Wallenberg: «Mindestkurs ist bei uns kein Thema»

Die erstarkte schwedische Krone frisst den Firmen die Margen weg. Marcus Wallenberg, Spross der reichsten Industriefamilie des Landes, sagt zu cash, wieso für Schweden ein Mindestkurs dennoch nicht in Frage kommt.
07.05.2013 01:00
Von Frédéric Papp, St.Gallen
Marcus Wallenberg im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Marcus Wallenberg gehört einer der ältesten und reichsten Industriefamilien Europas an. Via der kotierten Beteiligungsgesellschaft Investor AB und drei gemeinnützigen Stiftungen beherrscht die Familie seit einem Jahrhundert einen grossen Teil der schwedischen Wirtschaft. Nach Schätzungen werden rund 40 Prozent der Marktkapitalisierung der schwedischen Industrie durch die Wallenbergs kontrolliert.

Seit 1999 stehen mit Jacob Wallenberg als Verwaltungsratspräsident von Investor AB und Marcus Wallenberg als Chef der Familien-Stiftung an der Spitze des Imperiums. Beide nehmen Einsitz in zahlreichen Verwaltungsräten in schwedischen Grossunternehmen – unter anderem bei Saab, Electrolux, der Bankengruppe SEB oder AstraZeneca. Die Wallenbergs sehen ihre Aufgabe nicht darin, Gewinne durch den Kauf und Verkauf von Beteiligungen zu realisieren, sondern in der Begleitung führender Industriekonzerne über einen langen Zeitraum.

Die Unternehmen setzt die immer stärker werdende schwedische Krone zunehmend unter Druck. "Die Stärke der schwedischen Krone hat sich negativ auf die Erträge im ersten Quartal dieses Jahres ausgewirkt", sagt Wallenberg im cash-Video-Interview.

Keine Debatte über Mindestkurs

Die schwedische Krone hat in den letzten vier Jahren 40 Prozent gegenüber dem Euro zugelegt. Dadurch verteuern sich die schwedischen Exporte in den Euroraum. Rund 70 Prozent davon gehen in europäische Länder. Einige schwedische Unternehmen können gemäss eigenen Angaben auf dem Niveau nicht mehr kostendeckend arbeiten.

Sinkende Unternehmensgewinne bedeuten im Fall der Wallenbergs auch tiefere Spenden. Die Industriefamilie spendet über ihre Stiftungen umgerechnet 200 Millionen Franken für Schulen, Bildung und Forschung.

Auch die Schweizer Unternehmen wissen nur zu gut, was es heisst, gegen eine stark überbewertete Währung anzukämpfen. Der Franken kletterte im August 2011 beinahe auf Parität zum Euro. Einen Monat später setzte die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Mindestkurs bei 1,20 Franken pro Euro fest. Wäre ein solcher Weg auch für Schweden denkbar?

"Ich wäre überrascht, wenn Schweden einen Mindestkurs gegenüber dem Euro einführen würde", sagt Wallenberg. In der Öffentlichkeit werde eine solche Option nicht diskutiert, so der 57-Jährige.

«Europhilie» auf dem Tiefpunkt

Die schwedische Krone dürfte sich weiter verteuern. Denn die Riskbank – die Zentralbank von Schweden - teilte vor gut einem Monat mit, dass sie sich auf keinen Fall in einen Währungskrieg reinziehen lassen würde, um die Wettbewerbsfähigkeit im Aussenhandel zu stärken. Die schwedische Wirtschaft habe in der Vergangenheit gezeigt, dass sie mit ziemlich vielen Wechselkursschwankungen zurechtkomme.

Trotz des Beitritts Schwedens in die Europäische Union 1995 kam es bisher nicht zu einer Einführung des Euro. Ein solcher Schritt wäre ohnehin nicht realistisch, denn die Bevölkerung geht zunehmend auf Distanz zum Euro. Der Grund für die breite Ablehnung in der schwedischen Bevölkerung liege, so Wallenberg, in der EU-Wirtschaftskrise. Nur noch neun Prozent der Schweden wollen den Euro in ihrem Land einführen, wie eine Umfrage am Montag ergeben hat. Das ist der niedrigste Wert, der jemals gemessen wurde.

 

Im Video-Interview nennt Wallenberg, welche Faktoren er ins Zentrum rückt, um ein Unternehmen auf die Erfolgsstrasse zu führen und dort zu halten.

Das Interview wurde am Rande des St. Gallen Symposium durchgeführt.