Etwas mehr als die Hälfte der 51- bis 65-Jährigen wünscht sich eine Frühpensionierung. Doch weniger als ein Drittel dieser Bevölkerungsgruppe geht davon aus, sich früher als offiziell vorgesehen in Pension begeben zu können. Der Befund stammt aus dem Vorsorgebarometer, das Raiffeisen und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) kürzlich herausgegeben haben. Die Autoren stellen eine «Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität» fest. Die Mittel reichen also oft nicht aus, damit man sich den Wunsch eines frühen Übertritts vom Erwerbsleben in den Ruhestand leisten kann.

Gleichzeitig wollen viele der 51- bis 65‑Jährigen ihre dritte Lebensphase aktiv gestalten: 63 Prozent sehen sich auf Reisen und Ausflügen und möchten ihr Geld hauptsächlich hierfür einsetzen.

Die Mischung aus erwünschter Frühpensionierung und einem aktiven Lebensstil trifft auf begrenzte finanzielle Mittel, wodurch die Pläne für den Ruhestand nicht selten durchkreuzt werden. Was tun? Wegweisend kann ein weiteres Umfrageergebnis sein. 19 Prozent der befragten 51- bis 79-jährigen Männer und Frauen hätten rückblickend betrachtet früher oder überhaupt in die Säule 3a eingezahlt; 18 Prozent der Männer beziehungsweise 5 Prozent der Frauen sind der Auffassung, dass sie das verfügbare Geld in Wertschriften hätten anlegen sollen.

Demnach würden nicht wenige der befragten Personen die eigene Vorsorge heute anders aufbauen, als sie es damals tatsächlich taten - gerade, was die dritte Säule angeht. Sie hätten sich dadurch auch mehr finanziellen Spielraum für den Ruhestand verschafft.

Eine Berechnung des Vorsorgeexperten Iwan Brot zeigt, wie sehr 3a-Einzahlungen zur Altersvorsorge beitragen, wenn sie konsequent gemacht werden. Konkret zeigt die Kalkulation des Vorsorgespezialisten auf, wie hoch das Guthaben sein kann, wenn man seit 1987 immerzu in die Säule 3a einbezahlt hat. In die Überlegungen sind insbesondere auch die Steuereinsparungen eingeflossen, die nicht für zusätzlichen Konsum, sondern ebenfalls zur Anlage verwendet werden sollen, so die Annahme. Die Resultate sind der folgenden Tabelle zusammengestellt:

in CHF 3a-Wertschriften 3a-Konto
nominal 1'273'422 360'958
real 814'533 230'884

3a-Kapital bei Einzahlungen seit 1987 / Angaben in Franken / Quelle: Iwan Brot.

Seit 1987 konnten total 237'197 Franken einbezahlt werden. Wer sein Geld über die knapp 40 Jahre hinweg regelmässig in eine 3a-Wertschriftenlösung gesteckt hat, kommt heute auf ein Guthaben von mehr als 1,2 Millionen Franken. Real, also unter Berücksichtigung der Inflation, bleibt ein Kapital von über 800'000 Franken.

Weniger ergiebig sind 3a-Konten. Bei diesen frisst die Teuerung die Erträge auf, sodass kein grösserer Vermögensaufbau resultiert. Dennoch trägt das Geld zur Altersvorsorge bei, da es gespart und nicht ausgegeben wird.

Das Ergebnis zeige eindrücklich, welche Wirkung ein langer Anlagehorizont und konsequentes Sparen entfalten können, schreibt Brot zu seiner Berechnung. Er führt aus: «Eine frühzeitige Pensionierung bleibt damit nicht zwingend ein Wunsch. Wer über Jahrzehnte konsequent Vermögen aufbaut, kann sich später mehr Zeit, Freiheit und finanzielle Flexibilität ermöglichen.»

Freilich ist der hartnäckig betriebene Vermögensaufbau nicht gratis. Er kostet Disziplin: Jeder Franken, der in die Altersvorsorge fliesst, schränkt den Konsum - Reisen, Genuss und so weiter - in der Gegenwart ein.

Die Säule 3a besteht erst seit 39 Jahren. Dass sich viele der von Raiffeisen und der ZHAW Befragten bei dem damals neuen Konzept zunächst zurückhielten, ist ebenso nachvollziehbar wie die Einsicht, dass es sich im Rückblick bewährt hat. Entsprechend hat sich auch das Verhalten verändert. Aktuell besitzen knapp 80 Prozent der 18- bis 65-Jährigen eine 3a-Lösung. Daran sei ablesbar, dass immer mehr Menschen Eigenverantwortung für ihre Vorsorge übernehmen, halten die Autoren des Vorsorgebarometers fest. Dabei bleibe der Erhalt des gewohnten Lebensstandards im Alter das wichtigste Motiv, gefolgt vom Steuernsparen als zweitwichtigstem Beweggrund.

Reto Zanettin
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