Was spricht noch für Reisebüros?

Hotelplan möchte mit dem Kauf des Kuoni-Reiseveranstaltergeschäfts in der Schweiz wachsen. Noch hat die Migros-Tochter den Zuschlag nicht. CEO Thomas Stirnimann sagt, weswegen die Kuoni-Reisebüros so interessant sind.
03.03.2015 14:57
Von Marc Forster
Der Ball liegt bei Kuoni: Thomas Stirnimann, CEO Hotelplan.
Bild: cash

Kuoni hatte am 14. Januar überraschend angekündigt, dass Geschäftsbereiche mit einem Jahresumsatz von über zwei Milliarden Franken und 3800 Mitarbeitern zum Verkauf stünden. Neben Kuoni Schweiz will die Gruppe auch die Aktivitäten in Grossbritannien, Benelux, Hongkong und Indien, sowie in Skandinavien verkaufen. Neben Hotelplan gibt es andere Interessenten, darunter die arabische Airline Emirates.

An den Kaufabsichten, die Hotelplan schon im Januar geäussert hat, ändert sich nichts. Das Interesse sei bei Kuoni deponiert, sagt Stirnimann im cash-Video-Interview. "Das Zusammengehen von Hotelplan und Kuoni in der Schweiz würde sehr viel Sinn ergeben." Nähere Angaben machte Stirnimann nicht, der Takt bei den Gesprächen führe Kuoni.

Mit Teilen des Ferien-Imperiums würde sich Hotelplan vor allem auch die Kuoni-Reisebüros einverleiben. Trotz des Trends zu Online-Buchungen seien diese immer noch marktentscheidend, sagte Stirnimann. Reisebüros seien für den Verkauf von Reisen immer noch "sehr, sehr" wichtig": "Man darf nicht vergessen, es gibt sehr viele online-affine Produkte, wie wir sie nennen, Produkte, die sehr geeigent sind für den Vertrieb über das Internet. Es gibt aber fast mehr Produkte, die für einen Verkauf über das Internet nicht geeignet sind." So würden Ferndestinationen oder ausgeklügelte Reisepläne immer noch gerne im Reisebüro gebucht. "Kunden informieren sich online, aber sie reservieren weiterhin im Reisebüro."

Rückkehr in schwarze Zahlen

Hotelplan sieht sich derweil zurück auf dem Erfolgspfad. Die Migros-Reisetochter verzeichnet das beste Jahr seit der Rechnungsperiode 2006/2007. Die Gruppe steigerte im per Ende Oktober 2014 abgeschlossenen Geschäftsjahr 2013/14 den Umsatz um 17 Prozent auf rund 1,32 Milliarden Franken. Der Hauptteil der Zunahme ist auf die erstmalige Vollkonsolidierung der Inter Chalet zurückzuführen. Hotelplan hatte den Kauf des deutschen Ferienhausvermittler 2011 angekündigt und das Unternehmen seither schrittweise übernommen.

Der operative Gewinn (EBITA) katapultierte sich von 3,6 Millionen auf 26,6 Millionen Franken. Weitere Gewinnzahlen gibt Hotelplan nicht bekannt. Die Migros-Reisetocher betont aber, dass das Ergebnis unter dem Strich "deutlich schwarz" sei. Stirnimann führt dies auf den Produktemix, am Markt gut akzeptierte Preise und laufende Optimierungen der Technologieplattform zurück. Ausserdem spielte das schlechte Schweizer Wetter im letzten Jahr für Hotelplan: "Der letzte Sommer war sehr verregnet", sagt Stirnimann zu cash. Die Reiselust wurde so angeschoben.

Die Schweizer Geschäftseinheit (Hotelplan Suisse) trug 550,5 Millionen Franken zum Umsatz bei, was einer Zunahme von 4,6 Prozent entspricht. Kurzfristige Buchungen im Sommer und im Herbst machten Einbussen im Frühling und im Frühsommer wieder wett. Der Betriebsgewinn (EBITA) des Schweizer Geschäfts wuchs von 7,1 Millionen auf 12,5 Millionen Franken.

Ferienhäuser lassen Kasse klingeln

Insbesondere zufrieden ist Hotelplan mit den Ergebnissen des Schweizer Ferienhausvermittlers Interhome, wo eine verbesserte Vertriebsstruktur und Kosteneinsparungen zum besten Ergebnis seit 2005/2006 führte. Auch in Grossbritannien konnte die Gruppe den Umsatz steigern - trotz Überflutungen Anfang 2014 in Südengland. In Italien hingegen gingen die Erträge um 11,2 Prozent zurück. Der Verlust auf Stufe EBITA ging aber zurück.

Im cash-Video-Interview sagt Thomas Stirnimann auch, wie die starke Frankenaufwertung seit Mitte Januar das Reisegeschäft trifft und abgesehen davon auch, was für ein Reiseziel ihm persönlich im Sommer vorschwebt.

(mit Material von SDA)