Der Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) wird einer Studie zufolge zunehmend mit versteckten Schulden finanziert. Die langfristige Verschuldung der acht ‌führenden ⁠US-Technologiekonzerne stieg binnen eines Jahres um 86 Prozent, wie aus einer ⁠am Freitag veröffentlichten Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade hervorgeht.

Gleichzeitig stiegen ihre ausserbilanziellen Verpflichtungen, vor allem ‌für Rechenzentren, Energieversorgung und KI-Infrastruktur, binnen eines Jahres ‌von 573 Milliarden auf rund ​2,6 Billionen Dollar. Werden diese bislang nur teilweise sichtbaren Verpflichtungen berücksichtigt, erhöht sich die tatsächliche Schuldenlast der Unternehmen demnach im Durchschnitt um fast 150 Prozent. Die Kreditqualität der Konzerne verschlechtere sich dadurch rechnerisch um ein bis ‌zwei Ratingstufen.

«Die Tech-Branche hat den Eisberg bislang umfahren, doch die Navigation wird schwieriger», sagte Alexander Hirt, Experte bei Allianz Research. «Die eigentliche Entwicklung findet ​allerdings unter der Wasseroberfläche statt: Verpflichtungen, die heute noch nicht ​in den Bilanzen erscheinen, werden in ​den kommenden Jahren schrittweise zu tatsächlichen Verbindlichkeiten.»

Die Kreditmärkte haben der Studie zufolge bereits ‌reagiert. Die Risikoprämien, die sogenannten Spreads, für Anleihen grosser Technologieunternehmen hätten sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Allianz Trade geht jedoch davon aus, dass ​die Risiken ​damit erst teilweise eingepreist sind. «Trotz ⁠der steigenden Belastungen bleibt das unmittelbare Ausfallrisiko ​der Tech-Unternehmen gering», erklärte Hirt. «Das ⁠grössere Risiko liegt in einer fortgesetzten Spread-Ausweitung und damit einer schrittweisen Neubewertung ‌der Bonität durch die Kapitalmärkte.»

Die Ergebnisse sind der Studie zufolge auch für die deutsche Wirtschaft relevant. Viele Unternehmen ‌seien auf die Infrastruktur der grossen US-Anbieter angewiesen und ​planten selbst milliardenschwere KI-Investitionen. Investoren müssten bei der Risikoanalyse neben klassischen Schulden auch langfristige Infrastruktur- und Lieferverträge stärker berücksichtigen, riet Hirt.

(Reuters)