Wie man das eigene Portfolio gesund hält

Die richtige Vermögensaufteilung ist kein Selbstläufer. Es lohnt sich, regelmässig einen Gesundheits-Check vorzunehmen und dabei gleichzeitig die eigene Strategie zu hinterfragen. cash zeigt, wie dabei vorzugehen ist.
13.01.2016 00:01
Von Pascal Züger
Auch ein Portfolio hat regelmässig ein Check-Up nötig.
Auch ein Portfolio hat regelmässig ein Check-Up nötig.

Der Anlageerfolg steht und fällt mit der Wahl der richtigen Strategie. Dabei geht es nicht um die Wahl einzelner Aktien, sondern um das grosse Ganze. Also darum, wie das Vermögen überhaupt auf die einzelnen Anlageklassen Aktien, Obligationen, Bargeld, Immobilien usw. aufgeteilt werden soll. Traditionell ist der Januar der Monat, in dem sich Anleger solche Gedanken machen.

Dass es an den Börsen gerade wild zu und her geht, soll nicht vor dem Portfolio-Check abhalten, sind sich Experten einig. "Grundsätzlich sind Anpassungen im Portfolio unabhängig von der aktuellen Börsensituation durchzuführen, da der Faktor Timing auf lange Frist nur eine sehr kleine Rolle im Anlageerfolg spielt", sagt dazu Andri Peer, Inhaber der Vermögensverwaltung Peersuna, auf Anfrage von cash.

Um den Investitionserfolg zu maximieren, empfiehlt sich ein nüchterner Portfolio-Check nach folgenden drei Schritten:

1) Die richtige Portfoliostruktur finden

Es ist besser sich seiner Anlagestrategie zu besinnen als übereilte Transaktionen zu tätigen. "Bullen- und Bärenmärkte wechseln sich ab wie Tag und Nacht", so Daniel Hug, Geschäftsführender Teilhaber des Vermögensberaters Blankart & Cie. Und gerade in volatilen Börsen-Zeiten wie jetzt, gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. 

Die richtige Vermögensverteilung ist schlussendlich eine sehr individuelle Sache und von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Anlagehorizont: Soll das Geld kurz- oder langfristig angelegt werden? Vor allem in der langen Frist generieren Aktien oftmals eine sehr hohe Rendite, mit der andere Anlageklassen kaum mithalten können. In der kurzen Frist schwankt die Rendite von Aktien jedoch stark.
  • Risikofähigkeit: Der Anleger muss wissen, welchen Teil des Vermögens er zum Leben braucht und was er investieren möchte. Hat sich an der Lebenssituation Grundlegendes verändert – etwa durch eine Heirat oder einen Jobverlust – muss dies auch in der Anlagestrategie berücksichtigt werden.
  • Risikobereitschaft: Risikofreudige Personen wollen einen möglichst hohen Gewinn und sind bereit, dafür auch ein hohes Risiko einzugehen.

Aus diesen Faktoren ergibt sich das Risikoprofil. Es zeigt, ob Sicherheit oder Risiko beim Anlegen überwiegen. Und hier läuft schlussendlich alles auf die Gretchenfrage "wie viele Aktien sollen es sein?" hinaus. Denn: Mehr Risiko eingehen, bedeutet auch einen höheren Aktienanteil besitzen und umgekehrt. Daraus folgen zwei mögliche Vermögensaufteilungen mit unterschiedlichem Risikoprofil:

Defensives Portfolio: Je zurückhaltender ein Anleger, desto tiefer sollte der Aktienanteil sein. Ganz ohne Aktien geht es aber auch hier nicht. Die Raiffeisen-Bank empfiehlt für defensive Anleger einen Aktienanteil von 20 Prozent, die Vermögensexperten Hug und Peer würden auf maximal 25 Prozent gehen. Weniger risikoreich sind Obligationen. Sie dienen einerseits als Absicherung gegen das Aktienrisiko, andererseits als Stabilisator und Anker in einem Portfolio. Allerdings gilt auch hier Vorsicht bei der Auswahl: Anleihen mit einem Rating, das tiefer ist als BBB, sind nicht zu empfehlen. Um die Auswahl zu erleichtern, bieten sich Obligationenfonds oder entsprechende ETF an.

 

Defensives Portfolio, Quelle: Andri Peer, Peersuna.

Risikofreudiges Portfolio: Bei der Jagd nach hohen Renditen ist ein hoher Aktienanteil unumgänglich – allerdings natürlich unter Inkaufnahme des höheren Risikos. Für Hug von Blankart & Cie. wäre es jedoch vermessen, alles auf die Karte Aktien zu setzten: "Bedingt durch die euphorischen Kursgewinne der letzten Jahre raten wir risikobereiten Anlegern, Gewinne mitzunehmen und die Aktienquote auf 50 Prozent des Portfolios zu beschränken." Im Bereich der Obligationen kommen allenfalls etwas risikoreichere Schwellenländer-Anleihen infrage. Und zur Diversifizierung der herkömmlichen Anlageklassen können auch Investitionen in Hedgefunds oder Derivate berücksichtigt werden.

Risikofreudiges Portfolio, Quelle: Andri Peer, Peersuna.

2) Regelmässig die Portfolio-Struktur checken

Ein Risikoprofil wählen, sich die gewünschte Anlage-Struktur erstellen und dann zurücklehnen: Das funktioniert leider nicht. Ein regelmässiges Überprüfen des Portfolios ist in jedem Fall Pflicht. Kursveränderungen oder Wertschriftenkäufe und –verkäufe können die Vermögenszusammenstellung ungewollt verändern. Das führt zu Über- respektive Untergewichtungen einzelner Anlageklassen.

Ein Beispiel: Zu Beginn des Jahres 2015 entscheidet sich ein risikofreudiger Anleger, 50 Prozent seines Vermögens von 100'000 Franken in Galenica-Aktien zu investieren. Das restliche Vermögen wird – um das Beispiel möglichst einfach zu halten – unverzinst angelegt. Am Ende des Jahres hat sich der Wert der Galenica-Titel massiv erhöht (Jahresperformance von rund 100 Prozent). Nun besitzt der Anleger – aufgrund des Kurszuwachses – Aktien im Wert von 100'000 Franken, während das nicht in Aktien angelegte restliche Vermögen weiterhin 50'000 Franken beträgt. Der Aktienanteil in der Portfoliostruktur ist nun – ohne absichtliche Veränderungen – von 50 auf 67 Prozent angestiegen.

Dieses fiktive Portfolio zeigt, dass ungewollte Änderungen in der Vermögensstruktur unvermeidbar sind. Ein Anleger kann sich plötzlich einem grösseren Risiko aussetzen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

3) Das Vermögen geschickt umschichten

Deshalb ist es wichtig, das Portfolio hin und wieder in Balance zu bringen. Zu diesem Zweck schichtet der Anleger das Vermögen um (auf Englisch "rebalancing"). Was nichts anderes bedeutet, als das Verhältnis von Aktien, Obligationen und Co. wieder in das gewünschte Verhältnis zu setzen.

Dabei gilt es jedoch behutsam vorzugehen. Nicht jede Abweichung muss sofort ausgemerzt werden. Viel besser ist es, ruhig Blut zu bewahren und "soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich" umzuschichten, wie dies Hug formuliert. Denn bei einer Umschichtung fallen direkte Kosten (z.B. Courtagen, Währungsdifferenzen), aber auch indirekte Kosten durch die gewählten Produkte (z.B. Fondskosten) an. Zu viele Umschichtungen gehen deshalb ganz schön ins Portemonnaie, wie auch die Börsenweisheit "Hin und her macht Taschen leer", andeutet.

Es kann genügen, einmal im Jahr einen solchen Check durchzuführen und dabei bei der eigenen Portfoliostruktur gewisse Abweichungen von der Idealstruktur zu tolerieren, um die Kosten eines ständigen "Schönfrisierens" zu meiden. Vermögensexperte Peer empfiehlt jedoch - da in den letzten Jahren die Schwankungen an den Finanzmärkten innerhalb des Jahres zugenommen haben - eine halbjährliche Anpassung. Ob jedoch ein-, zwei- oder gar viermal umgeschichtet wird, hängt schlussendlich von den Präferenzen des Anlegers ab.