Immer wieder muss sich die Schweiz, genauer die Schweizerische Nationalbank (SNB), in Washington erklären, dass sie keine Währungsmanipulatorin ist. Denn seit Jahren werfen die USA der SNB vor, den Franken mittels Devisenmarktinterventionen in die richtigen Bahnen zu leiten oder dort zu halten.

Hintergrund: Das US-Finanzministerium führt seit 2015 eine halbjährlich aktualisierte Liste mit möglichen Währungsmanipulatoren weltweit. Das sind Länder, welche ihre Währung nicht dem freien Markt überlassen. In der Schlussphase der ersten Regierung Trump im Jahr 2020 landete die Schweiz tatsächlich kurzzeitig auf dieser ominösen Liste.

Dass die SNB den Franken mittels Devisenmarktinterventionen «manipuliert», ist in der Tat nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Das Argument der Nationalbank, dass die Deviseninterventionen allein der Preisstabilität und nicht Wettbewerbszwecken dienten, konnte nie recht überzeugen. Die SNB interveniert in der Regel am Markt, wenn der Frankenkurs ein für die Exportwirtschaft heikles Niveau erreicht.

Doch die USA predigen mit ihren Vorwürfen an die Schweiz Wasser - und trinken dabei selbst Wein. Einfach auf einem anderen Markt: Vor dem Hintergrund hartnäckiger Inflation und steigender Staatsverschuldung kündigte das US-Finanzministerium am Mittwoch überraschend an, dass die USA die Rückkäufe von langlaufenden Staatsanleihen auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Transaktion verdoppeln wollen. Die zuvor bedrohlich angestiegenen Renditen der Anleihen gingen daraufhin prompt zurück.

Beide Institutionen - SNB wie US-Finanzministerium - gehen dabei identisch vor und erzielen ähnliche Effekte. Die USA verknappen mit Rückkäufen das Angebot am Anleihemarkt, was die Zinskurve am langen Ende drückt. Die SNB verringert bei Bedarf mit Euro-Käufen das Angebot der Gemeinschaftswährung, und ein unerwünschter Anstieg des Frankens wird damit oft rückgängig gemacht. Wenn die Schweiz also eine Währungsmanipulatorin ist, dann sind die USA Zinsmanipulatoren.

Die USA haben diesbezüglich geradezu eine Historie, vor allem US-Finanzminister Scott Bessent. Eine Reihe von Massnahmen und Ankündigungen zur Dämpfung des Anstiegs von langfristigen Zinsen hat ihm den Ruf als «interventionistischsten US‑Finanzminister seit Jahrzehnten» (Bloomberg) oder «Schatten-Fed-Chef» eingebracht. Und indem die USA die langfristigen Zinsen drücken, vermindern sie auch den Investoren-Appetit auf den Dollar. Sie agieren somit indirekt auch als Währungsmanipulatoren.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Marktinterventionen à la SNB und US-Finanzministerium meist bloss kurzfristige Effekte haben. Schlechter noch: Sie können das Gegenteil bewirken. In den USA könnten institutionelle Investoren auf den Plan treten, etwa die «Bond Vigilantes» («Anleihen-Rächer»), welche die Regierungen zu mehr Disziplin bei der Staatsverschuldung zwingen wollen. Der Glaubwürdigkeit dienen Marktinterventionen ohnehin nicht, vor allem einer Behörde wie dem Finanzministerium.

Daniel Hügli
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