Vincenz: «Grosse Nachfrage nach Immobilien»

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz sagt im Video-Interview, wieso die drittgrösste Schweizer Bank weiterhin auf das Hypothekargeschäft setzt. Und er verrät, ob er die Koffer für sein Sabbatical bereits gepackt hat.
14.08.2013 15:07
Von Pascal Meisser
Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz im Video-Interview.
Bild: cash

Ein Detail aus dem Zahlenset der Raiffeisen-Gruppe lässt aufhorchen: Im Hypothekargeschäft wächst die drittgrösste Schweizer Bank nach wie vor deutlich über dem Marktdurchschnitt. Annualisiert beträgt die Zunahme des Hypothekarvolumens bei der Raiffeisen-Gruppe 5,6 Prozent. Landesweit liegt das Wachstum bei den Hypotheken bei 4,6 Prozent. Allerdings hat sich auch bei der Raiffeisen das Wachstum doch etwas abgeschwächt.

Pierin Vincenz, der Chef der Raiffeisen-Gruppe, verteidigt diese Vorwärtsstrategie. "Die Nachfrage nach Wohneigentum ist nach wie vor gross. Zudem werden die Zinsen tief bleiben", sagt er im Video-Interview. Vincenz geht deshalb davon aus, dass die Raiffeisen auch künftig im Hypothekargeschäft weiterhin auf Wachstumskurs bleibt.

Jeder sechste Hypothek kommt von Raiffeisen

Das Hypothekarvolumen der Bankengruppe war im ersten Halbjahr um fast 4 Milliarden auf 139,7 Milliarden Franken gestiegen. Das sind 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Institut am Donnerstag bekannt gab. Damit hat Raiffeisen einen Anteil von 16,2 Prozent am gesamten Hypomarkt in der Schweiz. Oder anders ausgedrückt: Beinahe jeder sechste Hypothekarnehmer hat bei der Raiffeisen Gruppe sein Geld geholt.

Andere Marktteilnehmer hingegen warnen vor den zunehmenden Risiken. So hatte die SNB hatte vor kurzem erneut ihre Sorgen über den Schweizer Hypothekarmarkt ausgedrückt. Sie mahnte insbesondere inlandorientierte Banken zu grosser Vorsicht. Denn deren Hypothekenvolumen sei innert Jahresfrist um weitere rund 5 Prozent gestiegen und auch das Risiko einer Preiskorrektur habe sich nochmals vergrössert.

Trotzdem ist nach Ansicht der SNB die Risikobereitschaft der Banken bei der Kreditvergabe unverändert hoch. Zahlreiche Hypotheken würden mit einem Belehnungsgrad von über 80 Prozent vergeben.

Sabbatical im Oktober

Ein anderes Thema, mit dem Vincenz kürzlich für Aufsehen gesorgt hat, ist hingegen vorläufig wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Seine zweimonatige Auszeit startet der Raiffeisen-CEO erst im Oktober. Entsprechend hat er sich noch nicht auf dieses Kurz-Sabbatical vorbereitet. "Nein, meine Koffer sind noch nicht gepackt", antwortet Vincenz im Video-Interview auf die entsprechende Frage.

Seine Ankündigung, sich während acht Wochen aus dem operativen Geschäft bei der Raiffeisen zurückzuziehen, hatte im Juli für grosses Aufsehen gesorgt. Denn unter Top-Managern sind solche Auszeiten eine grosse Ausnahme. Die meisten Headhunter begrüssten diesen Schritt und interpretierten diesen als starkes Zeichen.

Im Video-Interview äussert sich Vincenz zudem zum Halbjahresergebnis der Raiffeisen-Gruppe und zum Expansionskurs.