Berlin, 30. Jun (Reuters) - Die Inflation in Deutschland ist im Juni wegen fallender Ölpreise und durch den Tankrabatt erneut gesunken. Waren und Dienstleistungen verteuerten ‌sich ⁠nur noch um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,6 Prozent im ⁠Mai und 2,9 Prozent im April. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in einer ‌ersten Schätzung mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen ‌hatten eine unveränderte Inflation von 2,6 ​Prozent erwartet. Experten sagten in ersten Reaktionen:

MICHAEL HEISE, CHEFÖKONOM HQ TRUST:

«Der unerwartet deutliche Rückgang der Inflation ist eine gute Nachricht für Verbraucher. Wesentlich geholfen haben rückläufige Lebensmittelpreise. Diese sind im zweiten Monat in Folge gesunken und liegen in ‌etwa auf Vorjahresniveau. Sicher ein ungewohntes Gefühl für viele Verbraucher, denn das war lange nicht mehr der Fall. Gesunkene Ölpreise und der im Juni noch gültige Tankrabatt ​haben die Autofahrer etwas entlastet. Im Zuge des Irankriegs waren ​die Preise an der Tankstelle und ​für Heizölverbraucher allerdings drastisch gestiegen. Noch immer liegen sie höher als vor einem Jahr.»

SILKE TOBER, ÖKONOMIN ‌BEIM IMK:

«Der Rückgang der Inflation im Juni 2026 auf 2,3 Prozent ist ebenso auf die Energiepreise zurückzuführen wie ihr Anstieg bis April 2026. Der Energiepreisschock ​ist im ​Begriff, sich zurückzubilden. Hält die Waffenruhe ⁠zwischen den USA und dem Iran an, dürfte ​sich sogar das Ende ⁠des Tankrabatts im Juli wegen der nun geringeren Rohölpreise nur wenig auf ‌die Inflation auswirken. In den anderen Euroländern dürfte sich die Inflation in den kommenden Monaten abschwächen, nachdem sie in Frankreich bereits im ‌Juni deutlich auf 2,0 Prozent gesunken ist. Die aktuelle ​Entspannung bei den Energiepreisen unterstreicht, dass die EZB mit ihrer Zinserhöhung im Juni vorschnell gehandelt hat und dadurch die Konjunktur derzeit unnötigerweise zusätzlich dämpft.»

(Reuters)