Wie Händler aus Hypotheken-Ermittlungen in Schatten-Welt landen

Einige in Ermittlungen verstrickte Hypothekenbonds-Händler wechseln in das Schattenbanken-System. Dort haben ihre neuen Arbeitgeber mehr Spielraum dabei, Menschen mit Schönheitsfehlern im Lebenslauf einzustellen.
11.12.2016 01:00
Banker sind bei kleineren Firmen im Schattenbanken-System gefragt
Banker sind bei kleineren Firmen im Schattenbanken-System gefragt
Bild: Pixabay

Mehr als 20 Händler bei grossen Banken haben ihre Jobs aufgegeben oder wurden aus ihren Unternehmen gedrängt - angesichts einer ganzen Welle von internen Untersuchungen der Banken und Ermittlungen der US-Regierung zu Fehlverhalten bei Handel und Preissetzung von Hypothekenbonds und anderen komplexen Verbindlichkeiten in den vergangenen Jahren. Das geht aus einer Überprüfung von Unterlagen zu Beschäftigungsverhältnissen durch Bloomberg hervor.

Viele dieser Finanzprofis, die sich seit 2013 im Netz der Ermittlungen verfangen hatten, finden sich jetzt mit Flecken im Lebenslauf wieder, obwohl sie niemals angeklagt wurden oder ihren Arbeitsplatz sogar freiwillig verliessen. Mindestens zehn gingen zu Online-Banken, nicht-börsennotierten Brokern und anderen Unternehmen, die weniger der Aufsicht unterliegen, belegen Dokumente und Interviews.

„Wer in der Bankenbranche ein Problem mit der Aufsicht hatte, lebt fortan mit einem Stigma“, sagt Seth Taube, Partner bei der Anwaltskanzlei Baker Botts und ehemaliger Ermittler bei der U.S. Securities and Exchange Commission, mit Blick auf Händler, die der Wall Street den Rücken gekehrt haben. „Leute, die in der regulierten Branche arbeitslos sind, wechseln zur nicht-regulierten Branche.“

Strengere Regeln pushen unregulierte Bereiche

Die Einstellungen machen deutlich, wie die strengen Prüfungen in einem Teil des Finanzsystems, hauptsächlich den stark regulierten Banken, dabei helfen, das Wachstum weniger regulierter Teile anzutreiben.

Grosse Banken wie etwa Citigroup und Morgan Stanley haben seit der Finanzkrise von 2008 mehr als 500.000 Arbeitsplätze gestrichen – nicht zuletzt wegen stärkerer aufsichtsrechtlicher Bestimmungen.

Gleichzeitig stellten viele kleinere Firmen im Schattenbanken-System neue Mitarbeiter ein. Gemeint sind unter anderem Unternehmen, die ausserhalb der konventionellen Bankenbranche Geld leihen und verleihen, darunter kleine Investmentbanken, die dabei helfen, Kredite in Anleihen zu verpacken.

Händler Alejandro Feely beispielsweise gab im vergangenen Jahr eine Führungsrolle bei Morgan Stanley auf. Zuvor hatte die Bank Vorwürfe zu seinem Verhalten bei einem früheren Arbeitgeber untersucht, zeigen öffentlich zugängliche Beschäftigungs-Unterlagen. Die Vorwürfe standen im Zusammenhang mit einer US-Untersuchung zum Handel von Hypothekenbonds und anderen komplexen Papieren, hiess es aus informierten Kreisen. Ende September wurde er von Brownstone Investment Group angestellt, einer Handels- und Brokerage-Firma. Feely und Morgan Stanley wollten auf Nachfrage von Bloomberg keinen Kommentar abgeben.

Fintech-Unternehmen als Option für Banker mit Compliance-Problemenen

Bereits im vergangenen Jahr hatte Brownstone einen anderen Wall-Street-Veteranen an Bord geholt: Joe Reardon, der von der Deutsche Bank gefeuert worden war, nachdem die Bank eine aufsichtsrechtliche Anfrage zu Informationen erhalten und dann festgestellt hatte, dass er interne Vorschriften verletzte, zeigen Beschäftigungs-Unterlagen. Reardon wollte ebensowenig einen Kommentar abgeben wie Brownstone.

Ben Solomon, ein früherer Handelschef bei der Deutschen Bank, der im vergangenen Jahr angesichts einer internen Untersuchung zu Hypothekenbonds von Bord ging, ist ein weiteres Beispiel. Er fing in diesem Jahr bei einer Online-Bank an.

Personalberater haben eine ganze Reihe von Kandidaten gesehen, die in die Fänge von Ermittlungen geraten waren, berichtet Mike Karp, Chef und Mitbegründer des Beraters Options Group.

„Unsere erste Frage an Kandidaten ist, ob es irgendwelche früheren oder laufenden Compliance-Probleme gibt“, sagt Karp. Falls das der Fall ist, „raten wir ihnen für gewöhnlich, sich ihre Optionen anzusehen – wie etwa bei Fintech-Unternehmen zu arbeiten“.

(Bloomberg)