Was Sulzer mit der Metco-Milliarde macht

Sulzer will seine Öberflächen-Sparte Metco verkaufen. Weshalb dem Winterthurer Industriekonzern nun ein Luxusproblem droht - und was die Folgen für die Aktionäre sind.
04.10.2013 02:48
Von Ivo Ruch
Sulzer schraubt an seiner strategischen Zukunft.
Sulzer schraubt an seiner strategischen Zukunft.
Bild: Bloomberg

Was macht man mit einer Milliarde Franken? Diese Frage steht im Raum, seit Sulzer Ende Juli bekannt gegeben hat, ihre Beschichtungs-Sparte Metco abzustossen. Die Zeit sei gut, um mit dem Verkauf einen guten Preis zu erzielen, kommentierte Sulzer-CEO Klaus Stahlmann damals die Entscheidung. Metco beschäftigt 2500 Mitarbeiter und generierte 2012 knapp 700 Millionen Franken Umsatz. Das ist knapp ein Sechstel des Konzernumsatzes.

Die gleichzeitig publizierten Halbjahreszahlen waren unerwartet enttäuschend, der Gewinn ging um 23 Prozent zurück. Als Folge stürzte die Sulzer-Aktie ab: Zwischen dem 22. und 25. Juli verlor der Titel 20 Prozent, dabei wurde etwa eine Milliarde Franken an Börsenwert vernichtet. Seither hat sich der Aktienkurs wieder etwas erholt und 4 Prozent zugelegt.

Klumpenrisiko und Unklarheiten

Doch der Gewinnrückgang war nicht der einzige Grund für den Kurssturz, wie Marktstimmen sagen. Der geplante Verkauf wirft Fragen auf, denn er erhöht das Klumpenrisiko. "Durch den Verkauf von Metco wird sich die Abhängigkeit von der Öl- und Gasindustrie bzw. der Petrochemie von derzeit rund 39 auf 48 Prozent erhöhen", schreibt die Zürcher Kantonalbank in einem Analysten-Bericht.

Der Metco-Verkauf hat neben dem Klumpenrisiko einen weiteren Nachteil für die der Sulzer-Investoren. Metco ist ein Gewinnbringer und die Veräusserung würde den Gewinn pro Sulzer-Aktie bis 2014 um rund 10 Prozent schmälern. Folglich würde Sulzer im kommenden Jahr mit einem stolzen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 bewertet, wie Berechnungen der "FuW" ergeben.

Zudem ist unklar, was Sulzer mit dem Erlös machen würde. Fabian Häcki, Analyst der Bank Vontobel, sagt dazu: "Der Verkauf von Metco sollte einen Erlös von etwa einer Milliarde einbringen. Ich gehe davon aus, dass Sulzer mit dem Geld eine Mischung aus Akquisitionen, Dividendenerhöhung und Aktienrückkaufprogramm durchführen wird."

Vekselbergs Doppelrolle

Im aktuellen Umfeld tiefer Zinsen ist der Winterthurer Traditionskonzern gezwungen, das Geld möglichst rasch zu investieren oder auszuschütten. Geeignete Übernahmekandidaten ausfindig zu machen, sei allerdings keineswegs einfach, auch wenn Sulzers Wunschliste womöglich lang sei, sagt Analyst Häcki: "Sinnvolle Akquisitionen zu vernünftigen Preisen im Geschäftsbereich von Sulzer sind schwierig zu finden."

Wahrscheinlicher ist daher, dass Sulzer einen Teil der Einnahmen an die Aktionäre ausschütten wird. Anleger können deshalb erwarten, dass Sulzer spätestens ab 2015 nicht nur die Dividende erhöht, sondern auch ein Aktienrückkaufprogramm einleitet. Solche Massnahmen befeuern in der Regel den Aktienkurs.

An wen Metco schlussendlich verkauft wird, ist noch unklar. Nachdem OC Oerlikon sein Interesse kommuniziert hat, werden dem Industriekonzern gute Chancen zugetraut. Seit Jahren wird wiederholt über eine Zusammenarbeit zwischen Sulzer und OC Oerlikon im Bereich der Oberflächentechnologie spekuliert. Durch die Übernahme würde Oerlikon zum klaren Marktführer in diesem Bereich.

Pikant ist dabei: Bei beiden Unternehmen ist der russische Investor Viktor Vekselberg Hauptaktionär. Er hält an Sulzer 31 Prozent und ist gleichzeitig mit 47 Prozent an OC Oerlikon beteiligt. Die Frage, wieso Metco verkauft wird und was mit dem Erlös geschieht, dürfte also auch mit Vekselbergs Doppelrolle zusammenhängen.