Wie den passenden Arbeitgeber finden?

Unternehmen zeigen sich gegenüber Jobbewerbern im schönsten Kleid, doch was darunter steckt, müssen Bewerber oft selber herausfinden. cash sagt, wie man vorgehen kann.
12.11.2014 01:01
Von Frédéric Papp
Nicht alles, was der potenzielle Arbeitgeber verspricht, muss der Wahrheit entspechen.

Drei Arbeitgeberwechsel in den ersten vier Berufsjahren – das ist für den Lebenslauf und die weitere Karriere kein guter Start. Und daher sollte sich jeder vor der Bewerbung gut überlegen, welcher Arbeitgeber der passende sein könnte, am besten, bevor er den Arbeitsvertrag unterschreibt.

Oft werden Mitarbeitenden "individuelle Entwicklungsmöglichkeiten", die "Aussicht auf Führungsfunktionen" oder die Möglichkeit auf einen "Bereichswechsel innerhalb der Firma" angeboten. Nicht selten ist auch von "flexiblen Arbeitszeiten" oder einem "umfassenden Weiterbildungsangebot" die Rede. Doch wie findet man heraus, was eine Firma wirklich bietet?

Eine Strategie zurechtlegen: Sich auf reine Internetrecherche zu verlassen, reicht nicht aus. Erstellen Sie eine List mit Aspekten, die für Sie zentral sind, seien es harte Faktoren wie der Lohn, aber auch weiche Faktoren wie Spass an der Arbeit, der Arbeitsort oder das Arbeitsumfeld. Nehmen Sie eine Gewichtung vor, welche Aspekte für Sie von besonderer Bedeutung sind.

Insiderinformationen nutzen: Sprechen Sie Ihnen gut bekannte Personen an, die im betreffenden Unternehmen tätig sind. Fragen Sie dabei gezielt nach dem vorherrschenden Arbeitsklima oder ob die Versprechen des Arbeitgebers wie "flexible Arbeitszeiten" oder "Weiterbildungsmöglichkeiten" auch gelebt werden. Meiden Sie Mitarbeiter, die Ihnen nicht oder kaum bekannt sind, via Xing oder LinkedIn anzusprechen - man kann nicht einschätzen, mit wem man da spricht.

Augen und Ohren auf: Kommt es zu einem Bewerbungsgespräch, sollten Kandidaten auf das Arbeitsklima achten: Wie ist die Begrüssung am Empfang? Wie gehen Vorgesetzte mit Mitarbeitern um und Kollegen untereinander? Bevor man etwas unterschreibt, sollte man das Team kennenlernen.

Auf Unternehmenskultur achten: Nicht wenige Banken in der Schweiz leben eine "Hire- und Fire-Kultur". Gerade in bestimmten Bereichen von Grossbanken, wie dem Investmentbanking, wird man nach kurzer Zeit wieder entlassen, wenn die Leistung nicht stimmt.

Rankings konsultieren: In den Medien erscheinen immer wieder Ranglisten über die beliebtesten Arbeitgeber. Achten sie dabei auf die Aktualität und Ausgewogenheit der Informationen.

Fluktuation prüfen: Fragen Sie im Vorstellungsgespräch nach der durchschnittlichen Dauer eines Mitarbeitenden im Betrieb. Je tiefer diese ist, desto besser. Die Fluktuation ist ein guter Indikator für das Arbeitsklima und die Zuverlässigkeit von Arbeitgeberaussagen. Allerdings: Überprüfen lassen sich solche Aussagen mangels offiziellen Zahlen kaum.

Grund der Stellenbesetzung erfragen: Fragen sie nach dem Grund der Stellenbesetzung. Handelt es sich um einen Ersatz oder eine Aufstockung? Dies gibt zum einen ein Hinweis über die Fluktuation im Betrieb, aber auch über die Stärke des Betriebs.

"Undercover" gehen: Wenn Sie sich zum Beispiel für einen Job als Schaltermitarbeiter auf einer Bank interessieren, gehen sie in die Schalterhalle der betreffenden Bank und beobachten Sie, was zwischenmenschlich abläuft.

Probearbeiten als Chance: Ein oder mehrere Bewerbungsgespräche alleine reichen in der Regel als Entscheidungsgrundlage nicht aus. Fragen sie, ob sie beim Unternehmen Probearbeiten können. Wer schon einen Job hat, muss dafür beim aktuellen Arbeitgeber freinehmen.

Image und Stabilität einer Firma prüfen: "Googeln" Sie den Namen des Arbeitgebers und achten Sie dabei auf mögliche Verwicklungen in Skandale. Zudem lohnt es sich, ein Auge auf veröffentlichte Geschäftszahlen zu werfen. Sie geben Auskunft auf die finanzielle Stabilität und somit die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit einer Unternehmung.

Führungsstruktur beachten: Ein Blick auf das Organigramm einer Firma zeigt, wem beziehungsweise wie vielen Vorgesetzten man unterstellt ist. Zu viele Chefs können zu Koordinations- und Zuständigkeitsproblemen führen und machen die Arbeitsabläufe oft träge.