Wachstumsmarkt - Warum 2020 ein gutes Jahr für Cannabis-Aktien werden kann

Investments in Cannabis-Unternehmen werden dank ETF einfacher. Auch das politische Umfeld macht die Investition in Kiffer-Aktien attraktiver. Lohnt sich jetzt ein Einstieg?
22.01.2020 15:02
Von Manuel Boeck
Cannabis-Aktien hatten es im 2019 schwer. Die Wachstumsperspektiven für diesen Markt bleiben trotzdem unverändert gut.
Cannabis-Aktien hatten es im 2019 schwer. Die Wachstumsperspektiven für diesen Markt bleiben trotzdem unverändert gut.
Bild: unsplash.com

Vor kurzem lancierten der kanadische Vermögensverwalter Purpose Investments und der britische ETF-Emittent HANetf den ersten europäisch gelisteten medizinischen Cannabis-ETF UCITS-ETF (CBSX). Dieser ist seit dem 14. Januar an der deutschen Börse handelbar und für den Verkauf in Deutschland, Irland und Grossbritannien zugelassen. Bis dahin hatten europäische Investoren an den europäischen Börsen nur eingeschränkten Zugang zum stark wachsenden Cannabismarkt.

Der in Irland beheimatete ETF konnte seit Handelsstart schon um 3,2 Prozent zulegen. In seiner Zusammensetzung hätte der ETF nach Berechnungen von HANetf 2019, einem allgemein schlechten Jahr für Cannabisaktien, eine Performance von minus 8 Prozent ausgewiesen. Zahlreiche Cannabis-Aktien verbuchten im 2019 Verluste im zweistelligen Prozentbereich, was jedem Investor bewusst sein muss. Die regionale Gewichtung des ETF beläuft sich auf 80 Prozent USA und 20 Prozent Kanada.

Wachstumspotential vorhanden

Die medizinische Cannabisindustrie hat in den letzten Jahren einen massiven Wandel und Wachstum erfahren. So werden medizinische Cannabis und Cannabidiol-Produkte zur Behandlung von Krankheiten wie Krebs, Epilepsie und chronischen Schmerzen eingesetzt. Diese Produkte sind bereits in über 40 Ländern legal.

Das Marktvolumen für medizinischen Cannabis belief sich 2018 auf 13,4 Milliarden Dollar. Experten rechnen damit, dass sich das Marktvolumen bis 2026 auf 148 Milliarden Dollar vergrössert und eine jährliche Umsatzrendite von 26,4 Prozent ausweisen wird.

Purpose Investments und HANetf sehen in 2020 ein positives Jahr für den globalen Cannabismarkt. Insbesondere die Öffnung weiterer Märkte und das bessere Verständnis der Pflanze würden Chancen bergen. Ein wichtiges Ereignis sehen sie auch in den US-Wahlen. Nach diesen erwarten sie, dass mehrere momentan blockierte Gesetzesverstösse zur vollständigen Legalisierung fortschreiten werden. Falls dies geschieht, könnten andere Märkte dem Vorbild folgen.

Konsolidierungsphase

Ein wichtiger Tag für die Cannabisindustrie war der Abstimmungserfolg eines Gesetzesentwurfs im amerikanischen Repräsentantenhaus im vergangenen November. Der Gesetzesentwurf sieht die Aufhebung des US-Bundesverbots für Cannabis vor.

Die Abstimmung im Senat steht zwar noch aus, doch wurde die Nachricht von den Investoren gut aufgenommen. So konnte der ETFMG Alternative Harvest ETF, welcher hauptsächlich auf Cannabis als Konsumgut fokussiert ist, seit dem Entscheid im Repräsentantenhaus um 9 Prozent zulegen.

Experten gehen davon aus, dass in einer nächsten Phase eine Konsolidierung stattfinden wird. Die schwachen Unternehmen werden vom Markt verschwinden. Vielen Unternehmen bereitet die hohe Geldverbrennungsrate Probleme und sind dazu gezwungen, schon geschlossene Vereinbarungen aufzuheben und Kosten zu senken. Purpose Investments und HANetf halten ebenfalls fest, dass "2019 zu viel Spekulation im Markt war und sich langsam die Gewinner von den Verlieren trennen".

Hohe Volatilität schafft Gewinner und Verlierer

Zu den grössten kanadischen Cannabisproduzenten gehören Canopy Growth, Cronos und Aurora Cannabis. Seit Jahresbeginn konnten Canopy Growth 14,5 Prozent und Cronos 6,5 Prozent zulegen. Aurora Cannabis verliert hingegen 6,9 Prozent. Unter den drei oben erwähnten Unternehmen sticht Cronos heraus.

Der Tabakkonzern Altria kaufte im Dezember 2018 45 Prozent der Aktien. Nachdem die Aktie im 2019 insgesamt 65 Prozent ihres Wertes verloren hatte, stellt sich die Frage, ob der Zeitpunkt zum Einstieg gekommen ist.

Kursverlauf der Cronos-Aktie seit Anfang 2019 (Grafik: cash.ch).

Das Unternehmen Aurora Cannabis, welches mitte 2019 noch im Fokus der Analysten stand, muss hingegen wegen der Herabstufung von Merill Lynch Analysten auf "Verkauf" Federn lassen. Das neue Kursziel wurde von den Analysten auf 1 Dollar festgelegt. Von ihrem Höchststand von 10,32 Dollar ist das Unternehmen, welches rote Zahlen schreibt, mit einem momentanen Aktienwert von 2,05 Dollar weit entfernt.

Die vorherrschende Volatilität und die politischen Unsicherheiten dieses Marktsegments eignen sich nicht für den sicherheitssuchenden Investor. So weisen auch Purpose Investments und HANetf auf das Risiko hin: "Auf einige Unternehmen werden schmerzhafte Konsequenzen zukommen, doch die Marktführer haben eine gute Zukunft." Wer bereit ist, ein Risiko einzugehen, der ist hier richtig.

 

Investment-Ideen von Julius Bär