Weshalb Dividenden wieder wichtiger werden

Gute Börsenjahre haben zu einer Dividenden-Halbwüste geführt, sagt DWS-Star-Fondsmanager Thomas Schüssler im cash-Video-Interview. Doch das dürfte sich bereits 2014 wieder ändern.
23.12.2013 06:43
Von Pascal Meisser
Thomas Schüssler ist Fondsmanager bei DWS.
Bild: cash

Wenn Aktienkurse in die Höhe klettern, spielen Dividendenrenditen meist nur noch eine untergeordnete Rolle. Ein Blick auf die Gewinnerliste des Schweizer Aktienmarkts illustriert dies: Wenn Titel wie Leonteq oder Autoneum sich verdoppeln oder gar verdreifachen, fällt eine Zusatzrendite von zwei bis sechs Prozent, die man dank Dividenden erzielen kann, beileibe nicht mehr gross ins Gewicht. 

"Dividenden gewinnen erst dann wieder an Bedeutung, wenn die Rendite des Gesamtmarkts auf einen einstelligen Bereich zurückfällt", sagt Thomas Schüssler im cash-Video-Interview. Der deutsche Star-Fondsmanager leitet seit über zehn Jahren 13 Milliarden Euro schweren "Top Dividende"-Fonds von DWS, dem Flagschiff des Fondshauses der Deutschen Bank. Zugleich ist der Fonds eines der grössten Anlagevehikel seiner Art. 

Börsen-Rally schlecht für Dividendenfonds

"Bei solch guten Jahren kann ein solcher Fonds gar nicht mit dem Gesamtmarkt mithalten", sagt Schüssler im Gespräch mit cash. In der Regel könne man davon ausgehen, dass bei solchen Fonds die Dividendenzahlungen einen Drittel bis die Hälfte zur jährlichen Rendite beitragen

Eines der Hauptprobleme liegt darin, dass Aktien mit hohen Dividendenrenditen ein stabiles Geschäftsmodell aufweisen - und als Folge eher dem defensiven Sektor angehören. Zyklische Titel hingegen, die bei einer Erholung der Wirtschaft an der Börse durchstarten, spülen den Anlegern in erster Linie Kursgewinne, aber keine hohen Dividenden in die Kassen. 

Zudem vermag die Dividendenentwicklung mit den steigenden Aktienkursen nicht Schritt zu halten. Das hat zur Folge, dass die Rendite stetig kleiner wird. "Nach den zwei guten Jahren an den Finanzmärkten herrscht eine Dividenden-Halbwüste", sagt Schüssler. 

Zurich-Aktien würde er nie kaufen

Auch Schüssler litt in den letzten zwei Jahren unter dem positiven Umfeld, in welchem sich Dividendenfonds nicht auszeichnen können. Sein Fonds hatte zuletzt vor allem auf Aktien aus dem defensiven Pharma- und Konsumbereich gesetzt. Vor allem seine Aktien aus der letzteren Branche, die so genannt nichtzyklischen Konsumgütertitel wie Nestle, Phillip Morris oder Unilever sind im Schatten der Kursgewinne von zyklischeren Titeln gestellt worden.

Mit solchen Positionen schnitt der DWS-Star-Fondsmanager gemäss Berechnungen des Fondsanalysehauses Morningstar gar schlechter ab als die Mehrzahl seiner Konkurrenz. Dennoch will Schüssler an seiner Strategie festhalten - und nicht wie manch anderer Dividendenfonds-Manager die Rendite mit Aktien aufbessern, die eigentlich wenig mit der Ausrichtung des Fonds zu tun haben. 

Schüssler will auch in Zukunft auf seine bevorzugten Aktien setzen. "Die besten Dividendentitel weisen eine Rendite von drei bis vier Prozent auf und haben ein ähnlich grosses jährliches Gewinnwachstum", erklärt er sein Auswahlkriterium. Titel wie Zurich Insurance Group, die mit einer Rendite von gegen 7 Prozent aufwarten, würde er hingegen nie kaufen. Hier sei das Risiko von zukünftigen Dividendenkürzungen zu gross, so Schüssler. 

Firmen erhöhen Dividenden weiter

Schüssler geht davon aus, dass bereits 2014 sein Fonds in Relation zum Gesamtmarkt wieder deutlich besser performen wird. Gemäss Konsens der Marktbeobachter wird der Aufwärtstrend an den Börsen an Dynamik einbüssen. Gleichzeitig haben verschiedene Firmen angekündigt, auch nächstes Jahr auf eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik zu setzen. In einer aktuellen Studie der Bank J. Safra Sarasin schätzt der Verfasser, dass etwas mehr als die Hälfte der wichtigsten börsenkotierten Unternehmen in der Schweiz 2014 ihre Dividende weiter erhöhen wird. 

Diese Entwicklung könnte auch den Dividendenfonds, die in den letzten zwei Jahren wegen der anhaltenden Tiefzinsphase zuhauf lanciert wurden, weiter Auftrieb geben. Allerdings eignen sie sich kaum als Kurzfristanlage. Denn von ihrer Konstruktion her sind Dividendenfonds als Geldparkplatz über mehrere Jahre gedacht. "Erst dann kommt der Zinseszinseffekt aus den Dividendenzahlungen zur Geltung", sagt Schüssler. 

Im Video-Interview sagt Schüssler, worauf Anleger bei der Wahl von Dividendenfonds achten sollen. 

 

Ausgewählte Dividendenfonds

Fonds Valor YTD 3 Jahre 5 Jahre
zCapital Swiss Dividend 19466655 +23% n.a. n.a.
Vontobel Swiss Dividend 279570 +16% +11% +40%
DWS Top Dividende 1599223 +12% +24% +22%
M&G Global Dividend 4327471 +20% +31% +86%
DJE - Dividende & Substanz 1529465 +12% +9% +29%
Tweedy Global High Dividend 3080742 +10% +23% +21%

Quelle: cash.ch, 20.12.2013