Vorträge und Referate - Die richtige Präsentation – darauf kommt es an

Sie stehen vor einer Gruppe von Menschen und müssen etwas vortragen - für Selbstdarsteller ein Traum, für Schüchterne hingegen ein Horror. Mit einfachen Regeln schaffen es aber alle, eine gute Präsentation hinzubekommen.
09.08.2017 18:59
Von Marc Forster
Gutes Vortragen hat viel mit Körpersprache zu tun.
Gutes Vortragen hat viel mit Körpersprache zu tun.
Bild: Pixabay

Etwas Anspannung vor der Präsentation zeigt, dass Sie Ihr Vorhaben ernst nehmen. Wenn sich aber ausgeprägtes Lampenfieber, Zittern oder ein ungewöhnliches Zusammenkrampfen ihres Körpers einstellt, müssen Sie handeln. Eine gute Vorbereitung wirkt solchen Panikzuständen entgegen, auch dahingehend, dass Sie den Ort der Präsentation vorher gesehen haben.

Je genauer man sich das Referat selber vorstellen kann, desto sicherer ist man. Und sonst wirkt etwas vom banalsten der Welt: Vor dem Referat tief Luft holen (aber nicht, wenn es alle sehen können). Wenn Sie folgende Punkte auch noch beachten, kann im Grunde genommen nichts mehr schief gehen:

1. Es gibt nur eine Chance für den ersten Eindruck

Das Publikum sieht genau, wie Sie sich zum Rednerpult bewegen und welche Haltung Sie dabei einnehmen. Innerhalb weniger Sekunden schafft sich jede und jeder ein Bild von Ihnen. Sie können dieses positiv oder negativ beeinflussen. Positiv wirkt ein Lächeln, eine aufrechte, aber entspannte Haltung und vor allem, Blickkontakt mit dem Publikum. Stehen sie im eigentlichen und im übertragenen Sinne mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Angst vor dem Publikum zu haben ist kontraproduktiv, und bei 99,9 Prozent (oder noch mehr) der Vorträge wird Ihnen das Publikum nicht vorsätzlich Gewalt antun.

Bei der äusseren Erscheinung gilt: Zum Anlass passende Kleidung - aber was Farben, Formen und Accessoires betrifft, ist weniger meistens mehr.

2. Beginnen Sie um Himmels Willen locker

In englischsprachigen Ländern ist es gewissermassen ein "Must", eine Präsentation mit einer witzigen Bemerkung zu beginnen. Am besten kommt es an, wenn so ein Joke leicht selbstironisch herüberkommt. Dies hilft, das Eis zwischen den Zuhörern und dem auf das Podest gestellten Referenten zu brechen. Auch eine Anekdote oder ein "Gschichtli", das zum Thema passt und das am besten aus den persönlichen Erfahrungen des Referenten stammt, ist ein guter Anfang eines Referats.

Ziemlich übel ist hingegen zum Beispiel die eilig angebrachte Dankesadresse für "zahlreiches" Erscheinen oder "interessiertes" Kommen. Vorname, Name und Funktionen sollten Sie dann nennen, wenn man Sie nicht bereits vorgestellt hat, und dann bitte nicht so wie in einem Polizeiverhör.

3. Sagen, was man sagt und gesagt hat

Aus Nordamerika stammt folgende Anleitung: "Erst sagst Du ihnen, was Du sagen willst. Dann sagst Du es. Dann sagst Du ihnen, was Du ihnen gesagt hast". Einleitung, Hauptteil, Resumée – dies sagt alles darüber, wie ein Referat aufgebaut und dem Publikum vermittelt werden soll. Struktur hilft Ihnen genauso wie den Zuhörern.

4. Hilfsmittel lenken nicht von Schwächen ab

Je weniger auf Powerpoint-Folien steht, desto besser. Die Kerninhalte sowie Bilder oder Statistiken bei der Präsentation zu verwenden, ist wichtig – aber Sinn ergeben diese in einer Präsentation nur, wenn der Referent sie erläutert und einordnet. Ein Thema pro Folie, den Rest erzählen Sie mit eigenen Worten. Mit (scheinbar) spontan eingeworfenen Zusatzinformationen entsteht zudem der Eindruck besonderer Kompetenz.

Foliensätze können es nicht kaschieren, wenn die Rednerin oder der Redner schlecht präsentiert oder das Thema zu wenig im Griff hat. Wenn Sie ihre Charts als Spickzettel verwenden, merken dies die Zuhörer. Am besten präsentiert sowieso, wer frei spricht und einen grossen Teil der Inhalte auswendig weiss.

5. Bewegung tut gut

Statisch hinter dem Rednerpult stehen ist angebracht für jemanden, der eine Rede zum 1. August hält. Sonst darf sich eine Präsentatorin oder ein Präsentator durchaus bewegen, wenn genug Platz da ist. Abgeschaut wurde diese dynamischere Form des Vortragens ein bisschen bei Moderatoren von Fernsehshows. Beachten Sie aber: Sie sind auch kein Tiger im Käfig, also zu ausgeprägtes Hin- und Hergehen könnte die Zuschauer nerven. Vertrauen wird hingegen geschaffen, wenn man einen Schritt auf das Publikum zugeht, beispielsweise wenn jemand eine Frage stellt.

6. Publikum unter- oder auf Trab halten?

Begeisterung vermitteln ist wichtig, muss aber gekonnt sein. Arbeiten Sie im Marketing und stellen Sie ein Produkt vor, gehört Begeisterungsfähigkeit bei Ihnen zur Serienausstattung. Ausserdem müssen sie Argumente mit ihrer Stimme und Körpersprache unterstützen. Zudem, was für die Einleitung gilt, ist auch für das ganze Referat wichtig: Ein bisschen Humor einzustreuen ist nicht falsch, wenn auch eine Gratwanderung. Sie sind kein Comedian auf der Bühne, und zuviel Witz macht das Ganze unglaubwürdig. Mit lockeren Sprüchen verhält es sich genauso wie mit dem Salz beim Kochen.

Manche Präsentatoren binden das Publikum ein, indem sie Fragen stellen, Umfragen initiieren oder wissen wollen, ob jemand eine bestimmte Erfahrung gemacht hat. Ein heikles Unterfangen. In einem generell lockeren Umfeld ist dies unter Umständen ein Erfolgsgarant für Ihre Präsentation. Wenn sie aber zu schüchternen Zeitgenossen reden, kann durch eine Frage ans Publikum eine Stille entstehen, die nur den Fluss des Vortrages zum Stocken bringt. Überlegen Sie also zuerst, zu wem Sie sprechen, bevor sich scheinbar mitreissende Aktionen ins Publikum hinübertragen oder die Stimmungskanone geben.