Wertschriften - Aktienhandel: Wie funktioniert eigentlich eine Börse?

An der Börse werden Wertschriften gehandelt, das ist klar. Doch wie läuft dieser Handel ab? Und wie kommt ein Preis eines Aktienkurses zustande? Eine Erklärung für Aktien-Einsteiger und Börsen-Routiniers.
01.06.2020 07:07
Von Henning Hölder
Aufnahme von zwei Händlern auf dem Börsenparkett der London Stock Exchange aus dem Jahr 1963.
Aufnahme von zwei Händlern auf dem Börsenparkett der London Stock Exchange aus dem Jahr 1963.
Bild: imago images / United Archives International

Waren Sie schon einmal auf dem Flohmarkt und haben mit dem Verkäufer um den Preis für die alte Beatles-Schallplatte gefeilscht? Je länger der Tag dauert und er die Platte nicht an den Mann bringen kann, desto grösser die Chance für Sie, einen guten Preis zu erzielen. Ähnlich läuft es an der Börse. Sowohl beim Flohmarkt als auch bei der Börse handelt es sich um nichts anderes als einen Marktplatz.

Jemand bietet eine Ware an und andere fragen diese Ware nach. Nur werden an der Börse nicht alte Schallplatten, Bilder oder Antiquitäten gehandelt, sondern Wertschriften. In den meisten Fällen handelt es sich um Aktien. Es können aber auch Fonds, Anleihen, Zertifikate, Rohstoffe oder auch Schuldscheine von Unternehmen oder Staaten sein. Die Börse ist also ein Marktplatz, an dem Angebot und Nachfrage den Preis einer Wertschrift bestimmt.

Der einzige Unterschied zum Flohmarkt: An der Börse kann jeder sowohl Käufer als auch Verkäufer sein. Und: An der Börse nimmt man als Privatperson nur indirekt teil – Vermittler, auch Broker genannt, übernehmen den Job des Käufers und Verkäufers. Nicht jeder kann einfach so direkt an der Börse handeln. Dazu braucht es eine Zulassung vom Börsenbetreiber. 

Präsenzbörse versus elektronische Börse

Doch wie läuft der Handel einer Aktie genau ab? Bevor die Digitalisierung auch im Börsenhandel Einzug hielt, wurden Aktien praktisch ausschliesslich auf sogenannten Präsenzbörsen gehandelt. Dafür standen Händler – auch Broker genannt – von verschiedenen Banken oder Investmenthäusern in einem Kreis und riefen sich dabei verschiedene Preise zu. Diese Art von Handel wurde auch Ringhandel genannt. Dadurch wurden das Angebot und die Nachfrage einer Aktie bestimmt.

Die stimmgewaltigen Broker handelten meist im Auftrag von Kunden, die eine bestimmte Aktie kaufen oder verkaufen wollten. Teilweise handelten aber auch für das eigene Portfolio. Das folgende Video zeigt den hektischen Alltag des Börsenhandels an der Börse Zürich im Jahr 1962. Damals lag die elektronische Börse noch in weiter Ferne. 

Präsenzbörsen, bei denen Makler direkt miteinander handeln, gibt es heute zwar noch immer, doch ihre Bedeutung nimmt immer mehr ab. Sie haben zunehmend nur noch symbolischen Charakter. Die wohl berühmteste Präsenzbörse ist das Börsenparkett an der New Yorker Stock Exchange.

Doch der grösste Teil des Aktienhandels läuft heute über elektronische Handelssysteme ab. Auch der Handel über die Schweizer Börse SIX findet seit nunmehr 25 Jahren voll elektronisch statt. Dabei werden Kauf- und Verkaufsaufträge von Brokern über das elektronische Handelssystem des Börsenbetreibers übermittelt und vom System automatisch ein Preis gebildet.

Wie entsteht ein Aktienkurs?

Angenommen, für Aktien von Nestlé gibt es zwei Gruppen am Markt: Die eine will Nestlé-Aktien kaufen, die andere verkaufen. Innerhalb der Käufergruppe sind die Preisvorstellungen für eine Aktie freilich unterschiedlich, genauso wie bei der Gruppe der Verkäufer. Sinn und Zweck der Börse ist es nun, ein möglichst hohes Handelsvolumen herzustellen. Das heisst: Möglichst viele Käufer und Verkäufer zusammenzubringen.

Beispiel:

Der aktuelle Kurs für eine Nestlé -Aktie sei 100 Franken. Auf der Käuferseite ist Käufer A bereit, 150 Aktien zu je maximal 110 Franken zu kaufen. Käufer B möchte 50 Aktien zu je maximal 100 Franken erwerben und Käufer C ist bereit, 100 ohne Kurslimit zu kaufen. Das heisst, er nimmt jeden Preis.

Auf der Verkäuferseite wiederum ist Verkäufer A bereit, 200 Nestlé-Aktien zu mindestens 110 Franken zu verkaufen, Verkäufer B würde 50 Aktien für einen Preis von mindestens 120 Franken abgeben und Verkäufer C möchte 50 Aktien loswerden und ist bereit, jeden Preis dafür zu akzeptieren.

In diesem stark vereinfachten Beispiel würde sich ein Kurs von rund um 110 bilden, weil bei diesem Preis die meisten Transaktionen stattfinden würden. Die folgenden Kursszenarien von 100, 110 und 120 verdeutlichen dies: 

Kurs 100: Handel von 50 Aktien findet statt (Alle Käufer würden kaufen, aber nur Verkäufer C würde seine 50 Aktien verkaufen)

Kurs 110: Handel von 250 Aktien findet statt (Käufer A + C würden insgesamt 250 Aktien kaufen, Verkäufer A + C würden insgesamt 250 Aktien verkaufen)

Kurs 120: Handel von 100 Aktien findet statt (Käufer C würde 100 Aktien kaufen, alle Verkäufer würden ihre Aktien verkaufen.

Es zeigt sich, dass bei einem Kurs von 110 Franken die meisten Aktien den Besitzer wechseln würden. Also handelt es sich bei diesem Kurs um den Preis, der durch Angebot und Nachfrage zustanden kommt. Während das früher mühsam von Menschen berechnet werden musste, erledigt das heute der Computer.

Das ist freilich ein stark vereinfachendes Beispiel der Berechnung eines Aktienkurses. Trotzdem zeigt es das Prinzip, wie Kurse an der Börse entstehen. Nach dem Kauf der Aktie landet das Wertpapier im Kundedepot bei der Bank oder beim Broker. Der Börsenhandel ist natürlich nicht gratis. Pro Kauf und Verkauf verrechnet die Bank eine Gebühr, auch Courtage genannt. Dazu kommen die Depotgebühren für die Wertschriften. Kleinere Anbieter sind hier oft günstiger als Grossbanken (zum Courtagen-Vergleich der Banken geht es hier).

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