Weshalb die CS das Duell gegen die UBS gewinnt

Ab kommender Woche geben die beiden Schweizer Grossbanken Einblick in ihre Quartalsausweise. Fünf Gründe, wieso das Ergebnis der Credit Suisse mehr Überraschungspotenzial bietet als jenes der UBS.
17.04.2013 07:14
Von Pascal Meisser
Die Anleger warten gespannt auf die Quartalszahlen der Credit Suisse.
Die Anleger warten gespannt auf die Quartalszahlen der Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Die bisherigen Quartalsausweise der amerikanischen Banken haben gezeigt: Sechs Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sprudeln die Gewinne bei den Finanzinstituten wieder. JP Morgan, Citigroup und Goldman Sachs erwirtschafteten Überschüsse in teils rekordverdächtiger Milliardenhöhe. Und die Zahlen gebieten Einblick, welche Bereiche in diesem Jahr besonders gewinnbringend waren. 

Das lässt Rückschlüsse zu auf die Quartalszahlen der Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse, die ab kommender Woche Bericht erstatten. Den Auftakt macht am 24. April die Credit Suisse, sechs Tage später folgt der Branchenprimus UBS. Vor einem Jahr erzielte die UBS ein Reingewinn von 827 Millionen Franken, die Credit Suisse wies hingegen einen Überschuss von 1,4 Milliarden Franken aus. Grundsätzlich gehört das erste Quartal bei Banken zu den ertragreichsten. 

Noch sind die Gewinnschätzungen der Analysten noch nicht öffentlich gemacht worden. Die Vorgaben aus den USA lassen aber darauf schliessen, dass zumindest die Credit Suisse mit den Quartalszahlen überraschen könnte. Eine Annahme, die offensichtlich viele Anleger teilen. Denn der Credit-Suisse-Titel hat 2013 die UBS als beliebteste Bankenaktie abgelöst. Seit Anfang Jahr liegt die Aktie der Credit Suisse 18 Prozent im Plus, jene der UBS hingegen nur 5 Prozent. 

Überdurchschnittliches Potenzial hat die Credit Suisse in den folgenden fünf Bereichen. Werden hier die Erwartungen übertroffen und fällt der Ausblick für 2013 positiv aus, wird die Aktie auch in den kommenden Monaten bester Schweizer Bankentitel bleiben. 
 

1. Investmentbanking: Ausgerechnet jener Bereich, aus dem sich die UBS seit letztem Jahr schrittweise zurückziehen will, floriert dieses Jahr wie noch nie seit Ausbruch der Finanzkrise vor sechs Jahren. In den ersten drei Monaten 2013 sind weltweit deutlich mehr Emissionen von Bonds, Fusionen und Akquisitionen sowie Börsengänge über die Bühne gegangen als noch in der Vorjahresperiode.

Alleine das globale M&A-Volumen ist gemäss Daten von Thomson Reuters im ersten Quartal auf 650 Milliarden Dollar gestiegen. Das sind 15 Prozent mehr gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. "Dieser Aufschwung dürfte sich positiv in den Ertragszahlen der Credit Suisse bemerkbar machen", sagt Swisscanto-Fondsmanager Peter Stenz.

2. Festverzinsliche Wertpapiere: Die Citigroup hat es vorgemacht: Mit dem Handel der kapitalintensiven festverzinslichen Wertpapieren lässt sich 2013 wieder gutes Geld verdienen. Gefragt waren vor allem die so genannten "Securitized Products" - so werden Wertpapiere genannt, die hypothekarisch oder durch andere Kredite verbrieft sind.

Die Credit Suisse ist nach Angaben von ZKB-Bankanalyst Andreas Venditti in diesem Geschäft stark drin. Die UBS hingegen hat im Zuge der Reduktion der Investmentbank auch das Fixed-Income-Business deutlich heruntergefahren. Im nachhinein gesehen zu einem zu frühen Zeitpunkt. 

3. Restrukturierungskosten: Die Umbaukosten der Investmentbank wird das Ergebnis der UBS noch während Jahren belasten. Alleine für 2013 will sich die Bank nach eigenen Angaben die Restrukturierung rund 1,1 Milliarden Franken kosten lassen. Analysten gehen davon aus, dass dem ersten Quartal 300 Millionen Franken - oder rund ein Viertel der Summe belastet wird. 

Auch bei der Credit Suisse werden Restrukturierungskosten anfallen. Diese werden gemäss Experten aber deutlich geringer sein. 

4. Wertberichtigungen auf eigene Schulden: Die UBS hatte im Februar bekanntgegeben, im Umfang von rund fünf Milliarden Euro eigene auf Euro und italienische Lire lautende vorrangige und unbesicherte Anleihen zurückzukaufen. Diese Massnahme zur Streuung der Zusammensetzung der Verbindlichkeiten werden zwar den Zinsaufwand künftig senken. Allerdings mit der Gefahr, dass diese Massnahme zu einer Verengung der Kreditspreads führen könnte. Deshalb warnte bereits damals die Bank davor, dass im ersten Quartal 2013 signifikante Wertberichtigungen auf eigene Verbindlichkeiten notwendig werden könnten. 

Analyst Venditti geht bei der UBS von einer dreistelligen Millionensumme aus, die abgeschrieben werden müsste. Bei der Credit Suisse dürfte dieser Betrag etwas tiefer ausfallen, nachdem die Bank bereits 2012 2,9 Milliarden Franken wertberichtigt hatte. 

5. Vermögensverwaltung: Die Credit Suisse arbeitete 2012 im Private Banking hochprofitabel, und das dürfte sich auch im ersten Quartal 2013 nicht geändert haben. Die Bank erzielte letztes Jahr eine Marge von 110 Basispunkten. 

Vor drei Wochen hat sich zudem die Credit Suisse in diesem Geschäftsbereich weiter verstärkt. Sie übernahm Teile des Wealth Managements von Morgan Stanley. Dazu gehören die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika. Damit erhöht sich das verwaltete Gesamtvermögen um 12 Milliarden Franken, was ein erheblicher Betrag ist. Zum Vergleich dazu verbuchte die Credit Suisse 2012 Netto-Neugeldzuflüsse von 40 Milliarden Franken. Der UBS flossen 2012 Neugelder in der Höhe von fast 47 Milliarden Franken zu.