«Viele wissen nicht, was ein ETF ist»

Private Anleger bevorzugen noch immer aktiv gemanagte Anlagefonds gegenüber den kostengünstigeren ETF - ganz im Gegensatz zu Profi-Investoren. Woran liegts?
12.11.2013 14:00
Von Pascal Meisser, Mailand
Gordon Rose, ETF-Analyst von Morningstar, spricht im cash-Video-Interview über die Rolle der ETF.
Bild: cash

Seit Jahren wird die ETF-Branche nicht müde, den immer wieder gleichen Sermon herunterzubeten. Börsenkotierte Indexfonds - oder kurz ETF - seien günstiger und deshalb die Performance dieser Produkte längerfristig höher. Bloss haben diese Worte bislang die privaten Anleger kaum erreicht. Seit dem Jahr 2000, als in Europa der erste ETF aufgelegt wurde, ist der Anteil an diesen börsenkotierten Produkten in den Depots nie über 3 Prozent angestiegen. In den USA hingegen, wo ETF eine doppelt so lange Tradition geniessen, beläuft sich der Anteil auf 12 Prozent.

Für Gordon Rose hat dieser Rückstand primär einen Grund. "Vor allem Privatanleger sind sich oftmals über diese Produkte nicht im Klaren und wenden sich deshalb von ETF ab", sagt der ETF-Spezialist des Fondsanalysehauses Morningstar im cash-Video-Interview. Er fordert deshalb von der Branche, dass diese die Weiterbildung für private Investoren intensiviere. "Anleger müssen wissen, wie ein ETF funktioniert und in welchem Umfeld ein solches Produkt nicht geeignet ist", sagt Rose.

Für ihn liegt es auf der Hand, weshalb gerade die Privatanleger auch heute noch deutlich öfter zu Anlagefonds greifen. "Fonds sind ein Produkt, das von den Banken aktiv verkauft wird. ETF hingegen müssen von Anlegern von sich aus gekauft werden", so Rose. Denn bei Fonds haben Banken – zumindest bis vor Kurzem – ordentliche Provisionen in Form von Retrozessionen erhalten. Alleine in den zwölf Monaten hat das Fondsvolumen in der Schweiz um 40 Milliarden auf 747 Milliarden Franken zugenommen. Das zeigen Daten des Branchenverbands Swiss Fund Data.

ETF erstmals grösster Fonds der Welt

Bei institutionellen Anlegern hingegen sind ETF hoch im Kurs. Erst vor einer Woche ist publik geworden, dass erstmals in der Geschichte der Finanzmärkte ein ETF zum grössten Investmentfonds der Welt aufgestiegen ist. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg wies der "Vanguard Total Stock Market Index Fonds" der amerikanischen Fondsgesellschaft Vanguard Ende letzten Monats ein Volumen von 251 Milliarden Dollar aus.

Das sind rund drei Milliarden Dollar mehr als der bisherige Spitzenreiter. Zuvor hatte während fünf Jahren der "Pimco Total Return Fund" die Fonds-Welt beherrscht. Der Anleihefonds kam Ende Oktober noch auf ein Volumen von 247,9 Milliarden Dollar. 

Auch iShares, weltweit die Nummer eins unter den ETF-Anbietern, geniesst ungebremsten Neugeldzufluss. Alleine seit Januar hat die Tochter des Vermögensverwalters Blackrock ihr Volumen um 24 Prozent ausgeweitet. 

Diese Wachablösung zeigt die zunehmende Bedeutung, die den ETF in der Anlagestrategie zukommt. Das macht aus Sicht von Rose aus mehreren Gründen Sinn – auch für private Anleger. "Sie haben meistens weder die Zeit noch die Ressourcen, um eine umfassende Analyse der Fondsmanager zu machen – mit dem Ziel, einen Manager zu finden, der auch langfristig die Märkte outperformen kann."

Im Video-Interview sagt Rose zudem, wieso gerade Privatanleger im jetzigen Umfeld besser auf eine passive Anlagestrategie setzen sollten.

Das Gespräch mit Gordon Rose wurde am Rande der Morningstar ETF Investment Conference geführt, die vergangene Woche in Mailand stattgefunden hatte.