Weltmarktführer für Hörgeräte - Sonova-Aktie trotz vorsichtigem Ausblick mit neuen Rekorden

Sonova legt in der zweiten Jahreshälfte einen Gang zu und übertrifft die Analystenerwartungen. Die Aktie steigt auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte, obwohl die Zielvorgaben für das neue Jahr eher enttäuschen.
16.05.2017 10:40
Von Lorenz Burkhalter
Hat nach einer starken zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2016/17 gut lachen: Sonova-Chef Lukas Braunschweiler.
Hat nach einer starken zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2016/17 gut lachen: Sonova-Chef Lukas Braunschweiler.
Bild: cash

Das am Dienstag vom Hörgerätehersteller Sonova veröffentlichte Jahresergebnis zeigt: Die Umsatz- und Gewinnentwicklung erfuhr in der zweiten Hälfte des per 31. März endenden Geschäftsjahres eine kräftige Beschleunigung.

Mit einem Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Franken und einem operativen Gewinn (EBITA) von 463 Millionen Franken werden die bei einem Umsatz von 2,38 Milliarden Franken und einem EBITA von 457,6 Millionen Franken liegenden Analystenschätzungen übertroffen. Einzig beim Reingewinn von 356,2 Millionen Franken liegt der Zahlenkranz etwas hinter den erwarteten 359,3 Millionen Franken zurück.

Überschattet wird die Ergebnisveröffentlichung von den eher vorsichtig abgefassten Zielvorgaben für das bereits angelaufene Geschäftsjahr. Mit einem Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent in Lokalwährungen und einem Wachstum zwischen 10 und 14 Prozent beim bereinigten EBITA liegen die Vorgaben auf den Mittelwert bezogen am unteren Ende der Markterwartungen.

Nach einer kursseitigen Achterbahnfahrt gewinnt die Sonova-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 0,5 Prozent auf 153,30 Franken. Noch im frühen Handel war sie bis auf 155,90 Franken und damit auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte geklettert, dann aber vorübergehend Gewinnmitnahmen zum Opfer gefallen.

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank wird der vorliegende Zahlenkranz als solide aber arm an Überraschungen bezeichnet. Der Weltmarktführer habe mit schwierigen Märkten, der Akquisition von AudioNova und Sondereffekten zu kämpfen gehabt, so die Autorin. Dennoch erachtet sie die Markterwartungen im vergangenen Jahr als erfüllt. Den etwas tiefer als erhofft ausgefallene Reingewinn führt die Analystin auf ein tieferes Finanzergebnis und eine höhere Steuerbelastung zurück. Sie stuft die Aktie von Sonova wie bis anhin mit "Marktgewichten" ein.

Zweistelliges Wachstum nur dank AudioNova

Wie ihr Berufskollege von Alliance Bernstein in einer ersten Stellungnahme schreibt, liegt die Umsatzentwicklung auf die zweite Jahreshälfte bezogen leicht über den Erwartungen. Seinen Berechnungen zufolge hat sich das organische Wachstum auf 6,5 Prozent beschleunigt. Treibende Kraft hinter dem starken Umsatzwachstum in Lokalwährungen bleibe allerdings die Übernahme von AudioNova, so lässt er durchblicken.

Im Gegenzug sorgt die erstmalige Konsolidierung von AudioNova im Jahresvergleich für einen Rückgang der EBITA-Marge. Insgesamt werden die bankeigenen Schätzungen von Alliance Bernstein jedoch etwas übertroffen.

Leicht enttäuscht zeigt sich der Analyst von den Zielvorgaben für das neue Jahr. Seines Erachtens könnten die Markterwartungen in Bezug auf das diesjährige Umsatz- und Gewinnwachstum sogar leicht nach unten genommen werden. Er stuft die Sonova-Aktie weiterhin mit "Market Perform" und einem Kursziel von 128 Franken ein.

Bei Kepler Cheuvreux gelten die Vorbehalte der schwachen Absatzentwicklung an Dritte. Aufgrund der erstmaligen Konsolidierung von AudioNova und dem höheren Absatz über diesen Vertriebskanal sei das vorliegende Jahresergebnis nur schwer zu deuten, so heisst es. Die Analystin hält deshalb sowohl am "Reduce" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 120 Franken fest.

Ausblick absichtlich konservativ?

Die für die Bank Vontobel tätige Berufskollegin räumt denn auch ein, dass ihre eigenen Schätzungen für das Umsatzwachstum in Lokalwährungen etwas über der Zielbandbreite liege. Dennoch findet sie sichtlich Gefallen an der zuletzt beobachteten organischen Wachstumsbelebung. Dasselbe gilt für den starken Zuwachst beim freien Cashflow. Folglich bekräftigt die Analystin ihre Kaufempfehlung für die Aktie und nimmt das Kursziel von 160 Franken in positive Revision.

Auch bei Julius Bär wird das 130 Franken lautende Kursziel für die mit "Hold" eingestufte Aktie mit positiven Vorzeichen überprüft.

Wie es im hiesigen Berufshandel heisst, könnte Sonova beim Ausblick absichtlich tiefstapeln. Das Unternehmen habe in den letzten Jahren schmerzhaft lernen müssen, die Erwartungshaltung der Anleger nicht zu sehr zu schüren, so lautet der Tenor.