«Wenns schön rot ist, macht mir der SMI Spass»

Multitalent-Moderator Roman Kilchsperger über Jassen, Zocken, Geldanlegen und seine Familie.
19.07.2013 10:33
Interview: Max Fischer
«Es geht kein Tag vorbei ohne Zocken»: Roman Kilchsperger.
«Es geht kein Tag vorbei ohne Zocken»: Roman Kilchsperger.
Bild: André Springer

cash: Noch besser als «Schnurre» kannst du jassen...

Roman Kilchsperger: Stimmt gar nicht. Ich jasse oft mit Besseren. Das kostet mich jeweils viel Geld. Die nächste Jass-Sendung mache ich im Altersheim: Dann nehme ich alte Leute aus...

Du bist ein Zocker?

Das ist meine Leidenschaft. Es geht kein Tag vorbei ohne Zocken.

Was treibt dich an?

Der Kitzel. Jassen ohne Geld, das ist doch wie Sex ohne Licht.

Findet das Deine Frau Viola Tami auch?

Keine Ahnung. Ich habe sie noch nie gefragt. Sie würde sich schon wehren.

Um wie viel Geld gehts beim Jassen?

Es muss schon weh tun, wenn man verliert. Die Fehler müssen zu hitzigen Diskussionen führen. Bei 20 Stutz ist das nicht der Fall.

Wie viel «Ameisli» liegen beim Jassen auf dem Tisch?

Wenn ich 300 bis 400 Franken verliere, dann nervt mich das. Das reicht.

Auch in deinen Spielshows geht es...

...um Geld. Das schnelle Reagieren, die Spannung. Das gefällt mir.

Du bist ein Day-Trader...

...ja, und ich bin meistens «short». Wenn es schön rot ist, macht mir der SMI am meisten Spass. Ich kann nicht 30'000 Franken in ABB investieren und dann ein paar Monate warten, bis sich etwas tut.

Keine Angst, als Familienvater?

Der erste Schritt vor der Hochzeit war ein gemeinsames Konto. Da gibt es ein Unterkonto 'Börse'. Das ist mir allein.

Dann trifft man dich oft auch in Casinos...

...und beim Pokern - sicher nicht! Davor habe ich Angst: Beim Pokern würde ich immer mitgehen, das wäre dann verhängnisvoll. Und im Casino würde ich nicht mehr raus, bis ich meine Verluste wieder reingeholt hätte. Nein, ich mache nur Sachen, die ich beeinflussen kann: Jassen...

...Und Wetten?

Ich schaue keinen Fussballmatch, ohne dass ich mit Freunden oder auf einem Portal mitwette. Aber da gehts um 50 bis 100 Franken.

Bist du ein Verschwender?

Ich habe meine Säule 3a und amortisiere zum Teil mein Haus. Aber vom Sparen im Alltag halte ich nicht viel. Ich renne in den Geschäften keinen Aktionen nach. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt meine besten Jahre habe. Viola sagt immer, dass wir es jetzt geniessen, wo es gut läuft. Und wenn es anders kommt, dann passen wir uns an.

Verwöhnt?

Ich spiele in meiner Liga. Ich mache nichts Unvernünftiges, bin aber in Geldsachen nicht übervorsichtig.

Du warst im Frühling auf den Malediven.

Das leisten wir uns. Das kostet zwar über 20'000 Franken.

Also doch ein arroganter Schnösel.

Nein, nein. Dieses Geld ist gut investiert. Sicher könnten wir auch in der Südtürkei für 6000 Franken tolle Ferien verbringen. Aber uns gefällt es dort, das leisten wir uns, das ist eine Investition in die Familie.

Mit allem Drum und Dran?

Ich verstehe die Frage nicht.

1.-Klasse-Flug?

Nein. Ich würde nie 8000 Franken zusätzlich zahlen, nur damit wir statt hinten vorne hocken. Das käme mir nicht im Traum in den Sinn.

Du trägst eine teure Uhr.

Es ist eine Maurice Lacroix. Die kostet tatsächlich 6000 Franken. So viel würde ich nie für eine Uhr ausgeben. Ich habe sie für 1000 Franken erhalten, weil ein Kollege dort arbeitet. Aber ich bin riesig stolz auf das Teil.

Machst du gerne Geschenke - oder erhältst du sie lieber?

Ich bin ein grosszügiger Mensch. Die Angehörigen, die Familie - das ist mir wichtig. Ab und zu laden wir meine Mutter und meine Schwiegereltern in die Ferien ein.

Damit ihr einen Babysitter habt...

...(lacht) auch. Bei den Kindern muss ich aufpassen, dass ich sie nicht zu fest verwöhne. Aber Viola schaut da zum Rechten.

Wie überraschst du Niccolo und Leandro?

Das letzte Mal wars mit einem Leibchen von Mandzukic. Aber einfach so, nicht an einem Geburtstag oder an Weihnachten. Das beschäftigt mich manchmal. Ich bin unterwegs, vermisse die Kleinen - und dann denke ich, das sind ja nur 50 oder 100 Franken. Als ich Bub war und ein Leibchen meines Idols Claudio Sulser unter dem Weihnachtsbaum lag, da weinte ich vor Freude. Seit vier Wochen habe ich Bettwäsche von Barcelona im Kofferraum. Aber damit warte ich bis zum nächsten Geburtstag.

Was erhält dann Viola?

Sie hätte auch eine Riesenfreude an einem 12'000-fränkigen Ring. Aber das liegt nicht drin - das ist eben nicht meine Liga. Für Ferien mit der Familie okay, aber nicht für ein Ringli am Finger.

Du kommst gerade von Aufnahmen für das Rote Kreuz. Ein lukrativer PR-Job?

Ich bin nicht geldgierig. Ich könnte viel mehr Moderationen machen und Geld scheffeln. Aber ich geniesse lieber meine Freizeit, meine Familie und meine Freunde. Jeden Freitag jasse ich auf dem Lande, im Aargauischen, mit bodenständigen Kollegen. Das ist Lebensqualität. Und wenn ich Freunde bei einer sinnvollen Aktion unterstützen kann, dann mach ich das gern. So kann ich als Schweizer Halb-Promi doch noch etwas bewegen.

Unentgeltlich?

Ja, klar. Und ich lass mir für die Blutspende-Aktion auch noch Saft abzapfen.

 

Dieses Interview erschien zuerst in der Juni-Ausgabe von «cash Inside», dem Kundenmagazin der cash zweiplus ag.

Roman Kilchsperger (43) ist verheiratet mit Viola Tami und hat zwei Söhne, Niccolo (7) und Leandro (4). Nach der Handelsschule startete er als Moderator bei Radio Zürisee und Radio 24. Via Sat 1 (Sportkommentator bei «ran») schaffte er den Sprung ins Schweizer Fernsehen («Music Star», «Top Secret», «Black 'n Blond», «Deal or no Deal», «Trader», derzeit «Dunnschtig Jass»). Seit zehn Jahren arbeitet Kilchsperger auch bei Radio Energy, wo er die Morgensendung moderiert.