Mit einem «Wirtschaftskrieg» will US-Präsident Donald Trump Teheran nun zum Einlenken bringen. Doch Fachleute zweifeln, ob das schnelle Erfolge zeitigen kann. Der Konflikt dürfte den Ölmarkt weiter strapazieren.

Verhandlungen über ein Ende des Krieges finden derweil gar nicht statt, wie Trump mitteilte. Ein dauerhafter Frieden oder eine Öffnung der Strasse von Hormus rücken damit erneut in weite Ferne.

Was hat Trump in der Strasse von Hormus vor?

Trump will die Führung in Teheran mit einem wirtschaftlichen «D-Day» zu Zugeständnissen bewegen und sie von ihren Unterstützern etwa in China abschneiden. Viele Details seiner Initiative bleiben derweil unklar. Allerdings sind bereits weitreichende Sanktionen gegen den Iran in Kraft. Den aus Sicht der US-Regierung gewünschten Erfolg brachten sie bis dato nicht.

Trump behauptete wiederholt, die Strasse von Hormus sei geöffnet. Zuletzt lag der Schiffsverkehr aber in der Regel weit unter dem Niveau von vor dem Krieg. Anders als Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate können die meisten Exporteure am Golf kaum auf andere Routen ausweichen. Rund ein Viertel des weltweit verschifften Öls passierte vor dem Krieg die Meerenge.

Wie reagiert der Ölpreis auf Trumps Pläne?

Die Referenzsorte Brent legt seit Anfang August kontinuierlich zu - auch nach Trumps Ankündigung zu seinem «Wirtschaftskrieg» gegen den Iran. Zuletzt kostete ein Barrel wieder rund 94 Dollar. Vor dem Krieg kostete ein entsprechendes Fass noch rund 20 Dollar weniger.

Warum klettert der Ölpreis gerade jetzt?

Als sich der Iran und die USA noch im offenen Krieg befanden, stieg der Preis teils schwächer als Experten es erwartet hätten. Zudem liess er deutlich nach, als sich die Kriegsparteien Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen einigten. Schon damals habe der Ölmarkt einen Friedensschluss eingepreist, sagt Thomas Puls, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, der deutschen Nachrichtenagentur. «Dieser Optimismus ist verflogen.»

Zudem spiegelt der Ölpreis nicht die genaue Lage am Markt wider. Grosse Abnehmer wie China und die USA federn die Effekte ab, indem sie im grossen Stil die eigenen Ölvorräte anzapfen. Das drosselt die Nachfrage auf dem Weltmarkt. «China hat seine Ölimporte auf das Niveau von etwa 2016 reduziert», sagte Puls. Dieser Schritt habe eine noch weit grössere Wirkung als die Freigabe strategischer Reserven durch die Internationale Energie-Agentur (IEA).

Laut Puls ist der Ölpreis denn auch nicht der entscheidende Gradmesser. «Da es weltweit nicht nur an Öl, sondern noch mehr an verfügbarer Raffineriekapazität fehlt, bietet sich eher ein Blick auf die Börsenpreise von Diesel und Benzin an.» Hier hätten Händler den Optimismus des Ölmarkts nicht geteilt. Puls zufolge lag der Börsenpreis für Diesel zuletzt fünf Tage lang über einem Euro pro Liter - eine ähnliche Situation gab es zuletzt 2022 nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. «Das bildet eine weitere Verschärfung der Lage ab.»

Wie entwickelt sich der Benzinpreis?

Die Treibstoffpreise in der Schweiz sind zuletzt weiter gestiegen. Der Durchschnittspreis für Bleifrei 95 hat am Donnerstag erstmals seit fast vier Jahren wieder die Marke von zwei Franken pro Liter überschritten. Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum ebenfalls um fünf Rappen auf 2,27 Franken je Liter, wie der Touring Club-Schweiz (TCS) mitteilte.

Trotz des jüngsten Anstiegs liegen die Treibstoffpreise noch unter den Höchstständen von 2022. Damals kostete Bleifrei 95 zeitweise 2,31 Franken je Liter, Diesel erreichte 2,40 Franken.

Kurzfristig rechnet der TCS angesichts der geopolitischen Lage, der eingeschränkten Raffineriekapazitäten und der Transportprobleme nicht mit deutlich sinkenden Preisen.

(AWP)