Bei ‌der nächsten ⁠Aufsichtsratssitzung am 4. September wäre es ein positives Signal, wenn es gelänge, ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen, sagte Lies am Mittwoch in Osnabrück nach einem Besuch des ⁠dortigen Werkes. «Am Ende arbeiten wir alle auf einen 4. September hin, wo es zu einem vernünftigen gemeinsamen Beschluss kommt.»

Allerdings ist es unklar, ob das gelingt. Insidern zufolge haben sowohl das Land als ‌auch die Arbeitnehmerseite ein eigenes Konzept für die anstehende 395. Aufsichtsratssitzung vorgelegt - ein äusserst ungewöhnlicher Schritt bei Volkswagen. ‌Der Autokonzern ist sonst auf Konsens bedacht, Entscheidungen im Aufsichtsrat werden in der Regel ​einstimmig getroffen. Selbst Enthaltungen einzelner Aufsichtsratsmitglieder sind äusserst selten. Allerdings hatten sich im Juli Land und Arbeitnehmer mit ihren zwölf Stimmen gegen den Vorschlag von VW-Chef Oliver Blume gestellt, der unter anderem den Abbau zehntausender Stellen vorsieht und mehrere Werke in Deutschland langfristig zur Disposition stellt.

Blume: Kämpfen um industrielle Perspektive

Blume stellt sich in dieser Woche in den verschiedenen Werken des Konzerns vor die Belegschaft und gibt Auskunft über seine Sparvorhaben. Bei einer ausserordentlichen Betriebsversammlung in Emden warb er für sein ‌Paket und kündigte einen anhaltenden Sparkurs an. «Der Weg ist noch nicht zu Ende», sagte er laut Auszügen aus seinem Redetext. VW messe sich mit den besten Standorten Europas. Ziel sei es, die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern. Zugleich sicherte er den Werken seine Unterstützung zu. «Sollte sich trotz aller Anstrengungen am Ende zeigen: Eine Nachbelegung ​ist nicht möglich, dann endet unsere Verantwortung nicht», sagte Blume. «Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte.»

Im ​Elektrowerk im sächsischen Zwickau sagte Blume, die Welt, auf deren Grundlage viele Entscheidungen der vergangenen ​Jahre getroffen worden seien, gebe es so nicht mehr. Das Werk in Zwickau habe die Kosten gesenkt. Jedes Werk erhalte am Ende die gleiche Chance wie jedes andere Werk in Europa. «Entscheidend wird am Ende ‌die Wettbewerbsfähigkeit sein.»

Insgesamt sollen die Kapazitäten in den Konzernwerken in Europa um 500.000 Fahrzeuge jährlich gesenkt werden. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne derzeit keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre gesichert werden, sagte Blume. Im Werk in Osnabrück läuft im kommenden Jahr die Fertigung des T-Roc Cabrio aus. Lies sagte, das Land Niedersachsen ​prüfe derzeit, ​inwieweit es einen Beitrag leisten könne, um die langfristige Zukunft des Standorts zu ⁠sichern. Ziel sei es, zeitnah eine Lösung zu finden. Insidern zufolge ist der israelische Rüstungskonzern Rafael ​Advanced Systems an dem Werk interessiert. Er ⁠will Komponenten des Raketenabwehrsystems Iron Dome für europäische Abnehmer bauen. Allerdings hatte der VW-Grossaktionär Katar Vorbehalte gegen dieses Vorhaben geäussert. Lies verwies auf das Beispiel der Meyer-Werft ‌in Papenburg, an der sich das Land beteiligt hatte, wodurch eine Rettung des angeschlagenen Unternehmens gelungen war.

Cavallo: Brauchen Vorwärtsstrategie

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte, das Zukunftsprogramm bei Volkswagen dürfe sich nicht auf Standorte, Arbeitskosten und einen Personalabbau beschränken. «Ein Zukunftskonzept beinhaltet eine Vorwärtsstrategie», sagte sie. «Es geht um wettbewerbsfähige Produkte, ‌es geht um Technologien.» Dafür sei ein Gesamtplan nötig. «Wenn der da ist, dann wird sich auch die Arbeitnehmerseite natürlich ​dahinter versammeln können.» Allerdings müssten sich dann beide Seiten aufeinanderzubewegen. Sie befürchte, dass der von Blume signalisierte Personalabbau nicht mehr sozialverträglich umgesetzt werden könne.

Blume hatte bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg davon gesprochen, dass rechnerisch 50.000 Arbeitsplätze weltweit wegfallen müssten, um die Ziele bei den Gemeinkosten zu erreichen, die Hälfte davon in Deutschland. In Emden betonte er, dass auch das Management ‌davon betroffen sei: Jeder vierte Managerposten werde gestrichen. «Alle ​Bereiche müssen ihren Teil beitragen.»

(Reuters)