte ein Verlust von 25,1 Millionen nach einem Gewinn von 14,8 Millionen im Vorjahr.

Geringe Auslastung

Die Corona-Pandemie habe in den vergangenen Monaten zu beträchtlichen Störungen in den globalen Lieferketten geführt, schreibt Bobst bei der Vorlage der Semesterbilanz am Montag. Reisebeschränkungen und Werksschliessungen hätten die Auslieferungen von neuen Maschinen und die Wartung bei bestehenden Anlagen behindert und zu Verschiebungen geführt.

In der Folge seien die Produktionskapazitäten schlecht ausgelastet gewesen. Massnahmen wie Kurzarbeit, Einstellungs-Stopp, Kostenreduzierung und Kostendämpfung hätten die negativen Folgen verringert, sie aber "bei Weitem nicht ausgleichen" können, heisst es weiter.

Bei den Geschäftsbereichen gab es deutliche Unterschiede. Während der Umsatz beim Bogendruck (Sheet-fed) um rund 35 Prozent zurückging (245,7 Mio Fr.), verbuchte der Rollen-Druck (Web-fed) ein Minus von 57 Prozent (49,7 Mio). Beide Bereiche wiesen mit -17,4 bzw. -27,0 Millionen ein negatives Betriebsergebnis aus. Der Bereich Services verbuchte ein Umsatzminus von 6,3 Prozent (228,3 Mio Fr.) und der EBIT sank um 5,1 Prozent auf 20,2 Millionen Franken.

Maschinen-Bereiche werden zusammengelegt

Bobst nimmt nun Anpassungen in seiner Organisationsstruktur vor. Die Konzernleitung wurde auf vier von zuvor fünf Mitglieder verkleinert, und die beiden Maschinen-Geschäftsbereiche werden zusammengelegt. Die neu gebildete Geschäftseinheit wird von Stephan März geleitet, bisher Chef des Bereichs Web-fed. Services wird weiter von Julien Laran geführt.

Bobst sieht in seinen relevanten Märkten angesichts der Covid-19-Pandemie weiter eine grosse Ungewissheit. Wenn die Grenzen zwischen den Ländern geöffnet blieben und wenn der Flugverkehr seinen Betrieb wieder in grösserem Umfang aufnehme, dann werde in der zweiten Jahreshälfte mit einem erheblich höheren Niveau als in den ersten sechs Monaten 2020 gerechnet. Es werde jedoch nicht möglich sein, die gleichen Ergebnisse zu erreichen wie im zweiten Halbjahr 2019, da einige Beschränkungen durch die Pandemiesituation andauern werden.

Das Unternehmen rechnet zudem damit, dass die langfristigen finanziellen Ziele einer Marge (EBIT) von mindestens 8 Prozent und mindestens 20 Prozent Kapitalrendite (ROCE) der Entwicklung der Weltwirtschaft angepasst werden müssen.

(AWP)

 
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