Laut Daten von Bloomberg machen Verkaufsempfehlungen mittlerweile nur noch 13,1 Prozent der insgesamt 61 Analystenbewertungen für Tesla aus. Dies ist der niedrigste Anteil seit April 2023. Damals belasteten Sorgen um die Gewinnmargen die Bewertung des Unternehmens, und 12,8 Prozent der Analysten rieten dazu, sich von der Aktie zu trennen.

Der Rückgang der pessimistischen Einschätzungen fällt in eine Zeit, in der CEO Elon Musk versucht, Tesla von einem reinen Autohersteller zu einem führenden Akteur im Bereich der physischen künstlichen Intelligenz (Physical AI) zu wandeln und den Schwerpunkt von Elektrofahrzeugen auf autonom fahrende Robotaxis und humanoide Roboter zu verlagern. Zudem sind die Tesla-Aktien um fast 30 Prozent gegenüber ihrem im Dezember erreichten Rekordhoch gefallen - einem Zeitpunkt, an dem noch fast ein Viertel der Analysten skeptisch gegenüber der Aktie eingestellt war.

«Es herrscht hier ein wenig die Stimmung vor: ‹Wette nicht gegen Musk›», sagte Max Gokhman, Senior Vice President bei Franklin Templeton Investment Solutions. «Er hat bewiesen, dass nach langen Phasen, in denen Fristen nicht eingehalten wurden, doch noch ein bahnbrechender Erfolg gelingen kann. Für einen Analysten ist es besser, als jemand zu gelten, der keine feste Meinung hat, als jemand, der falsch liegt.» 

Weniger Skepsis bedeutet jedoch nicht zwangsläufig mehr Optimismus. Tesla verlor seine jüngste Verkaufsempfehlung nicht etwa, weil ein Analyst die Aktie hochgestuft hätte, sondern weil der langjährige Skeptiker Colin Langan die Bank Wells Fargo verlassen hat. Nach Langans Weggang stellte die Bank die Beobachtung von Tesla und 17 weiteren Automobilunternehmen ein. Gleichzeitig ist der Anteil der Bewertungen, die einer «Halten»-Empfehlung entsprechen, auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen.

Die Tesla-Aktie hat in diesem Jahr 21 Prozent an Wert verloren, während der S&P 500 um 12 Prozent zulegte. Tesla bleibt damit ein Sonderfall unter den Unternehmen mit extrem hoher Marktkapitalisierung. Weniger als 2 Prozent der Analysten stufen fünf der «Magnificent Seven»-Unternehmen negativ ein, während 10,7 Prozent bei Apple eine pessimistische Haltung einnehmen.

Analysten, die Tesla beobachten, «erkennen zunehmend, dass das Unternehmen über potenziell bedeutende Optionen in den Bereichen autonomes Fahren, Robotik und KI verfügt, was eine herkömmliche Bewertung als Automobilhersteller unvollständig erscheinen lässt», sagte Ivan Feinseth von Tigress Financial Partners. «Dies legt jedoch auch die Messlatte für die Umsetzung höher: Je höher die Bewertung ist, die diesen zukünftigen Geschäftsbereichen beigemessen wird, desto mehr muss Tesla letztlich beweisen, dass sie tatsächlich nennenswerte Umsätze, Margen und Renditen erwirtschaften können.»

Teslas Bilanz bei der Umsetzung dieser Ambitionen ist durchwachsen. Kritiker werfen Musk und Tesla seit Langem vor, zu viel zu versprechen und Fristen zu verpassen, während die Wall Street darauf wartet, dass Technologien für autonomes Fahren und Optimus-Roboter zu bedeutenden Gewinnquellen werden. Zuletzt blieb die Präsentation des «Cybercab» hinter den Erwartungen der Investoren zurück und löste eine Untersuchung der US-Bundesbehörden hinsichtlich der Einhaltung von Sicherheitsstandards aus.

Dennoch hat Musk bereits Ziele erreicht, die einst unerreichbar schienen, und seine Anhänger glauben, dass ihm dies erneut gelingen kann. Viele Investoren, die optimistisch für Musk gestimmt sind, hoffen zudem, dass er Tesla mit SpaceX zusammenführen wird – jenem Unternehmen für Raketen-, Satelliten- und KI-Technologie, das er ebenfalls leitet.

«Der Trend bei KI-Hoffnungsträgern ist positiv, doch die Investoren bleiben realistisch», so Dec Mullarkey von SLC Management, einem Unternehmen, das über Indexpositionen Tesla-Aktien hält. «Sie fordern Belege für das Umsatzpotenzial und bewerten die Unternehmen nüchterner.» Demgegenüber, so merkte er an, «neigen Aktienanalysten im Allgemeinen dazu, optimistisch zu sein.»

(Bloomberg/cash)