Laut dem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) vom 15. und 16. September hielt eine Gruppe von Entscheidungsträgern der amerikanischen Notenbank Fed angesichts ihrer Konjunktureinschätzung höhere Zinsen für notwendig. Die Experten signalisierten dabei eine wachsende Sorge hinsichtlich der erhöhten Inflation.
«Die meisten Teilnehmer schätzten ein, dass eine weitere Anhebung der Zielspanne für den Leitzins (Federal Funds Rate) bis Jahresende wahrscheinlich angemessen wäre», hiess es im Protokoll. Die stimmberechtigten Mitglieder des FOMC unterstützten einstimmig die Entscheidung des vergangenen Monats, die Zielspanne für den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 Prozent bis 4,00 Prozent anzuheben. Damit haben die «Falken», welche eine straffere Geldpolitik begrüssen, die «Tauben», welche generell eine lockerere Geldpolitik bevorzugen, hinter sich gelassen.
Dieser Schritt erfolgte vor dem Hintergrund von Anzeichen für eine Beschleunigung der Gesamtwirtschaft. «Mehrere Teilnehmer merkten an, dass die zugrundeliegende wirtschaftliche Dynamik offenbar zugenommen habe», hiess es zudem im Protokoll.
Das Protokoll enthielt auch eine Diskussion über die Finanzierungsbedingungen. Viele Entscheidungsträger äusserten sich dahingehend, dass die Finanzierungsbedingungen trotz des jüngsten Anstiegs der Renditen langfristiger Staatsanleihen «das Wirtschaftswachstum weiterhin stützten». Dies zeige sich daran, dass die Aktienkurse im Jahr 2026 erheblich gestiegen und die Risikoaufschläge - sogenannte Spreads - bei Unternehmensanleihen niedrig geblieben seien.
Der Vorsitzende Kevin Warsh erklärte Reportern nach der Entscheidung vom 16. September, der Schritt ziele darauf ab, ein «Mass an geldpolitischer Lockerung» zurückzunehmen, da die Inflation hartnäckig hoch geblieben sei. Seine Äusserungen befeuerten die Markterwartungen hinsichtlich einer weiteren Zinserhöhung im Oktober.
Die Entscheidung stiess zudem auf Kritik von Präsident Donald Trump. Er machte die Kollegen von Warsh für die Zinserhöhung verantwortlich und warf ihnen ein «sehr politisches» Verhalten vor. Seit der Sitzung haben jedoch eine Reihe von Äusserungen führender Fed-Vertreter darauf hingedeutet, dass die Zentralbank es mit einer erneuten Zinserhöhung möglicherweise nicht eilig hat.
Der stellvertretende Fed-Vorsitzende Philip Jefferson und der Präsident der New Yorker Fed, John Williams, äusserten sich vergangene Woche in getrennten Reden dahingehend, dass die Zentralbank Zeit habe, die wirtschaftliche Lage zu beurteilen, bevor eine weitere Zinserhöhung in Erwägung gezogen werde. Investoren schraubten daraufhin umgehend ihre Erwartungen für eine Zinserhöhung in diesem Monat zurück.
Anpassung der Erwartungen
Am Mittwoch preisten Investoren auf Basis von Federal-Funds-Futures eine Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent für eine weitere Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt bei der Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober ein. In den Tagen nach der September-Entscheidung hatte dieser Wert noch bei etwa 70 Prozent gelegen.
Die Renditen zweijähriger Staatsanleihen - die als besonders empfindlich gegenüber der Geldpolitik der Fed gelten - fielen in der vergangenen Woche um mehr als 10 Basispunkte auf knapp 4,8 Prozent.
Die Äusserungen von Williams und Jefferson in der vergangenen Woche bedeuten nicht, dass die Fed ihre Geldpolitik nicht weiter anpassen wird. Vertreter der Notenbank warnen weiterhin davor, dass die Inflation zu hoch sei. Die für den 14. Oktober erwarteten Verbraucherpreisdaten könnten die Forderungen nach einer baldigen Zinserhöhung durchaus wiederbeleben.
Einige Notenbankvertreter - darunter drei, die im Juli gegen die Entscheidung des FOMC gestimmt hatten, die Zinsen unverändert zu lassen - könnten erneut für eine Anhebung plädieren, sollte sich die Mehrheit bei der Oktober-Sitzung für eine Beibehaltung des Zinsniveaus aussprechen.
«Mehrere Teilnehmer äusserten die Ansicht, dass der aktuelle Leitzins nicht restriktiv oder nur leicht restriktiv sei», hiess es im Protokoll mit Bezug auf den Referenzzinssatz vor der Erhöhung im September.
(Bloomberg/cash)
