Statt Umsatzeinbussen zu fürchten, entwickelt Nestlé mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) neue Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse von Millionen von ⁠Nutzern dieser Medikamente zugeschnitten sind. «Es ist eine riesige Chance für unser Unternehmen», sagte Technologie-Chef Stefan Palzer der Nachrichtenagentur ‌Reuters.

Die Medikamente der Hersteller Novo Nordisk und Eli Lilly zügeln ‌den Appetit, was zu einem schnellen Gewichtsverlust führt. ​Dies hat jedoch oft unerwünschte Nebenwirkungen wie den Verlust von Muskelmasse oder eine schlaffere Gesichtshaut, auch «Ozempic-Gesicht» genannt. Genau hier setzt Nestlé an. Wissenschaftler nutzen KI, um klinische Studien zu analysieren und Nährstoffkombinationen zu finden, die diesen Effekten entgegenwirken. So hat das Unternehmen bereits Produkte mit Kollagen-Protein für Haut ‌und Haare auf den Markt gebracht und einen Protein-Shake entwickelt, der dem Muskelschwund vorbeugen soll. Zudem habe man patentierte Wirkstoffkombinationen entwickelt, die den Hunger nach dem Absetzen der Medikamente dämpfen sollen, erklärte Palzer.

Eine ​Schlüsselrolle bei der Entwicklung spielt Künstliche Intelligenz. Nestlé nutzt interne Systeme wie ​die Plattform «Food Genie», um riesige Datenmengen aus klinischen ​Studien zu analysieren, Nährstoffkombinationen zu identifizieren und die Entwicklung von Rezepten aus einer Datenbank mit rund 120'000 Vorlagen zu beschleunigen. ‌Die KI hilft zudem, das Verhalten von Konsumenten zu simulieren und auf sozialen Medien neue Trends zu erkennen, bevor sie zum Massenphänomen werden. «Man sieht das Rauschen um bestimmte Themen und kann dann ​schlussfolgern, ​ob es sich um einen dauerhaften Trend handelt ⁠oder nicht», sagte Palzer.

Nicht alle sind von dem Ansatz überzeugt. ​Ernährungsexperten weisen darauf hin, dass ⁠frische und unverarbeitete Lebensmittel wie Fleisch, Eier, Bohnen oder Nüsse ebenfalls reich an Proteinen und ‌Nährstoffen seien - und oft günstiger. «Es ist ziemlich traurig, dass wir uns immer wieder neuen Produkten zuwenden, die teurer sind als vollwertige, frische Lebensmittel», sagte Amanda Avery, Professorin ‌für Diätetik an der Universität Nottingham. Sie räumte jedoch ein, dass Nestlé mit ​seiner Strategie wahrscheinlich Erfolg haben werde. «Leider lassen wir uns stark vom Marketing beeinflussen», sagte Avery. «Nestlé wird seine Hausaufgaben gemacht haben.»

(Reuters)