Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im September überraschend gesteigert. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,7 Prozent mehr her ‌als ⁠im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von der ⁠Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet, nach einem Zuwachs von revidiert 1,0 (vorläufiger ‌Wert: 2,0) Prozent im August. Experten äusserten sich ‌in ersten Kommentaren zu den aktuellen ​Daten:

Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank: 

«Die Industrieproduktion ist im September leicht gestiegen, aber die Statistiker haben den Vormonat nach unten revidiert. Alles in allem bewegt sich die Industrieproduktion weiter auf niedrigem Niveau seitwärts. Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas deutet ‌darauf hin, dass die Produktion in den kommenden Monaten etwas zulegen könnte. Aber eine solche Erholung dürfte wegen des China-Schocks, Trumps Zöllen und des ​Reformstillstands moderat ausfallen.»

Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank: 

«Die Produktion überrascht. ​Nach dem ursprünglich publizierten deutlichen Anstieg im ​August war ein Rücksetzer erwartet worden. Da allerdings der Vormonatswert deutlich nach unten revidiert wurde, ‌muss der positive Produktionszuwachs im September etwas relativiert werden.»

Alexander Krüger, Chefökonom Bethmann Hal: 

«Die Produktion sattelt noch mal drauf, ohne das Quartal wirklich zu retten. ​Hierzu ​haben die Werksferien, aber auch ⁠die Sonderkonjunktur in der Chemie beigetragen. Ohne ​das Niedrigwasser in deutschen Flüssen ⁠wäre die Produktion wohl höher ausgefallen. Ob der Auftragsfunke langsam auf ‌die Produktion überzuspringen scheint, bleibt noch abzuwarten. Dazu müssten auch weiter mehr Investitionsgüter produziert werden. Die Kapazitätsauslastung hat noch viel Luft ‌nach oben. Zu berücksichtigen ist, dass militärische Stücke aus Geheimhaltungsaspekten ​nicht in den Produktionsdaten erfasst werden. Die Produktionslage dürfte daher tatsächlich etwas besser sein, als es die offiziellen Daten zeigen.»

(Reuters)