stock alert

Weltmarktführer bei Hörgeräten - Steigt die Sonova-Aktie auf 190 Franken?

Lange Jahre fristete die Aktie des Hörgeräteherstellers Sonova ein Mauerblümchen-Dasein. Seit wenigen Wochen bricht nun auch sie neue Rekorde. Über die Zukunft des Titels gehen die Expertenmeinungen auseinander.
07.06.2017 08:38
Von Lorenz Burkhalter
Am Hauptsitz von Sonova in Stäfa sind die Fahnen nicht auf Halbmast.
Am Hauptsitz von Sonova in Stäfa sind die Fahnen nicht auf Halbmast.
Bild: ZVG

Lange galt die Aktie des Hörgeräteherstellers Sonova als sträflich vernachlässigt. Doch nach Jahren der zermürbenden Seitwärtsbewegung kam zuletzt auch der Weltmarktführer aus Stäfa in den Genuss neuer Kursrekorde. Seit Ende Dezember errechnet sich an der Börse ein stolzes Plus von mehr als 30 Prozent. L'appetit vient en mangeant, würde der Franzose jetzt sagen - der Hunger kommt beim Essen.

Das dürfte sich auch der Medizinaltechnikanalyst der Commerzbank gedacht haben, stuft er die Sonova-Aktie doch von "Hold" auf "Buy" herauf. Das Kursziel lautet neuerdings 190 (bisher: 135) Franken.

Stark wachsender Markt für Hörgeräte

Der Analyst erachtet die erst kürzlich kommunizierte Zielvorgabe eines organischen Umsatzwachstums von 4 bis 6 Prozent als konservativ. Mit anderen Worten: Er ist zuversichtlich, dass der Hörgerätehersteller ein schnelleres Tempo an den Tag legt.

Die Sonova-Aktie (rot) im 12-Monats-Vergleich mit dem SPI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Dank Produktinnovationen wie wieder aufladbare Hörgeräte sollte der Preisdruck in den Absatzmärkten von Sonova nachlassen, so der Commerzbank-Analyst. Folglich sieht er den globalen Markt für Hörgeräte im laufenden Jahr um 4,8 Prozent wachsen.

Doch längst nicht alle Berufskollegen bei anderen Banken teilen diese Zuversicht. Die Sonova-Expertin von Kepler Cheuvreux sieht den Weltmarktführer aus Stäfa gegenüber anderen Mitbewerbern im Nachteil. Einst klarer Technologieführer, hätten Rivalen wie William Demant oder GN Resound in den letzten Jahren kräftig aufgeholt.

In Erwartung, dass Sonova auf absehbare Zeit keine Marktanteile dazugewinnen kann, wird die Aktie bei Kepler Cheuvreux mit "Reduce" und einem Kursziel von 130 Franken zum Verkauf empfohlen.

Gespaltene Analystengemeinde

Neben der Analystin von Kepler Cheuvreux rät auch ihr Kollege bei der UBS Investmentbank zum Verkauf der Aktie. Er sieht letztere über die nächsten 12 Monate auf 128 Franken zurückfallen.

Über die Commerzbank hinaus haben auch Vontobel und die Credit Suisse eine Kaufempfehlung ausstehend. Bei zehn weiteren Banken wird der Hörgerätehersteller neutral beurteilt.

Nach dem starken Abschneiden der vergangenen Wochen und Monate ist die Sonova-Aktie kein Schnäppchen mehr. Selbst auf Basis optimistischer Schätzungen errechnet sich für das kommende Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23. Auch wer an attraktiv hohen Ausschüttungen interessiert ist, kommt aufgrund der mit 1,5 Prozent eher mageren Dividendenrendite nicht so recht auf seine Kosten.

Weiteres Kurspotenzial besteht nur dann, wenn der Weltmarktführer beweisen kann, dass er den anderen führenden Anbietern wieder Marktanteile streitig machen kann und sich der Preisdruck nicht weiter verstärkt.