Die Finanzmärkte dürften laut Bundesbankchef Joachim Nagel mit der Erwartung einer bevorstehenden Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) richtig liegen. «Der Ausblick für nächste Woche, was da geldpolitisch möglicherweise passiert, ist relativ absehbar», sagte er am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Asheville am Rande des G20-Finanztreffens in den USA. Für ihn sei allerdings weiterhin der «valideste Ansatz», datenabhängig von Sitzung zu Sitzung zu agieren. Angesichts des unsicheren Umfelds für die Geldpolitik wolle er in seinen Ausführungen allerdings beim Zinsausblick nicht darüber hinausgehen.
Die Inflationsrate im Euroraum ist im Zuge des vom Iran-Krieg befeuerten Energiepreisanstiegs im August auf 3,3 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit drei Jahren. Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt bei der Gesamtinflation einen Wert von 2,0 Prozent an. Mit dem jüngsten Anstieg ist die Teuerung nun sehr weit über das Ziel der Währungshüter hinausgeschossen.
Nagel betonte, es gebe dabei aber auch eine gute Nachricht. Denn die sogenannte Kerninflation - ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel - sei zurückgegangen auf 2,4 von zuvor 2,5 Prozent. Derzeit seien somit noch keine sogenannten Zweitrundeneffekte zu sehen. Damit sind Folgen des Energieschubs gemeint, die eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen und damit die Teuerung verfestigen könnten. Zuletzt mehrten sich die Signale, dass sie sich mit einer Zinserhöhung gegen den starken Preisauftrieb stemmen werden.
Der nächste Zinsentscheid der EZB steht am 10. September auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin an. An den Finanzmärkten wird mit einer Erhöhung des zum Steuern der Geldpolitik massgeblichen Einlagesatzes um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent gerechnet.
(Reuters)

