Warum kommen Vermögensverwalter in die Schweiz?

Den Vermögensverwaltern bläst hierzulande ein eisiger Wind entgegen. Die Konsolidierung schreitet voran. Dennoch gibt es ausländische Asset Manager, die es in die Schweiz zieht, wie ein Beispiel aus Frankreich zeigt.
27.11.2016 23:04
Von Ivo Ruch
Zürich ist das Zentrum der Schweizer Vermögensverwaltung. Blick auf den Paradeplatz.
Zürich ist das Zentrum der Schweizer Vermögensverwaltung. Blick auf den Paradeplatz.
Bild: cash

Mit Nachdruck wird derzeit in der Schweiz nach Möglichkeiten gesucht, um die Branche der Vermögensverwalter für die Zukunft fit zu machen. So wurde beispielsweise bereits 2012 eine Initiative lanciert, welche die Schweiz zu einem führenden Standort für institutionelle Vermögensverwaltung machen sollte.

Auch haben sich unlängst mehrere grössere Player zur Allianz Schweizer Vermögensverwalter zusammengeschlossen, die aktuell 17 Mitglieder hat. Der Trend dieser Anstrengungen ist klar: Die zukünftigen Anforderung an die Finanzinstitute (Margendruck, Digitalisierung, zunehmende Regulierungen) sind so gross und unberechenbar geworden, dass das Heil in der Zusammenarbeit und nicht mehr in der Eigenbrötlerei gesucht wird – etwas, das vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Denn die Konsolidierungswelle, die über den gesamten Finanzsektor rollt, macht auch vor den Asset Managern nicht halt. Laut Schätzungen sind in der Schweiz rund 2300 von Banken unabhängige Vermögensverwalter aktiv. Genaue Zahlen existieren nicht, da diese Anbieter in keiner offiziellen Statistik geführt werden. Dies ist bedingt durch die bisher nicht vorgeschriebene staatliche Aufsicht.

Die Szene wird schrumpfen

Prognosen gehen davon aus, dass es in einigen Jahren nur noch halb so viele Vermögensverwalter sein werden wie heute. Ganz so pessimistisch ist Markus Fuchs, Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss Funds and Asset Management Association SFAMA, nicht. "In der Tendenz wird es - unabhängig von den regulatorischen Entwicklungen - zu einer Konsolidierung kommen", sagt er zu cash.

Vor allem Kleinstbetriebe dürften zunehmend Schwierigkeiten haben, Banken für die Abwicklung ihrer Geschäfte zu finden. Zudem würden die Margen kleiner, was höhere Volumen zur Erreichung der Gewinnschwelle nach sich ziehe, so Fuchs. Ähnliche Entwicklungen habe man auch in Deutschland gesehen.

In einem solchen Umfeld lassen Anbieter aufhorchen, die ihre Zelte in der Schweiz aufschlagen und nicht abbauen. Dazu gehört der Pariser Vermögensverwalter La Financière de l'Echiquier (LFDE). LFDE verwaltet acht Milliarden Euro und wächst stetig: Neben dem Hauptsitz in Paris und Büros in Frankfurt, Mailand und Genf ist in naher Zukunft eine Büroeröffnung in Zürich geplant.

Fintechs drücken auf die Preise

In der Umbruchphase des Schweizer Finanzplatzes sieht LFDE-Gründer und -CEO Didier Le Menestrel eine Chance: "Die Schweiz ist nun ein professioneller, offener Markt, der neue Lösungen braucht", sagt er im cash-Video-Interview. Er möchte Pensionskassen oder Banken mit anspruchsvollen Produkten bedienen. Dazu gehört eine breite Fondspalette und ein starker Fokus auf Aktieninvestments in kleine Unternehmen.

Noch immer liegen rund 600 Milliarden Franken bei den unabhängigen Vermögensverwaltern in der Schweiz. Das ist etwa 10 Prozent der hierzulande verwalteten Vermögen. Einen Teil dieses Kuchens möchte auch LFDE. Vor einem Jahr gaben die Franzosen das Ziel bekannt, innert zweier Jahre in der Schweiz 500 Millionen Euro Vermögen zu verwalten. Ein Wert, an dem Le Menestrel festhält, wie er im Gespräch sagt.

Neue Player, die ebenfalls um diesen Kuchen kämpfen, sind die Anbieter digitaler Vermögensverwaltung. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger haben junge Fintechs gerade im Asset Management grosses Potenzial.

Und: Digitale Vermögensverwalter sind heute schon die günstigsten Anbieter in der Schweiz. Wie der Online-Vergleichsdienst moneyland.ch kürzlich festhielt, sind die Preisunterschiede bemerkenswert. Zahlt man für ein Aktien-Portfolio mit hohem Risikoprofil und einer Anlagesumme von 250'000 Franken bei einem digitalen Vermögensverwalter wie True Wealth pro Jahr 1'250 Franken an Gebühren, sind es bei der Migros Bank 3'125 Franken, bei der Credit Suisse 3'375 Franken und bei der UBS 5'000 Franken.

Regulierungskosten werden steigen

Didier Le Menestrel sieht die digitale Veränderung viel eher als Chance, denn als Bedrohung für Vermögensverwalter. Einsatzmöglichkeiten erkennt er vor allem in der Interaktion mit den Kunden oder aber auch, um grosse Datenmengen zu verarbeiten und zu nutzen.

Zu den grössten Herausforderungen für die Asset-Management-Industrie gehören aber auch die gestiegenen Anforderungen von Seiten der Regulierung, wobei den Vermögensverwaltern gewissermassen die Hände gebunden sind. Die global tätigen Banken sind an einem besseren Marktzugang und dementsprechend an einer stärkeren Anbindung der Schweizer Regulierung an die Europäische Union interessiert.

Den "Kleinen" bleibt nichts anderes übrig, als diese Auflagen zu übernehmen. Der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) spricht in Bezug auf das neue Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) und das Finanzinstitutsgesetz (Finig) von einem "überdimensionierten Vorhaben mit einer unnötigen Überregulierung der UVV" (Mehr zu diesem Thema finden Sie hier).

Diese Bestimmungen müssen auch die ausländischen Institute, die in der Schweiz aktiv sind, einhalten. "Gemäss aktuellem Stand des Projekts wird die Finma zuständig sein für die Erteilung und den Entzug von Bewilligungen", sagt Branchenvertreter Markus Fuchs. Und diese Bewilligungsvoraussetzungen würden wiederum Kostenfolgen nach sich ziehen.

 

Im cash-Video-Interview sagt Didier Le Menestrel auch, ob La Financière de l'Echiquier in Zukunft mehr in Schweizer Aktien investiert. Das Gespräch fand im Rahmen einer Pressereise nach Paris statt, zu der cash eingeladen wurde.