Wie man 100'000 Franken anlegt

Es gibt zahlreiche Varianten, 100'000 Franken zu investieren. cash nennt die wichtigsten Aspekte, die es dabei zu beachten gilt.
19.06.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Wie legt man eine grössere Summe Geld an?

Angenommen, Sie besitzen 100'000 Franken und möchten diese über die nächsten fünf Jahre anlegen. Wer sich einen solchen Anlagehorizont setzt, sollte sich zuallererst über die wirtschaftlichen Aussichten und das eigene Risikoprofil bewusst werden. Daraus leitet sich dann die Portfolio-Zusammenstellung ab.

Folgende Aspekte haben einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung von Wertpapierpreisen:

Wirtschaftsentwicklung: Die Weltbank hat erst kürzlich ihre Prognose für die weltwirtschaftliche Entwicklung des laufenden Jahres von 3,2 auf 2,8 Prozent korrigiert. Für die Jahre 2015 und 2016 geht die Organisation von einem Wachstum von rund 3,5 Prozent aus. Mit Blick auf die Entwicklungs- und Schwellenländer rechnen Experten damit, dass sich die Wachstumsraten in den kommenden zwei Jahren bei 5,5 Prozent einpendeln werden.

Zinsen: Auch an der Zinsfront ist wenig Bewegung zu erwarten. Seit die Europäische Zentralbank ihren Leitzins jüngst gesenkt hat, ist klar, dass auch die Schweizerische Nationalbank für geraume Zeit nicht an der Zinsschraube drehen wird. Marktstimmen rechnen gar erst 2018 mit einer Zinswende am kurzen Ende in der Schweiz (zum Artikel). Ob die USA ihren Leitzins bereits 2015 langsam anheben wird, ist ebenfalls unklar. Einzig von den langfristen Zinsen kann ein langsamer Anstieg erwartet werden. Doch global gesehen, sollten sich Anleger für die kommenden Jahre weiterhin auf ein Umfeld mit tiefen Zinsen einstellen.

Inflation: Neben den wirtschaftlichen Aussichten und den Entwicklungen an der Zinsfront spielt insbesondere für langfristig orientierte Anleger die Inflationsprognose eine wichtige Rolle. Denn wenn sich die Inflationserwartungen stark verändern, hat das bedeutenden Einfluss auf die Preise von Aktien- und Obligationen. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass die Inflationsraten in den kommenden 12 Monaten moderat bleiben und auf lange Frist etwas ansteigen werden.

Aus diesem wirtschaftlichen Zukunftsszenario ergeben sich drei Portfolio-Zusammenstellungen - je nach Risikoprofil.

Defensives Portfolio: Grundsätzlich gilt: Je zurückhaltender ein Anleger, desto tiefer sollte der Aktienanteil sein. Damian Gliott von Vermögenspartner geht sogar so weit, dass er Aktieninvestments erst ab einem Anlagehorizont von zehn Jahren empfiehlt. Auch Kantonalbanken raten in ihrem Musterportfolio mit dem tiefsten Risikoprofil nicht zu Aktien.

Weniger risikoreich sind Obligationen. Sie dienen einerseits als Absicherung gegen das Aktienrisiko, andererseits als Stabilisator und Anker in einem Portfolio. Zudem werfen Obligationen einen konstanten Zins ab. Allerdings gilt auch hier Vorsicht bei der Auswahl: Anleihen mit einem Rating, das tiefer ist als BBB, sind nicht zu empfehlen. Um die Auswahl zu erleichtern, bieten sich Obligationenfonds an.

Es gibt aber auch Gründe, die in jedem Fall für einen, wenn auch geringen, Aktienanteil sprechen. Allerdings nehme das Portfolio-Risiko ab einem Aktienanteil von 10 Prozent deutlich zu, sagt Stephan Meschenmoser, Anlagestratege bei Blackrock. Am Schweizer Aktienmarkt gibt es beispielsweise Titel wie Swisscom, die über ihre konstant hohe Dividende auch in einem defensiven Portfolio Platz haben. Eine weitere Alternative zu Aktien kann auch ein einfaches Sparkonto sein. Auch wenn die Sparzinsen moderat sind, lohnt sich dennoch ein Vergleich zwischen Anbietern, wie Daten von Comparis zeigen.

Ausgewogenes Portfolio: Wer etwas mehr Risiko eingehen will, kann den Aktienanteil in seinem Portfolio erhöhen. Die St. Galler Kantonalbank und die Bank Raiffeisen empfehlen ihren Kunden eine Quote von rund 45 Prozent. Gleichzeitig wird der Anteil von Obligationen reduziert. Marktstimmen trauen insbesondere japanischen Aktien und einzelnen Schwellenländer-Märkten auf lange Sicht spannendes Potenzial zu.

In diesem Risikoprofil können zudem alternative Anlagen wie Immobilien, Edelmetalle oder Rohstoffe im Gesamtumfang von maximal 15 Prozent ins Auge gefasst werden. Gerade Immobilien können ein Portfolio weiter diversifizieren. Bei Investments in Gold gilt zu beachten, dass das Edelmetall historisch eher als Katastrophenschutz denn zur Wertgenerierung dient.

Risikofreudiges Portfolio: Den Aktien wird in den nächsten fünf Jahren mehr Wertzuwachs zugetraut als Obligationen. Steigt die Inflation und beginnen die Zinsen allmählich anzuziehen, verlieren Anleihen zusätzlich an Attraktivität.

Bei der Jagd nach hohen Renditen kommt man also an einem hohen Aktienanteil zwischen 60 und 100 Prozent nicht vorbei – allerdings mit dem entsprechenden Risiko für Kursschwankungen. "Aktien sind das Salz in der Suppe eines Portfolios", sagt Caroline Hilb, Leiterin Anlagestrategie der St. Galler Kantonalbank. Dementsprechend vorsichtig sollte bei der Auswahl vorgegangen werden - Sektoren und Regionen gilt es breit zu streuen. In wachstumsstarken Märkten kann durchaus

Im Bereich der Obligationen kommen allenfalls Schwellenländer-Anleihen infrage. Und zur Diversifizierung der herkömmlichen Anlageklassen können auch Investitionen in Hedgefunds oder Derivate berücksichtigt werden.

Für jeden Anleger gilt: Ein regelmässiges Überprüfen des Portfolios ist in jedem Fall Pflicht, und zwar unabhängig vom gewählten Risikoprofil. Denn je nach Veränderung der persönlichen Situation steht auch die Anlagestrategie auf dem Prüfstand.