Vieles spricht für Merkel - Ein Wegweiser für Aktien-Investoren zu den deutschen Wahlen

Investoren haben Grund, sich auf die Wahlen am Sonntag in Deutschland zu freuen: Die regierende Koalition unter Führung der CDU wird voraussichtlich Sieger, was ein Schlag gegen die europäische Populistenbewegung ist.
19.09.2017 20:00
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch nach den nächsten Wahlen?
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch nach den nächsten Wahlen?
Bild: www.glynlowe.com

Flickr, Lizenz CC BY 2.0

Die Koalition, die sich nach dem 24. September ergeben wird, ist weniger genau vorherzusehen. Wahrscheinlich wird sich die Union zum Regieren einen Partner suchen müssen. Dem Bloomberg-Umfrage-Tracker zufolge steht die Unterstützung für die CDU/CSU bei 36,5 Prozent, gefolgt von 21 Prozent für die Sozialdemokraten von Martin Schulz.

Der DAX konnte seit Jahresbeginn bereits um etwa 9 Prozent zulegen, deutlich mehr als der Stoxx Europe 600 Index. Sollte Angela Merkel weiter Kanzlerin bleiben, könnte sich das für Fondsmanager auszahlen. Das Fehlen eines grossen populistischen Risikos gibt ihnen auch die Möglichkeit, optimistisch für die Zukunft der Europäischen Union zu sein - in einem Jahr, in dem Euro-Skeptiker anderenorts an Boden gewonnen hatten.

Kontinuität mit Merkel

"Falls die Wahlen mit einer Merkel enden sollten, die fest im Sattel sitzt, wird die Wahrnehmung Europas als Region wachsender Bilderstürmerei unter einigen Investoren weitgehend begraben werden", sagte Ken Odeluga, ein Marktanalytiker bei City Index in London, in einem telefonischen Interview mit Bloomberg. "Während verschiedene Sektoren von der konkreten Koalition angetrieben werden, könnte der DAX-Index im Grossen und Ganzen einen Schub bekommen. Und die Aktien der Eurozone würden mittel- bis langfristig von der Integration profitieren, die Merkel befürwortet."

Eine Koalition zwischen CDU und FDP, letztere liegt in Umfragen bei etwa 9 Prozent, wäre das marktfreundlichste Ergebnis der Wahlen, während eine linke Regierung zu Aktienverlusten führen dürfte, meinen Investoren.

Hier ist eine Aufschlüsselung verschiedener Wahl-Szenarien, die laut Aktienfondsmanagern und Analysten zu Gewinnen oder Einbussen führen könnten.

Union & FDP

Händler und Analysten sind sich einig, dass ein Bündnis von Union und der FDP, die Steuersenkungen und mehr Bildungsausgaben unterstützt, den Technologiebereich sowie Bau- und Immobilienfirmen mit Inlandsfokus stützen würde.

Die FDP hatte eine schwache digitale Infrastruktur Deutschlands, ein schlechtes Start-up-Klima und eine sehr restriktive Datenschutz-Politik, die die Wettbewerbsfähigkeit des Landes ausbremse, kritisiert. Die Union stellte einen bundesweiten Ausbau von Breitband- und 5G-Netzen, auch in ländlichen Gebieten, in Aussicht.

Diese Koalition verspräche auch den grössten Impuls für Bau- und Immobiliengesellschaften, erklärte Warburg Research. Die Parteien würden neue Wohnungen und eine Reihe von Massnahmen anschieben wollen, um Wohneigentum attraktiver zu machen, einschliesslich Steuerbefreiungen und Subventionen für Familien.

Gewinner:

  • Deutsche Wohnen SE, Vonovia SE, Helma Eigenheimbau AG, Hypoport AG, RIB Software SE und United Internet AG könnten laut Warburg gewinnenTechnologie-orientierte DAX-Mitglieder sind Siemens AG, SAP SE, Deutsche Telekom AG und Infineon Technologies AGMichael Woischneck, ein Aktien-Manager bei Lampe Asset Management in Düsseldorf, stellte zudem fest, dass eine CDU-geführte Koalition mit der FDP auch dazu beitragen würde, die Start-up-Szene Deutschlands zu stärken

 

"Jamaika" Koalition (Union, FDP & Grüne)

Eine so genannte "Jamaika"-Koalition könnte die Automobilindustrie belasten, meinte Guillermo Hernandez Sampere, Leiter des Handels bei MPPM EK in Eppstein, in einem Telefon-Interview. Die Grünen hatten die Reaktion der Regierung auf den Diesel-Emissions-Skandal kritisiert und sich verpflichtet, sich bis 2030 vom Verbrennungsmotor zu verabschieden.

Grosse Koalition

Von einer Fortsetzung der aktuellen "Grossen Koalition" zwischen Union und SPD könnten auch weiterhin inländische Aktien sowie Finanz- und Auto-Werte profitieren.

"Wir sehen eine inländische Perspektive bei dieser Wahl", sagte Felix Hüfner, Chefökonom Deutschland bei der UBS. "Die Inlandsnachfrage- und Konsum-Themen sind der Schlüssel, basierend auf der Erwartung, dass wir einige Steuererleichterungen bekommen."

Gewinner:

  • Automobilindustrie: Beide Parteien erkennen die Bedeutung der Branche für das Land, trotz der Skandale, an, meinte Hernandez Sampere. Merkel hatte versprochen, ein Verbot von Dieselfahrzeugen zu vermeiden, und zudem erklärt, dass es Diesel- und Verbrennungsmotoren auch noch in Jahrzehnten geben werde.Inländische Aktien: Union, SPD und FDP haben Steuererleichterungen zwischen 10 Milliarden Euro und 30 Milliarden Euro versprochen, was bis zu 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprichtDeutsche Wohnen, Drillisch AG und Sixt SE gehören laut UBS zu Firmen mit einer Kauf-Empfehlung, die in dieses Thema passenWarburg verwies auf Adler Modemärkte AG, Cewe Stiftung & Co. KGaA, Hornbach Baumarkt AG, Ströer SE & Co. KGaA, Tom Tailor Holding SE und Zalando SE als Firmen für eine Kaufempfehlung

 

Gewinne für Linkspartei oder AfD

Eine SPD-geführte Koalition sieht angesichts schwacher Umfragewerte sehr unwahrscheinlich aus. Dennoch: Zugewinne für SPD, Linkspartei oder AfD oberhalb der Erwartungen würden Aktien schaden, meinen Investoren und Analysten. Ein Ergebnis, das so zersplittert ausfalle, dass zu viele Optionen offenlasse, dürfte Aktien am Montagmorgen wohl unter Druck setzen.

Verlierer:

  • Branchen Autos und Finanzen laut Sampere und Woischneckeuropäische Aktien als Ganzes, da ein unklarer Ausgang den Ruf als stabilere Region belasten könnte

 

"Das Risiko ist, dass Merkel verliert oder nicht in einer Koalition ist, die zugunsten ihrer pro-europäischen Haltung arbeitet", sagte Nandini Ramakrishnan von JPMorgan Asset Management in London. "Dass Deutschland seine Dynamik als Motor der Eurozone verliert, dass es auch nicht so gut mit Frankreich zusammenarbeitet oder dass es nicht den Sinn des Europäismus beibehält."

 

(Bloomberg)