An der Börse gehören Chinas Roboterbauer nach dem fulminanten Debüt von Unitree zu den Stars. Bei der Messe World Robot Conference wollen sie beweisen, dass ihre Produkte auch ‌praxistauglich sind. ⁠Xi Guobin, Staatssekretär im Industrie- und Technologieministerium, kündigte bei der Eröffnung der Veranstaltung am Mittwoch dem staatlichen Finanznachrichtendienst Cailianshe zufolge ⁠an, die Entwicklung des Sektors zu unterstützen. Robotik sei bereits jetzt eine «wichtige Kraft» in der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas.

Mehr als 300 Unternehmen sind nach offiziellen Angaben ‌auf der Veranstaltung vertreten. Sie haben über 2000 Ausstellungsstücke aufgebaut und stellen mehr als 150 ‌neue Produkte vor. Das Startup Robotera zeigt einen humanoiden Torso, der ​auf einer dreirädrigen Basis montiert ist und Pakete sortieren kann. Ein Verkäufer sagt, das Modell laufe 900 bis 1000 Stunden am Stück und sei zu 85 Prozent so effizient wie ein Mensch.

Ein Roboter von DexForce verpackt Mobiltelefone in Schachteln, ein Roboterpferd lädt zu Ausritten. UBTECH zeigt einen Roboter, der Englischunterricht gibt und Prüfungen an Universitäten überwacht.

Der Sektor verspricht nicht zuletzt ‌nach dem Börsendebüt von Unitree rapides Wachstum. Die Unitree-Aktien versiebenfachten ihren Wert an ihrem ersten Handelstag. Die Erstnotiz des - gemessen am Umsatz - weltgrössten Herstellers humanoider Roboter gilt als Meilenstein für Chinas Ambitionen, eine führende Rolle in der Robotik und bei Künstlicher Intelligenz (KI) ​zu übernehmen.

Eine Reihe weiterer Roboterhersteller steht in den Startlöchern. So erwägen das Start-Up Lumos Robotics ​und die Robotikabteilung des Autobauers Chery einen Börsengang, dazu kommen Unternehmen wie Deep ​Robotics, Leju Robotics, Mech-Mind Robotics, X Square Robot und AgiBot.

Details, wann die Chery-Sparte AiMOGA an die Börse gehen könnte, liess der zuständige Chery-Manager Zhang ‌Guibing offen. AiMOGA sorgte zuletzt mit Roboter-Polizisten für Aufsehen, die in mehreren chinesischen Städten etwa bei der Regelung des Verkehrs eingesetzt werden. Der Bereich verspreche Wachstumschancen, sagte Zhang: Verkehrspolizisten hätten mit schlechtem Wetter, hoher Luftverschmutzung und Unfallgefahren zu tun. Der Bedarf an Roboter-Polizisten sei ​etwa in ​Südostasien oder im Nahen Osten gross, wo hohe Temperaturen oder ⁠starker Regen den Beamten zu schaffen machten.

Allerdings sind Roboter bislang nur in ​Pilotprojekten im Einsatz, eine breite ⁠Anwendung steht noch aus. Georg Stieler, Robotik-Analyst und Unternehmensberater, schätzt, dass zwischen 50 und 70 Prozent der in diesem Jahr produzierten ‌Roboter in «Datenfabriken» aufgestellt werden könnten: Statt Produkte für Verbraucher herzustellen, sammelten sie dort Daten.

Das schnelle Wachstum bei humanoiden Robotern erinnert dabei an den Aufstieg Chinas bei Elektroautos vor wenigen Jahren, als eine Vielzahl von ‌Unternehmen fast aus dem Nichts auftauchte und den etablierten Autobauern mit atemberaubender Geschwindigkeit den Markt ​streitig machte. AiMOGA-Chef Zhang sagte, er sehe den scharfen Wettbewerb positiv. «Letztlich führt das dazu, die Fähigkeiten der Branche zu erweitern und die Technologie zu stärken. Aus dieser Perspektive ist es positiv.» Bis humanoide Roboter allerdings alltäglich werden, dürfte es noch ein Jahrzehnt dauern.

(Reuters)